Stormarn
Umbauten

Die U 1 wird im nächsten Jahr drei Monate gesperrt

Noch eine steile Treppe, bald ein Fahrstuhl: Für Ursula Ehlers wird der Zugang zum U-Bahnhof Ahrensburg West bald viel einfacher

Noch eine steile Treppe, bald ein Fahrstuhl: Für Ursula Ehlers wird der Zugang zum U-Bahnhof Ahrensburg West bald viel einfacher

Foto: Lutz Wendler

Für 17 Mio. Euro bekommen die Bahnhöfe Ahrensburg West und Ost sowie Schmalenbeck Fahrstühle. Parallel wird 2016 die Strecke saniert.

Ahrensburg. Im kommenden Jahr erwartet die U-Bahn-Fahrer auf der Linie U 1 zwischen Hamburg-Volksdorf und Großhansdorf ein Stillstand, der für mehr Mobilität sorgen wird. Kein Widerspruch, denn die komplette Sperrung des Abschnitts vom 2. Juli bis zum 9. Oktober 2016 dient einer gründlichen Sanierung und aufwendigen Umbauten. Beides kommt dem Verkehrsfluss zugute.

Geplant sind Brücken- und Gleisarbeiten, was den Betrieb weniger störungsanfällig machen wird. Außerdem werden die drei Bahnhöfe Ahrensburg West, Ahrensburg Ost sowie Schmalenbeck in Großhansdorf barrierefrei ausgebaut. Dank neuer Fahrstühle können künftig auch gehbehinderte Menschen eigenständig U-Bahn fahren.

Barrierefreiheit als Ziel im Koalitionsvertrag des rot-grünen Senats festgelegt

Die Kostenschätzung der Hochbahn für das Gesamtprojekt beträgt 17 Millionen Euro. Daran beteiligen sich Hamburg beziehungsweise die Hochbahn, das Land Schleswig-Holstein, der Kreis Stormarn und die Kommunen Ahrensburg und Großhansdorf. Auf die Stormarner Orte kommen einige Extra-Kosten zu, gleichwohl können sie den Ablauf des Ganzen als Glücksfall betrachten.

Dass Barrierefreiheit ein anzustrebendes Ziel sei, hat der rot-grüne Hamburger Senat zu Beginn dieses Jahres im Koalitionsvertrag deutlich festgelegt. Dort heißt es: „Der Senat verfolgt das Ziel, dass das System des Öffentlichen Nahverkehrs vollständig barrierefrei ausgebaut wird. Er wird deswegen dafür sorgen, dass bis Mitte der 2020er-Jahre alle U- und S-Bahnhaltestellen barrierefrei sein werden.“ Auch die Stormarner Gemeinden, die ans Hamburger Hochbahnnetz angeschlossen sind, werden mittelfristig nicht umhin kommen, ihre Haltestellen barrierefrei auszubauen.

Für die Bahnhöfe braucht es individuelle technisch aufwendige Lösungen

Die Chance, die sich ihnen jetzt bietet, liegt in der großen Sanierung des Streckennetzes, die Geld und Ärger spart. Die Kommunen können die Zwangspause nutzen, um – sozusagen im Windschatten der Gesamtsperrung – ohne Hektik ihre Haltestellen umzurüsten. Sie müssen keinem genervten Kunden erklären, warum ausgerechnet seine Station vorübergehend ausfällt.

Und sie sparen die Ausgaben für einen Schienenersatzverkehr: Die Hochbahn finanziert diesen Service wegen der Gesamtsperrung der Stormarner U 1 voll.

Im Kreis gibt es sechs U-Bahn-Stationen. Hoisbüttel, das zu Ammersbek gehört und an einem anderen als dem jetzt renovierten Streckenabschnitt liegt, hat bereits einen Aufzug, ebenso Großhansdorf, die Endhaltestelle des anderen Streckenstrangs. Kiekut wird als Haltestelle mit geringem Fahrgastaufkommen vorerst nicht ausgebaut. Bleiben Ahrensburg West- und Ost sowie Schmalenbeck – sehr unterschiedliche Bahnhöfe, denen gemeinsam ist, dass es individuelle technisch aufwendige Lösungen braucht, um Eingangsebene und Bahnsteig durch Aufzüge direkt miteinander zu verbinden.

In Ahrensburg West soll ein Lift direkt an der Brücke ansetzen

Lifteinbau ist der größte Kostenfaktor, doch es müssen für die Barrierefreiheit auch Vortreppen „geschleift“ und neue Eingangstüren für den erleichterten Zugang eingebaut werden. Außerdem soll bei allen drei Stationen darauf geachtet werden, die wertvolle historische Bausubstanz zu schützen.

