Stormarn
Ahrensburg

Neuer Schulleiter tauscht Kakteen gegen Laubbäume

Wolfgang Jakobi ist der neue Schulleiter der Selma Lagerlöf Schule

Wolfgang Jakobi ist der neue Schulleiter der Selma Lagerlöf Schule

Foto: Lutz Wendler / HA

Wolfgang Jakobi ist beruflich weit herumgekommen in der Welt. Jetzt kommt er aus Mexiko nach Ahrensburg an die Selma-Lagerlöf-Schule.

Ahrensburg.  Wolfgang Jakobi ist beruflich weit herumgekommen. Acht Jahre lang arbeitete er in Las Palmas auf Gran Canaria mit Blick auf Bananenstauden, sieben Jahre in der zentralmexikanischen Provinzhauptstadt Puebla. Als letzte Station seiner Laufbahn hat er sich als neuen Sehnsuchtsort den Kreis Stormarn ausgesucht. „Wir wollten wieder in einer Landschaft leben, in der wir uns zu Hause fühlen. Meine Frau liebt den Herbst und die bunte Laubfärbung“, sagt Jakobi. „In Puebla hatten wir nur die Wechsel von Trocken- und Regenzeit. Und wenn ein halbes Jahr lang alles verdorrt ist, dann wünscht man sich schon bald wieder deutsches Wetter.“

Dessen Vielfalt hat er in den vergangenen Monaten intensiv genießen können. Anfang August hat Jakobi seinen neuen Job in Ahrensburg begonnen und eine Doppelhaushälfte in Hoisdorf bezogen: Der promovierte Pädagoge ist als Nachfolger des pensionierten Gründungsdirektors Herbert Janßen neuer Leiter an der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule (SLG).

Jakobi leitete in Puebla von 2008 bis zum Sommer 2015 die Deutsche Schule, das Colegio Humboldt, das in Mexiko als beste Schule des Landes gilt. Jakobi war verantwortlich für die Organisation eines Betriebs mit mehr als 1600 Schülern, 120 Lehrern und 60 Angestellten auf einem Campus, der von einer Mauer umgeben war und streng bewacht wurde. In Ahrensburg ist vieles auf den ersten Blick ganz anders: etwa 700 Schüler und 60 Lehrer, erheblich weniger Angestellte und eine Atmosphäre der Offenheit.

Für den Spanischunterricht muss er sich mexikanische Eigenarten abgewöhnen

Wichtiger als kulturelle und organisatorische Unterschiede zwischen den beiden Schulen ist für Jakobi, der kürzlich 60 Jahre alt wurde, jedoch eine Erfahrung, die er in Puebla gemacht hat und die sich wunderbar auf den Schulalltag in Ahrensburg übertragen lässt. Die Schule, die am mexikanischen VW-Standort – inzwischen hat auch Audi ein Werk dort – gegründet wurde, hatte im Schnitt etwa 1100 mexikanische und 500 deutsche Schüler.

„Das war eine Begegnungsschule, in der verschiedene Kräfte wirkten und unterschiedliche Interessen auszugleichen waren. Das verändert die Sicht auf die Dinge und begünstigt eine Denkart, wie man gut miteinander umgeht, Gemeinsamkeiten entdeckt und fördert“, sagt Jakobi.

Wenn er über seine ersten Eindrücke von der SLG erzählt, ahnt man die Parallelen: „Ich hatte den Wunsch, an eine Schule zu kommen, wo gemeinschaftlich – auch mit Eltern und Kollegium – gearbeitet wird. Und ich habe hier eine sehr harmonische, sehr intakte Schule vorgefunden. Mich beeindruckt, wie Schüler miteinander umgehen, sich aussprechen lassen, sich einbringen, weil sie wissen, dass sie anerkannt werden. Das muss auf jeden Fall bewahrt werden.“

Jakobi lobt die nachhaltige Arbeit seines Vorgängers. Er selbst will erst mal zuhören und verstehen, was Schüler, Eltern und Lehrer bewegt, bevor er eigene Akzente setzt. Aber er sagt auch, dass Schule nicht stehenbleiben dürfe, sondern auf neue Herausforderungen reagieren müsse. „Wir können uns nicht auf dem ausruhen, was Herbert Janßen hinterlassen hat.“

Handlungsbedarf sieht er im Förderbereich, im inklusiven und integrativen Unterricht. „Die Fortbildung muss gestärkt werden, und wir werden bei neuen Aufgaben zusätzliche Unterstützung durch speziell ausgebildete Lehrer brauchen.“ Auch die Aufnahme von Flüchtlingen werde ein großes Thema sein, das auch bereichernd für alle wirken könne – wenn man die entsprechenden Mittel dafür habe.

Ausgebildet wurde Jakobi zum Mathe- und Kunstlehrer, in Ahrensburg unterrichtet er zunächst nur Spanisch – und muss sich einige Eigenarten der mexikanischen Grammatik wieder abgewöhnen.

Dass der gebürtige Ostwestfale zum Weltreisenden wurde, ist Kollegen zu verdanken, die ihn durch ihre Erzählungen angeregt haben. So war es auch ein schleswig-holsteinischer Schulrat, der ihn in Puebla auf Norddeutschland aufmerksam machte. Jakobi folgte seinem Bauchgefühl. Jetzt schaut er nicht mehr auf Kakteen oder Bananenstauden, sondern auf Stormarner Jugendliche. Eine Super-Aussicht.