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Bad Oldesloe

Oldesloer reisen im Wohnmobil um die Welt

 Gabriele und Wolf Leichsenring freuen sich auf den Flug im August nach Neuseeland. Ihr Wohnmobil wird Anfang Juli verschifft

Gabriele und Wolf Leichsenring freuen sich auf den Flug im August nach Neuseeland. Ihr Wohnmobil wird Anfang Juli verschifft

Foto: Isabella Sauer

Gabriele und Wolf Leichsenring aus Bad Oldesloe planen eine Tour durch Neuseeland und Australien – mit dem eigenen Auto.

Bad Oldesloe.  Zwanzig halb nackte, tätowierte Menschen tanzen: Sie lassen ihre Hände und Füße durch die Luft kreisen. Ihre Augen sind weit aufgerissen, sie lassen die Zungen aus dem Mund hängen. So sieht der Begrüßungstanz für Gäste der Ureinwohner Neuseelands, der Maori, aus. Und so zeigt es das Foto, das Wolf, 68, und Gabriele Leichsenring, 69, aus Bad Oldesloe in ihren Händen halten. Sie sitzen schon mal auf der blau-grauen Eckbank in ihrem Wohnmobil und können es kaum noch abwarten: Anfang August fliegt das Lehrer-Ehepaar – beide pensioniert – nach Neuseeland. Mehr als zwölf Monate lassen sie ihre fünf Kinder und vier Enkelkinder in Deutschland zurück. Ihr Wohnmobil aber nehmen sie mit. Per Schiff reist es voraus.

75.000 Kilometer durch die USA ist das Wohnmobil schon gefahren

Gabriele Leichsenring legt das Foto zur Seite. Dann fasst sie die Seele des Unternehmens Neuseeland in Zahlen: „Es ist 6,40 Meter lang, drei Meter hoch und 2,50 Meter breit. Mit neun Quadratmetern Wohnfläche. Der momentane Wert liegt bei 50.000 Euro.“ Seit Dezember 2012 reist das Ehepaar mit diesem Wohnmobil herum. Gabriele Leichsenring holt ein Buch aus einer Kiste und legt es auf den Tisch: „Wir waren 2013 in den USA. Unsere erste große Langzeitreise. 75.000 Kilometer haben wir zurückgelegt. Weitere 25.000 Kilometer sind im vergangenen Jahr während Reisen durch Frankreich, Irland und Schottland zusammen gekommen. Über unsere Erlebnisse haben wir ein Buch geschrieben.“ Ab Ende August möchte das Ehepaar zwei Länder besuchen, von denen sie schon vieles gehört haben, aber noch nie zuvor dort gewesen sind: Neuseeland und Australien. Stets dabei: das Wohnmobil. Aber warum mieten sie nicht einfach eines vor Ort?

Wolf Leichsenring schüttelt energisch den Kopf und sagt: „Wir haben alle Möglichkeiten durchgerechnet. Und das Verschiffen unseres eigenen Wohnmobils ist definitiv am günstigsten.“ Er nimmt einen Notizblock zur Hand und rechnet: „Wir hätten eine Mietzeit von rund zwölf Monaten. Pro Tag kostet ein Wohnmobil im Durchschnitt 140 Euro. Im Monat müssten wir knapp 4200 Euro zahlen. Nebenkosten kämen dann noch hinzu.“ Ganz unten auf dem Notizblatt steht die erschlagende Summe: 50.400 Euro. Einen Langzeitrabatt bekäme das Ehepaar nicht, denn sie bleiben nur zwei Monate in Neuseeland und zehn in Australien.

Seit mehr als einem Jahr plant das Ehepaar die große Reise

Über die Möglichkeit, sich ein Wohnmobil in Neuseeland zu kaufen und es nach der Reise wieder zu verkaufen, hat das Ehepaar auch nachgedacht. Gabriele Leichsenring sagt: „ Das Wohnmobil würden wir wahrscheinlich mit einem Verlust von 45 Prozent des Kaufpreises verkaufen.“ Also muss ihr Lieblingsmobil auf große Schifffahrt gehen: Am 9.Juli fährt es in Bremerhaven ab. Nach 42 Tagen sollte es dann in Auckland angekommen sein. Kosten dieser Variante: „nur“ rund 18.000 Euro.