Der Bahnhof Ahrensburg West wurde 1921 zur Betriebsaufnahme der Strecke nach Großhansdorf eröffnet. Mit im Durchschnitt etwa 2500 Fahrgästen werktäglich ist er der am stärksten frequentierte der drei Bahnhöfe. Das Gleis liegt tiefer als der Zugang zum Gebäude. An die Eingangshalle schließt sich ein Gang bis zu einer Treppe an, die rechtwinklig abknickt und auf den Bahnsteig führt.

Geplant ist ein Lift außerhalb des Gebäudes, der an der Brücke im Zuge des Waldemar-Bonsels-Wegs ansetzt. Auf dem Niveau des Gleises soll ein schmaler, gut 15 Meter langer Außenweg parallel zum Treppengebäude zu den Zügen führen. Die veranschlagten Kosten liegen bei 2,3 Millionen Euro, von denen das Land Schleswig-Holstein bis zu 1,35 Millionen Euro und der Kreis 200.000 Euro tragen würde. Ahrensburg wäre mit 473.000 Euro beteiligt, hat jedoch im Haushalt noch zusätzlich einen Puffer von 185.000 Euro für Kostenrisiken eingebaut.

Auch für Ahrensburg Ost ist eine Lösung außerhalb des Gebäudes geplant

Der Bahnhof Ahrensburg Ost wurde 1922 unter dem Namen Hopfenbach eröffnet und 1952 umbenannt (zum gleichen Zeitpunkt wurde der Bahnhof Ahrensburg, um Verwechslungen auszuschließen, in Ahrensburg West umgetauft). Das Fahrgastaufkommen ist mit 1000 Passagieren werktäglich vergleichsweise gering.

Das Bahnhofsgebäude liegt niedriger als der Bahnsteig. Hinter der Schalterhalle geht im rechten Winkel eine Treppe ab, die steil zu den Gleisen führt. Auch hier ist eine Lösung außerhalb geplant. Etwa 15 Meter rechts vom Eingang des Bahnhofs soll ein Lift den niedrigen Vorplatz mit dem Level des Bahndamms verbindet. Von der oberen Etage des Liftturms führt ein rund sechs Meter langer Weg zum Bahnsteig.

1,4 Millionen Euro könnte diese Lösung kosten. Das Land würde maximal 914.000 Euro davon übernehmen, der Kreis 200.000 Euro, Ahrensburg 288.000 Euro plus einer Rückstellung für Kostenrisiken von 86.200 Euro.

Richtig kompliziert und teuer wird es wegen der Enge in Schmalenbeck

Der Bahnhof Schmalenbeck wurde 1921 mit der Streckeneröffnung in Betrieb genommen. Durchschnittlich 1300 Fahrgäste verkehren hier. Der Ausbau ist für Großhansdorf in mehrerer Hinsicht besonders wichtig. Schmalenbeck mit seiner hohen Arztdichte ist ein Anlaufpunkt für ältere Menschen, die auf einen Lift angewiesen sind. Zudem wertet der Ausbau das Zentrum des kleineren Großhansdorfer Ortsteils auf, was sich auch zeitlich ideal fügt, denn gerade entsteht ein weiteres Ärztehaus gegenüber und ein neuer großer Supermarkt will sich ansiedeln.

Die technische Lösung für den Einbau eines Aufzugs ist in Schmalenbeck besonders anspruchsvoll. Dort geht der Weg zum Gleis von der Schalterhalle aus im rechten Winkel zu einer Treppe und in einen knapp zwölf Meter langen Gang über, der ein Gleis überbrückt und nach einer weiteren 90-Grad-Drehung über eine zweiteilige Treppe auf den Bahnsteig führt.

Wegen der Enge am Standort ist es nötig, zwei Aufzüge direkt an das verwinkelte Gebäude anzubauen. Beide Aufzugtürme sind von innen her zugänglich. Annähernd 2,5 Millionen Euro wird die technisch aufwendige Lösung kosten. Bis zu 1,6 Millionen gibt das Land, 200.000 Euro der Kreis. Die Gemeinde Großhansdorf kommt inklusive hoch veranschlagter Risikokosten auf stattliche 900.000 Euro, die von der Gemeindevertretung im Haushalt 2016 bereitgestellt wurden – wohlwissend, dass der Einsatz sich momentan besonders lohnt. „Wenn wir schon zwingend ranmüssen an den Ausbau, dann am besten jetzt“, sagt Bürgermeister Janhinnerk Voß.