Stormarn
Bad Oldesloe

Auf die Ruhe am nördlichen Kap folgt Touristen-Trubel

Foto: Wolfgang Leichsenring / HA

Das Oldesloer Ehepaar Leichsenring erkundet Neuseeland und Australien mit dem Wohnmobil. Heute: Eine Tour zum Nordkap Neuseelands.

Bad Oldesloe.  Nachdem sich unser Wohnmobil in Neuseeland warmgelaufen hat, nehmen wir Kurs auf die nördlichste Spitze. Auf gut ausgebauter, schlangenförmiger Teerstraße geht es zum Cape Reinga. Dieses Felsenriff bietet eine einzigartige Erfahrung, optisch wie spirituell. Der strahlend weiße Leuchtturm auf der Kapspitze soll 43 Seemeilen auf den Pazifik hinaus strahlen. Am Wegweiser erfahren wir, dass London 18.000 Kilometer entfernt liegt, der Südpol 6000 und der Äquator nur 3800 Kilometer.

Ist es vielleicht bereits das Tasmanische Meer, welches wir von unserem Platz aus erblicken? An diesem Kap treffen sich die beiden Ozeangiganten. Bei genauem Betrachten kann man sogar Zeuge des Zusammenpralls der Meeresströmungen werden.

So sehenswert und anziehend dieses Fleckchen Erde einherkommt, es bleibt ein ruhiger, keineswegs überlaufener Ort im neuseeländischen Frühling. Auf dem gebührenfreien Parkplatz – ein herrlicher Übernachtungsort für Campingplätze meidende Wohnmobilisten – blieben wir so gut wie allein. Erobern kann man sich ein riesiges Naturschutzgebiet auf gut ausgebauten Wanderwegen. Ein Gefühl unendlicher Weite stellt sich ein, sobald man das „Torhaus“ des Kaps durchschritten hat und der Blick sich am Meereshorizont verliert. Das unübertreffliche Naturspektakel ist „just for free“.

Spirituell bedeutet das Kap „Absprungplatz“ (The Leaping Place). Für die Maoris symbolisiert es eine heilige Stätte, von der aus die Seelen der Verstorbenen sich auf die unendliche Reise in die „Heimstätte ihrer Vorfahren“ machen. In dem Berg des Kaps sprudeln zwei Quellen.

Die eine wird „Te Waiora a Tane“ genannt und bedeutet „die lebenden Wasser des Deltas des Flusses Tane“. Sie symbolisiert die spirituelle Reinigung der Verstorbenen. Dieses Wasser wird für Bestattungszeremonien verwendet. Die andere Quelle heißt „Te Wai Whero o Rata“. Der Glaube besagt, dass Verstorbene, wenn sie von diesem Quellwasser trinken, sie den Weg in das Reich der Seelen fortsetzen. Wenn nicht, kehren sie zurück in die Welt der Lebenden.

Erheblich touristischer geht es, schon wieder südwärts rollend, auf dem weltberühmten Ninety Mile Beach zu. Diese Strand-Dünenwelt erstreckt sich zwar nur auf 56 Meilen. Geländewagen und Spezialbusse brausen und knattern auf und ab. Tagestouren per Bus gibt es zu 50 NZD. Der ökologische Preis wird damit bestimmt nicht abgegolten. Die rund 100 Meter hohen Te Paki Sand Dunes am Fluss gilt es, per Slide-Boards hinabzugleiten. Jeder Schafzüchter der Gegend verleiht diese gegen geringes Entgelt. Teurer ist das Mieten von weniger umweltfreundlichen Quads. Alles steht unter der Überschrift: „Want Adventure? Have Fun!“.

Dieser nördliche Ausläufer Neuseelands liegt in einer subtropischen Klimazone, ähnlich wie Florida. Beide Regionen sind mit Palmen bewachsen, in Neuseeland eher vereinzelt in Mischwäldern. In Florida genossen wir im Spätwinter/Frühfrühling satte 30 Grad Celsius und mehr. Hier bleibt das Thermometer selbst in der prallen Sonne gern bei 20 Grad stehen. Nachts haben wir uns mit einstelligen Zahlen zu begnügen. Subtropik ist eben nicht gleich Subtropik.

Wolf und Gabriele Leichsenring aus Bad Oldesloe fahren mit dem eigenen Wohnmobil ein Jahr lang durch Neuseeland und Australien.


In der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn berichten sie in unregelmäßigen Abständen von ihrer Tour. Ein Reisetagebuch der ehemaligen Lehrer ist auf ihrer Homepage
ga-wo.leichsenring.net/reisen/ zu finden.