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Falschgeld aus dem Internet überrollt den Norden

Laut Ermittlungen wird Falschgeld  in Päckchen von 20 bis 200 Scheinenangeboten (Symbolbild)

Laut Ermittlungen wird Falschgeld in Päckchen von 20 bis 200 Scheinenangeboten (Symbolbild)

Foto: Robert Schlesinger / dpa

Fahnder registrieren dieses Jahr schon mehr als 2400 Fälle – und erwischen viele junge Leute. Fälle gibt es auch in Schleswig-Holstein.

Ahrensburg.  Waffen, Diebesgut oder gestohlene Identitätsdaten – das Internet bietet Kriminellen eine offensichtlich sichere Handelsumgebung. Jetzt wird im großen Stil Falschgeld via Internet bestellt und per Post geliefert.

Das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel spricht dabei von einer „explosionsartigen Entwicklung“. 2012 registrierten die Beamten 590 Fälle, in denen in Schleswig-Holstein Blüten in Umlauf gebracht wurden. Ein Jahr später bearbeiteten die Ermittler mit 1356 Fällen mehr als doppelt so viele Taten. Ein Niveau, das 2014 unverändert blieb.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat sich die Zahl massiv erhöht. Bis zum 12. November wurden mehr als 2400 Fälle bekannt, in denen mit Falschgeld gezahlt wurde. Der Schaden beläuft sich auf mehr als 100.000 Euro. Grund für den bundesweiten Anstieg ist laut der Ermittler die „leichte Verfügbarkeit im Darknet“. Das ist quasi ein Bereich im Internet, in den man nur mittels eines speziellen Browsers gelangt, der zudem dafür sorgt, dass man anonym bleibt. Suchmaschinen finden solche Seiten nicht.

Spur führt zu Kriminellen in Italien, die die Blüten päckchenweise verschicken

Der Handel mit Falschgeld läuft in geschlossenen Gruppen ab, wie auch bei anderen kriminellen Geschäften. „Der Besteller wiegt sich in Sicherheit, weil die Anbieter sämtliche Verschleierungsmöglichkeiten nutzen, um in Anonymität zu bleiben und zugleich den Käufer zu schützen“, sagt LKA-Sprecher Stefan Jung.

Ermittlungen ergaben, dass Falschgeld in Päckchen von 20 bis 200 Scheinen (überwiegend 20 und 50 Euro) angeboten werde. Käufer zahlen 15 bis 20 Prozent des vermeintlichen Geldwertes. Die Bezahlung erfolgt digital mit sogenannten Bitcoins, die über mehrere Wege und nicht nachvollziehbar als echtes Geld auf den Konten der Kriminellen landen.

Die Erkenntnisse über dieses Geschäftsmodell erlangten Ermittler von Europol und aus Italien. Dort werden die hochwertigen Blüten hergestellt. Auch gab es bei den bisherigen Ermittlungen bundesweit mehrere Durchsuchungen bei Käufern.

Fahner mussten feststellen, dass Schüler die falschen Scheine bestellen

In Schleswig-Holstein mussten die Fahnder feststellen, dass insbesondere Schüler und Auszubildende die falschen Scheine im Internet bestellen. „Das sind junge Menschen, die meistens zuvor noch nie mit der Polizei in Berührung gekommen waren“, sagt Rüdiger Richert, Leiter der Falschgelddienststelle im LKA. Der Kauf der Blüten sei eine Straftat und werde mit einer Freiheitsstrafe ab einem Jahr geahndet.

Weil die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, rät das LKA zur Selbstanzeige. Richert: „Ich empfehle den Schritt nach vorn. Das ist die letzte Chance, die strafrechtlichen Konsequenzen zu mildern, bevor die Fahnder den Abnehmer identifizieren.“