Stormarn
Defibrillatoren

Aktion Herznacht – jeder kann Leben retten

Foto: Michelle Ohl / HA

Regionalverband des Arbeiter-Samariter-Bundes klärt auf der ASB-Herznacht am 25. November 2015 über den Umgang mit Defibrillatoren auf.

Bad Oldesloe.  Ein Herr hält sich im Supermarkt die Brust, Schweißperlen auf seiner Stirn. Der Mann stützt sich an einer Kühltruhe ab, verweilt mehr als zwei Minuten in dieser Position. Die ersten Anzeichen eines Herzstillstandes scheinen zunächst harmlos. Doch je schneller Hilfe eintrifft, desto besser. Aber wie verhalte ich mich richtig? „Eine solche Situation löst bei vielen Menschen zunächst Angst aus“, sagt Claudia Ehmsen, Ausbildungsleiterin des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). „Angst davor, etwas falsch zu machen.“ Um den Menschen dieses Unbehagen zu nehmen, lädt der ASB-Regionalverband Stormarn-Segeberg am Mittwoch, 25. November, von 19 bis 22 Uhr zur ASB-Herznacht ein (Turmstraße 8–12, Bad Oldesloe). Was genau dahinter steckt? Ein Event, das informieren, aufklären, beruhigen und die eigenen Fähigkeiten schulen soll.

Jährlich sterben in Deutschland 100.000 Menschen an einem Herzanfall

Sanitäter Oliver Renter hat ein wachsames Auge und spürt sofort, wenn eine Situation brenzlig wird HA Michelle Ohl

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich sind mehr als 100.000 Menschen betroffen. Oft auch ohne jegliche Vorerkrankung. „Deshalb ist es wichtig, dass so viele Menschen wie möglich über das Thema Herzgesundheit aufgeklärt werden“, sagt Sanitäter Oliver Renter. Da ein Rettungswagen rund fünf Minuten bis zum Einsatzort benötigt, liegt das Schicksal des Betroffenen häufig in den Händen des Ersthelfers. „Auf den Straßen laufen überall potenzielle Ersthelfer herum – und genau die gilt es, zu erreichen“, sagt er.

Die Herznacht ist die erste Veranstaltung dieser Art. Unter anderem im Programm: das Üben einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) und das Anwenden wertvoller Erste-Hilfe-Tipps. Einer der vielleicht wichtigste Programmpunkte: das Üben des Umgangs mit einem Automatischen Externen Defibrillators (AED). Denn, wer hätte es gedacht, heutzutage gelingt der Einsatz eines sogenannten Defis kinderleicht. Was genau das Gerät leistet? Es unterstützt den Helfer bei den lebensrettenden Maßnahmen. Schritt für Schritt. Eine Stimme ertönt beim Einschalten des Defis. Erklärt dem Ersthelfer ganz genau, was zu tun ist. Dabei analysiert und entscheidet das Gerät in Eigenregie, wann Stromstöße gesetzt werden sollten. So kann dem Betroffenen zu einem normalen Herzschlag verholfen werden.

Kostenlose App zeigt alle verfügbaren Geräte im Umkreis

Im Fokus steht auch die Präsentation des im September 2015 angelaufenen Projekts Schleswig-Holstein schockt, in dem es darum geht, flächendeckend alle öffentlich zugänglichen Defibrillatoren zu erfassen und der Öffentlichkeit mit einer kostenlosen App zur Verfügung zu stellen. Durch diese Applikation werden einem, bei eingeschaltetem GPS (Globales Positionsbestimmungssystem), alle verfügbaren Defibrillatoren in der direkten Umgebung angezeigt. Darüber hinaus liefert die App Erste-Hilfe-Maßnahmen und die Möglichkeit, sofort den Notruf zu tätigen. In Bad Oldesloe gibt es derzeit rund neun Geräte, in Stormarn sind es etwa 15, bundesweit mehr als 1000 Stück. Sie sind in Büchereien, an Bahnhöfen, in Bankfilialen, Hotels und Festhallen oder vereinzelten Unternehmen zu finden.

In jeder Minute ohne Defibrillator sinken die Überlebenschancen um zehn Prozent

An Flughäfen ist es Pflicht, einen Defibrillator zur Verfügung zu stellen. Bundesweit. Der Preis eines AEDs liegt bei etwa 1200 Euro. „Dennoch ist es wünschenswert, dass sich das Bewusstsein weiter schärft, noch mehr Defis in den Umlauf kommen“, sagt Claudia Ehmsen. In jeder Minute, in der auf das Gerät verzichtet wird, sinken die Überlebenschancen bei einem Herzanfall um zehn Prozent. „Unsere Aufgabe ist es nun, der Bevölkerung den wirklich leichten Umgang mit diesen Geräten zu vermitteln. „Das Gerät nimmt den Helfer an die Hand“, sagt die Ausbildungsleiterin. Wichtig: Ein solcher Defibrillator eignet sich nicht dafür, Kinder zu behandeln. Warum? Bei Kindern hat ein Herzstillstand andere Ursachen als Kammerflimmern. Der ASB wünscht sich, dass sich die Ersthelfer ihre Angst verlieren, etwas falsch zu machen. Ja, ein erfahrener Sanitäter entwickelt mit der Zeit das Gefühl für Situationen wie diese und die Expertise. „Aber jeder kann helfen, wenn er über den richtigen Umgang mit einem Defibrillator aufgeklärt wurde“, sagt Oliver Renter.

Den Betroffenen ansprechen, einen Notruf absetzen, die Atemwege des Patienten freimachen, Defibrillator anschließen, 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen, Schock auslösen – und ganz wichtig: Ruhe bewahren. Nach dem Besuch der Herznacht wissen die Besucher, was zu tun ist, wenn sich ein Herr im Supermarkt die Brust hält und sich Symptome eines Herzstillstandes zeigen. Und selbst wenn nicht: Der Defibrillator flüstert es ihnen.