Stormarn
S-Bahn-Planung

Hoffnung auf Geld vom Bund: „Stormarn braucht die S 4“

Die neue S4 könnte bald vielen Pendlern den Alltag erleichtern. Rund 30.000 Stormarner pendeln schon jetzt täglich auf der Strecke der Regionalbahn in die Hansestadt

Die neue S4 könnte bald vielen Pendlern den Alltag erleichtern. Rund 30.000 Stormarner pendeln schon jetzt täglich auf der Strecke der Regionalbahn in die Hansestadt

Foto: Bertold Fabricius

Die Kostensteigerung auf mehr als eine Milliarde Euro könnte das Projekt gefährden. Politiker und Pendler hoffen auf Unterstützung.

Bad Oldesloe.  Kommt die S 4, oder kommt sie nicht? Diese Frage stellen sich jetzt viele Stormarner. Nachdem am Mittwoch bekanntgeworden war, dass die geschätzten Baukosten von 819 Millionen auf mehr als eine Milliarde Euro gestiegen sind, herrscht besonders unter Pendlern Verunsicherung. „Wir brauchen die S 4 unbedingt. Die Regionalbahn fährt einfach zu selten“, sagt etwa Christian Moosburger. Der Ahrensburger pendelt täglich zur Arbeit nach Bargteheide – und verbringt dort viel Zeit mit Warten: „Jede Stunde hält ein Zug in Bargteheide. Wenn ich früher Feierabend habe, komme ich trotzdem spät nach Hause, weil ich eine Stunde am Bahnhof rumsitze. Das ist lästig.“

Besondere Bedeutung habe jedoch die Anbindung in Richtung Hamburg, wie der Bauamtsleiter der Stadt Ahrensburg, Ulrich Kewersun, sagt. „Vor allem eine höhere Taktung wäre für uns relevant.“ Je besser die Anbindung an die Millionenmetropole Hamburg ist, desto attraktiver sind die Orte im Umland Hamburgs. Rund 30.000 Stormarner pendeln schon jetzt täglich auf der Strecke der Regionalbahn in die Hansestadt. Auch in die andere Richtung sind Tag für Tag Tausende Menschen unterwegs, die in Hamburg leben und in Stormarn arbeiten.

„Durch eine S-Bahn würde sich hier auch garantiert mehr Gewerbe ansiedeln“, sagt Jörg Sievers, der Stormarner Sprecher der S-4-Initiative. Bei der S 4 sei eine Taktung von 20 Minuten geplant, zu Zeiten des Berufsverkehrs von zehn Minuten. Sievers: „Stormarn braucht die S 4. Besonders für Ahrensburg ist diese Verbindung wichtig – die Stadt würde sonst ihren Standortvorteil verlieren.“

„Wie kann es sein, dass bei öffentlichen Projekten immer die Kosten explodieren?“

Jörg Sievers begleitet das Projekt schon seit fast 20 Jahren. Von der gestiegenen Kostenschätzung zeigt er sich nicht überrascht. „Das ist doch kein Wunder. Wenn man über so viele Jahre plant, steigen überall die Preise.“ Allein der Wegfall des Schienenbonusses Anfang des Jahres habe zu einer Kostensteigerung von 70 Millionen Euro mehr für den Lärmschutz entlang der Strecke geführt.

Stormarns Landrat Klaus Plöger hingegen hat dafür wenig Verständnis. „Wie kann es sein, dass bei öffentlichen Projekten immer die Kosten explodieren? Das sieht man an Stuttgart 21, dem Berliner Flughafen oder bei der Elbphilharmonie. Dabei sitzen da ganz andere Fachleute dran als im Kreis“, sagt Klaus Plöger. In Stormarn würden Projekte genauer kalkuliert. „Das ärgert mich tierisch.“ Sein Wunsch: Eine durchgehende S-Bahn von Hamburg nach Lübeck. „Und zwar auf zwei Gleisen“, so Plöger.

Lukas Kilian (CDU), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Kreis Stormarn, weist besonders auf die Notwendigkeit hin, den Personennahverkehr vom Güterverkehr zu trennen. Durch den Bau der Fehmarnbeltquerung werden wesentlich mehr Züge erwartet. „Es sollen dann mehr als einen Kilometer lange Güterzüge auf den Gleisen rollen“, sagt Kilian. „Da sehe ich den Bund schon in der Verantwortung, sich an den Kosten für die S 4 zu beteiligen. Geht es nach dem Willen Schleswig-Holsteins und Hamburgs, soll der Bund einen Anteil von mindestens 60 Prozent der Kosten übernehmen. Bisher gibt es allerdings noch keinerlei Zusage über eine Beteiligung. Geschweige denn, wie hoch diese sein könnte. Laut dem Hamburger Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) ist die Strecke Hamburg – Bad Oldesloe eine der meist befahrenen Pendlerstrecken rund um die Hansestadt.

Bad Oldesloe und Bargteheide wollen nicht abgehängt werden

Der Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary sieht den jüngsten Entwicklungen allerdings recht gelassen entgegen. „Wir in Bad Oldesloe haben nicht so viel von der S 4. Das zusätzliche Gleis von Hamburg aus soll ja nur bis Ahrensburg oder Bargteheide führen. Wenn wir hier mit der S 4 eine kürzere Taktung bekämen, könnte das durch die stärkere Auslastung im Schienennetz sogar eher zu Problemen führen.“ Führte das zusätzliche Gleis bis Bad Oldesloe, wäre die Sachlage natürlich eine andere, so von Bary.

So wie für den Bargteheider Bürgermeister Henning Görtz: „Wir hoffen, dass das Projekt nicht in Ahrensburg endet. Sparen darf nicht heißen, dass Bargteheide oder Bad Oldesloe abgehängt werden.“ Er habe der Bahn bereits Vorschläge unterbreitet, wie die Umbaukosten innerhalb seines Ortes gesenkt werden könnten – damit auch Bargteheide vom Gleisausbau profitieren könne. Görtz: „Wir möchten nicht abgehängt werden.“