Stormarn
Ahrensburg

Kaufmännische Azubis mit dem gewissen Etwas

Senka Mesic arbeitet bei  bei Dental Central in Trittau

Senka Mesic arbeitet bei bei Dental Central in Trittau

Foto: Lutz Wendler / HA

An der Beruflichen Schule wird zum sechsten Mal der Gerd-Schult-Preis vergeben – unter anderem an Senka Mesic und Viktor Brak.

Ahrensburg.  Gute Schüler hat die Berufliche Schule des Kreises in Ahrensburg viele. Die sechs kaufmännischen Auszubildenden aber, die am heutigen Donnerstag, 12. November, um 11 Uhr in der neuen Aula mit dem Gerd-Schult-Preis der Stiftung Erwin Baer ausgezeichnet werden, haben auch noch das gewisse Etwas. „Die Kandidaten sollten auch integer und sozial sein, vielleicht sogar Vorbildcharakter haben“, sagt Ulrich Korn, als Abteilungsleiter Wirtschaft für die kaufmännischen Auszubildenden, etwa 900 der rund 2100 Schüler an der Beruflichen Schule, zuständig.

Die Jury, der neben Lehrern und der Stifterin auch Vertreter der Indus­trie- und Handelskammer Lübeck angehören, hat in diesem Jahr Laura Alex (Schuh Bode in Ahrensburg), Nathalie Eckstein (Grossmann in Reinbek), Senka Mesic (Dental-Central in Trittau), Tatjana Hoffmann (Nordland in Ahrensburg), Viktor Brak (Stappert in Ahrensburg) und Malte Jarick (Höffner in Barsbüttel) als Preisträger ausgewählt. Der Preis ist mit jeweils 500 Euro dotiert.

Den ausgezeichneten Azubis, die aus verschiedenen kaufmännischen Ausbildungsgängen der Beruflichen kommen und von ihren Lehrern empfohlen wurden, haben gemeinsam, dass sie auch als starke Persönlichkeiten aufgefallen sind – was ganz im Sinne von Elisabeth Hoyer ist, die den Preis gestiftet hat und seit sechs Jahren vergibt. Die Oststeinbeker Unternehmerin im Ruhestand fördert gerne junge Menschen, die es nicht immer leicht hatten und manchmal erst über „eine Zickzacklaufbahn“ den für sie richtigen Weg gefunden haben.

Wir stellen zwei der Absolventen vor:

Senka Mesic: Schwieriger Start in Deutschland

Wer erfahren will, was Wertschätzung im Kollegenkreis heißt, der sollte sich von Senka Mesic durch die Abteilungen ihrer Firma führen lassen. Egal wo, die Freude der Kollegen ist unübersehbar, wenn sie der 22-Jährigen begegnen. Senka Mesic ist so etwas wie eine Muster-Auszubildende bei Dental Central in Trittau. Sie hat die Lehre in Rekordzeit absolviert und so gut abgeschlossen, dass sie den Gerd-Schult-Preis erhält. „In meiner Abteilung sind alle ein bisschen stolz auf mich“, verrät sie.

Senka Mesic ist 1995 aus Bosnien nach Deutschland gekommen. Ihre Eltern hatten auf der Flucht vor dem Krieg die Heimatstadt Gračanica im Osten Bosniens verlassen. Auch wenn Senka damals noch klein war, erinnert sie sich an schwierige Jahre in Flüchtlingsheimen in Deutschland. „Es macht mich traurig, wenn ich heute höre, wie negativ Menschen in Deutschland auf Flüchtlinge in Not reagieren“, sagt sie.

Senka Mesics Familie ist in Ahrensburg sesshaft geworden. Die Stadt ist für sie die neue Heimat. Senka hat die Heimgartenschule besucht, danach Fachabitur und Abitur an der Beruflichen Schule nachgeholt. Die Arbeit bei Dental Central betrachtet sie als Glücksfall, weil sie hier im Kleinformat eines Großhandels mit 40 Mitarbeitern alle Abteilungen vom Lager bis zur Finanzbuchhaltung intensiv durchlaufen hat. Nach der Lehre wurde sie übernommen und arbeitet in ihrer Lieblingsabteilung, im Verkauf. Erst einmal will sie Berufserfahrung sammeln – und später vielleicht noch ein duales Studium beginnen.

Viktor Brak: Ein Job für Kopf und Muskeln

Dass Viktor Brak zupacken kann, ist unübersehbar. Der 24-Jährige betreibt als Hobby Kraftsport. Die Muskelkraft kommt ihm auch bei der kaufmännischen Arbeit zugute. Denn Viktor hat sich einen Job ausgesucht, der Büro und körperliche Arbeit gut miteinander verbindet. Er hat eine Ausbildung als Lagerlogistiker beim Stahlgroßhändler Stappert in Ahrensburg absolviert. Offenbar eine ideale Kombination: Viktor Brak ist landesbester Lagerlogistik-Azubi und erhält darüber hinaus auch den Gerd-Schult-Preis als vorbildlicher Auszubildender an der Beruflichen Schule.

Viktor wuchs in einem sibirischen Dorf bei Omsk auf. Seine Deutsch sprechenden Eltern emigrierten als Spätaussiedler. Die Familie landete in Ahrensburg und wohnte anfangs in einem Aufnahmequartier beim Badlantic. Ein Jahr später wechselte sie in eine eigene Wohnung am Gartenholz. Viktor Brak besuchte die Stormarnschule, ging nach der Fachhochschulreife ab und verpflichtete sich bei der Bundeswehr. Mehr als ein Jahr im Transportzug wollte er dort nicht verbringen, zumal er nun wusste, was für eine Ausbildung er machen wollte.

Stappert hat sich für ihn als idealer Arbeitgeber erwiesen. Viktor arbeitet mit Köpfchen, übernimmt Verantwortung, will sich zum Lagermeister qualifizieren und weiter anpacken. Auch wenn die Stahlteile meist mit Kran oder Gabelstapler befördert werden, nimmt er 20-Kilo-Stücke schon mal in die Hand, damit es schneller geht. Ist ja nichts gegen die 100 Kilo beim Bankdrücken in der Muckibude.