Stormarn
Ahrensburg

Nachbarn von Flüchtlingsheim fordern Gerechtigkeit

Wolfgang Meichßner von der Interessengemeinschaft Ahrensburger Kamp vor dem Blockheizkraftwerk, dass ihn und seine Nachbarn mit Fernwärme versorgt

Wolfgang Meichßner von der Interessengemeinschaft Ahrensburger Kamp vor dem Blockheizkraftwerk, dass ihn und seine Nachbarn mit Fernwärme versorgt

Foto: Birgit Schücking

Ärger um geplante Flüchtlingsunterkunft am Ahrensburger Kamp: Anwohner fühlen sich benachteiligt. Diesmal geht es um Heizkosten.

Ahrensburg. Es gibt wieder Zoff um die geplante Flüchtlingsunterkunft am Ahrensburger Kamp. Der Grund: Das Holzgebäude, das auf dem dortigen städtischen Grundstück gebaut werden soll, soll nach aktueller Bauplanung mit einer Gasheizung ausgerüstet werden. Das ist der Grund dafür, dass „der Blutdruck der übrigen Anwohner im Viertel erheblich steigt“, wie Wolfgang
Meichßner von der Interessenvertretung Ahrensburger Kamp sagt.

Die Häuser aller anderen Bewohner am Ahrensburger Kamp werden nämlich über ein Blockheizkraftwerk mit Fernwärme versorgt. Betreiber der Anlage, die derzeit erneuert werden muss, ist Hansewerk, ehemals E.on Hanse. Deren Preise, so Meichßner, seien überhöht und intransparent.

Auf Wunsch der Interessenvertretung hatte die Stadt deswegen den Konzessionsvertrag mit dem Energieversorger vorsorglich zu Ende Juni gekündigt. Und ihn nun wieder auf maximal 24 Monate verlängert, weil sich noch kein neuer Betreiber gefunden hatte. Versorgungssicherheit war die Losung, unter der die Entscheidung der Politiker stand (wir berichteten).

Die neuen Nachbarn sollen bekommen, was Anwohnern seit Jahren verwehrt bleibt

Dass nun der geplante Holzhaus-Neubau nicht „solidarisch“, wie Meichßner sagt, an das Fernwärmenetz angeschlossen wird, das empfinden die Bewohner als erneuten Affront.
Meichßner und seine Mitstreiter haben der Stadt zuvor schon vorgeworfen, dass eine gewünschte Übernahme von den Stadtwerken Ahrensburg nicht geklappt hat: „Der Bürgermeister Michael Sarach sieht sich nicht in der Lage, die Übernahme zu Wege zu bringen.“ Auch die Politiker im Aufsichtsrat der Stadtwerke und im Umweltausschuss hätten die Entscheidung mitgetragen, so Meichßner.

Achim Keizer ist Architekt im Ahrensburger Rathaus und mitverantwortlich für den Bau der vier Flüchtlingsunterkünfte, die außer am Ahrensburger Kamp auch an den Straßen Reeshoop und Lange Koppel gebaut werden. Er sagt: „Wir haben bei den Stadtwerken Ahrensburg einen Gasanschluss beantragt und auch eine Bestätigung bekommen.“ Das sei aus wirtschaftlichen Gründen geschehen.

Keizer sagt aber auch: „Wenn eine gesetzliche Verpflichtung bestehen sollte, dass wir dieses Haus ebenfalls an das Fernwärmenetz anschließen müssen, werden wir das selbstverständlich machen.“ Derzeit werde das geprüft. Mit einem Ergebnis der Prüfung rechnet Achim Keizer in der kommenden Woche.

Etwa zeitgleich soll der Bau auf dem 1135 Quadratmeter großen Grundstück am Ahrensburger Kamp/Ecke Ludwigslustring beginnen. Keizer: „Wir gehen davon aus, dass Anfang Dezember Flüchtlinge in das Holzhaus einziehen können.“ Das Gebäude bietet Platz für 25 Menschen, vorzugsweise Familien sollen laut Stadtverwaltung einziehen. Auf sechs Wohnungen à 50 Qua­d­ratmeter sollen sie verteilt werden.

Die Flüchtlingsunterbringungen sollen ab November bezugsfertig sein

Der Hausbau an den Straßen Reeshoop und Lange Koppel hat bereits begonnen. Dort entstehen ein beziehungsweise zwei baugleiche Unterbringungen. Keizer: „Diese Gebäude sind voraussichtlich ab November bezugsfertig.“ Die Stadt zahlt für die vier Gebäude insgesamt knapp zwei Millionen Euro.

Als im April bekannt wurde, dass am Ahrensburger Kamp eine Unterbringung für Flüchtlinge entstehen soll, gab es bereits Proteste einiger Anwohner. Die Gegner sagten unter anderem, dass sie sich um ihre Kinder sorgen würden, dass sie den Wertverlust ihrer Häuser befürchteten.

Diese Äußerungen hatten bei Politikern und Verwaltung, aber auch bei anderen Bewohnern des Viertels für Irritationen gesorgt. Michael Cyrkel, Fachdienstleiter im Rathaus und zuständig für Flüchtlinge, sagte dem Abendblatt damals: „An keinem der anderen Standorte sind bisher gravierende Nachbarschaftsprobleme oder sonstige Spanunngen aufgetreten.“ Derzeit leben rund 160 Asylbewerber in Ahrensburg. Ende des Jahres werden es nach jüngsten Prognosen 405 Flüchtlinge sein. Die Stadt ist, so sagt Bürgermeister Michael Sarach, bereits am Ende ihrer Kapazitäten angelangt, wenn es die Unterbringung geht.

Derzeit prüfen laut Sarach Mitarbeiter der Verwaltung, welche Gebäude die Stadt kurzfristig umbauen, anmieten oder erwerben kann. Im Gespräch sind unter anderem das Gemeindehaus sowie das Pastorat der St. Johanneskirche an der Rudolf-Kinau-Straße. Auch weitere Neubauten werden in Betracht bezogen. Ein städtisches Grundstück, das sich laut Verwaltung derzeit anbietet, liegt am Helgolandring.