Stormarn
Entscheidung vertagt

Anwohner stoppen Bau eines Asylheims in Ahrensburg

Der Standort für das geplante Flüchtlingsheim Ahrensburger Redder Ahrensburger Kamp

Der Standort für das geplante Flüchtlingsheim Ahrensburger Redder Ahrensburger Kamp

Foto: Birgit Schücking

Politiker vertagen ihre Entscheidung zum Bau am Ahrensburger Kamp um vier Wochen. Trotz Irritationen über das Auftreten einiger Anwohner.

Ahrensburg.  Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder, Angst vor Wertminderung der Häuser und Befürchtungen, dass es Streitigkeiten in der geplanten Flüchtlingsunterkunft geben könnte: Das sind einige der Äußerungen, die Anwohner des Quartiers Ahrensburger Kamp in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der Stadt Ahrensburg geäußert haben und die bei Politikern und Verwaltungsmitarbeitern zu einigen Irritationen geführt haben. Weil sich die rund 100 Anwohner, die zu der Sitzung gekommen waren, zudem nach eigenen Angaben von dem Bauvorhaben der Stadt überrumpelt fühlen, wurde die Entscheidung von der Politik vertagt – für vier Wochen.

Politiker wollen in vier Wochen über den Bau abstimmen

Der Hintergrund: Wie berichtet , hatte die Verwaltung Ende März vorgeschlagen, eine Unterkunft für etwa 22 bis 25 Menschen auf einem Grundstück an der Straße Ahrensburger Kamp/ Ecke Ludwigslustring zu bauen, die vierte in der Stadt. Ein Holzhaus mit sechs jeweils etwa 50 Quadratmeter großen Wohnungen soll es werden. Ein Gebäude, in das vornehmlich Familien einziehen sollen, die wegen Krieg, Verfolgung oder Hungersnöten aus ihrer Heimat geflohen sind. Die kurzfristige Entscheidung zum Bau begründet Michael Cyrkel, zuständiger Fachdienstleiter im Rathaus, damit, dass die bestehenden Unterkünfte sowie die bereits beschlossenen Neubauten nicht mehr ausreichten. Vor allem nicht, nachdem im vergangenen Monat die neusten Zahlen vom Kreis an die Stadt übermittelt wurden. Demnach muss Ahrensburg in diesem Jahr noch 209 Flüchtlinge unterbringen. Und: Auch 2016 ist laut Cyrkel mit ähnlich hohen Zuweisungszahlen zu rechnen.

Ausschussvorsitzende Doris Brandt (CDU) sagt zu der Entscheidung der Politik: „Die Mitglieder haben einstimmig dafür votiert, sich zuvor mit der Interessenvertretung der Anwohner, der Verwaltung und Vertretern des Freundeskreis für Flüchtlinge für einen Ortstermin auf dem Grundstück zu treffen.“ Bei dem Treffen sollen die Anwohner Gelegenheit bekommen, ihre Sorgen zu äußern und Fragen zu stellen. Brandt: „Es geht uns darum, Ängste zu mildern.“ Beim kommenden Sozialausschuss im Mai soll dann die Entscheidung fallen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Laut Bürgermeister gibt es Bau der Unterkünfte einen gewissen Zeitdruck

Beschlossen wurde unterdessen, dass die Gebäude, die an den Standorten Reeshoop und Lange Koppel gebaut werden sollen, in Holzbauweise errichtet werden. Sie standen ebenfalls zur Abstimmung. Der Bau soll, so plant die Verwaltung, im Juli, spätestens August beginnen. Im September sollen die Flüchtlinge in die Unterkünfte einziehen. Geht es nach den Verantwortlichen, soll diese Bauzeit auch der Fahrplan für den geplanten Bau des Hauses am Ahrensburger Kamp sein. Bürgermeister Michael Sarach sagt: „Es gibt einen gewissen Termindruck bei dem Thema. Im Mai sollte somit auch eine Entscheidung bezüglich des Standorts Ahrensburger Kamp fallen.“

Der Verwaltungschef selbst sieht zu dem Standort keine Alternativen, keine zumindest, die in dem engen Zeitfenster umsetzbar sind. „In der Zukunft werden wir auch andere Grundstücke bebauen müssen. Aber die sind jetzt noch nicht entsprechend entwickelt.“ Im Gespräch ist bereits ein Areal am Helgolandring, das ebenfalls der Stadt gehört. Sarach: „Es ist schließlich nicht nur unsere moralische Pflicht, den Menschen zu helfen, es ist auch eine gesetzliche Aufgabe der Kommunen, Flüchtlinge aufzunehmen und unterzubringen.“

Sieben Tage vor Ankunft der Flüchtlinge übermittelt der Kreis den Kommunen Zahlen

Das sieht auch die Politik so. Und: Nicht wenige sind über die Argumenten und Äußerungen einiger Anwohner des Ahrensburger Kamp im Sozialausschuss irritiert. Bela Randschau, Stadtverordneter der SPD: „Einzelne Aussagen, etwa die über die Wertminderung der Häuser und die vermeintlich gefährdete Sicherheit der Kinder, fand ich erschreckend.“ Jörg Hansen, Stadtverordneter der Grünen, der von seinen Fraktionskollegen über die Sitzung informiert worden ist, sagt: „Das war in Teilen einfach nur herzlos.“ Die darunterliegende Einstellung „bitte nicht vor meiner Haustür“, die sei nicht akzeptabel. So auch Thomas Bellizzi, Chef der FDP-Fraktion: „Aussagen, bei denen die Sicherheit der Kinder thematisiert wird, wenn ein Flüchtlingsheim neben einer Kita gebaut wird, sind nicht nachvollziehbar.“ Peter Egan, Stadtverordneter der WAB: „Zugegeben, das Zeitfenster ist eng, aber bei einem solchen Thema können wir nicht jeden einzeln um seine Zustimmung bitten.“

Laut Michael Cyrkel erfährt die Stadt Ahrensburg sieben Tage vor der tatsächlichen Ankunft der Flüchtlinge, wie viele die Stadt unterbringen muss. Die Zahlen übermittelt der Kreis, der mit ähnlich engen Zeitfenstern arbeitet. Tim Woidtke, Fachdienstleiter für Grundsatzangelegenheiten beim Kreis Stormarn: „Wir bekommen die Zuweisungszahlen zehn Tage vor Ankunft der Flüchtlinge vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten übermittelt und nehmen dann Kontakt mit den Kommunen auf, um Kapazitäten abzufragen.“

Anwohner der Standorte Reeshoop und Lange Koppel, an denen drei weitere Häuser errichtet werden sollen und an denen in städtischen Wohnungen bereits Flüchtlinge leben, kamen übrigens nicht zu der Sitzung. Michael Sarach: „Es ist uns auch nicht bekannt, dass es an einem der anderen Standorte in der Stadt Probleme zwischen den Nachbarn gegeben hat,“