Wolf Leichsenring legt den Notizblock weg und blättert in einem dicken Ordner. Seit mehr als einem Jahr plant das Ehepaar die große Reise. Das sieht man: ungezählte Blätter, Prospekte und Bilder sind abgeheftet. Wenn die Leichsenrings nicht gerade Reisen planen, halten sie Vorträge in ganz Deutschland. Dann erzählen sie von ihren bisherigen Wohnmobil-Touren. Nun hat Wolf Leichsenring das Flugticket vor sich liegen: „Am 20. August fliegen wir los nach Neuseeland.“

Der Reisealltag beginnt um 7 Uhr am Morgen, abends wird gearbeitet

Wenn die Oldesloer in Auckland angekommen sind, beginnt für sie ihr Reisealltag. Gabriele Leichsenring sagt: „Wir stehen wie gewohnt um 7 Uhr auf. Dann besichtigen wir Nationalparks, Sehenswürdigkeiten oder Städte. Bis 17 Uhr. Danach fangen wir an zu arbeiten.“ Arbeiten heißt: Fotos sichten, Blog-Einträge und Zeitungsartikel schreiben.

Campingplätze meiden die beiden, sie rasten eher in der freien Natur. „Auf dem Dach des Wohnmobils haben wir ein Solarpanel, und 160 Liter Frischwasser gibt es ebenfalls an Bord“, sagt Wolf Leichsenring. Wenn sie Frischwasser auftanken müssen, haben sie einen einfachen Trick: „Wir fahren ein Gartencenter oder einen großen Supermarkt an und holen uns Wasser aus der Blumenabteilung.“

Gedanken machen mussten sie sich bei ihrer Planung auch um das Thema Visum. In Neuseeland war das eher unproblematisch. 90 Tage dürfen sie bleiben, da sie einen Rückflug vorweisen können. Für Australien haben sie pro Person 450 Euro für ein Jahresvisum gezahlt. Besonders wichtig war auch die Planung für die notwendige Autoversicherung. „Das hat uns viele schlaflose Nächte bereitet“, seufzt Leichsenring. Um ein Auto überhaupt in das jeweilige Land zu bekommen, ist ein Einlassschein notwendig. Den gibt es vom ADAC. Vor Ort werden die Leichsenrings dann Mitglied von sogenannten Caravanclubs. Über die können sie ihr Wohnmobil versichern. Das kostet pro Monat etwa 80 Euro.

Es dürfen keine persönlichen Sachen im Wohnmobil sein

Bevor das Wohnmobil aufs Meer geht, muss es gründlich gereinigt werden. Das ist Vorschrift der Reederei. Fünf Seiten Reinigungsauflagen hat das Ehepaar bekommen. Sie haben mehrere Reinigungsfirmen angerufen, nur eine wollte und konnte helfen. Eine Auflage ist beispielsweise die chemische Reinigung der Tanks.

Eine weitere strenge Bestimmung der Transportfirma ist, dass keine persönlichen Sachen im Wohnmobil sein dürfen. „Angeblich aus Sicherheitsgründen“, sagt Wolf Leichsenring. Es dürfe also ein Campingtisch mitfahren, aber keine Kleidung, nicht mal eine Kabeltrommel. Eine Seetransportkiste, die einen Kubikmeter groß ist, muss her. Darin können die Leichsenrings Klamotten, Werkzeug und alles, was sonst gebraucht wird, unterbringen.

Wie finanzieren die Oldesloer ihre Fahrt? Gabriele Leichsenring: „Wir haben immer Geld zurückgelegt. Wir wussten, dass wir eines Tages auf große Reisen gehen werden.“