Stormarn
Rechtsradikalismus

Neonazi-Propaganda am Ahrensburger Ostring

Neonazis stellten in Ahrensburg 20 Kreuze als Propaganda-Aktion auf

Neonazis stellten in Ahrensburg 20 Kreuze als Propaganda-Aktion auf

Foto: Birgit Schücking

Am Kornkamp-Süd/Ecke Ostring in Ahrensburg standen gestern 20 schwarze Kreuze. Sie wurden von Neonazis als Propaganda-Akion aufgebaut.

Ahrensburg. Neonazis haben in Ahrensburg mit einer Propaganda-Aktion Aufsehen erregt. Am Kornkamp-Süd/Ecke Ostring hatten sie 20 schwarze Holzkreuze aufgestellt, die die Blicke der Autofahrer und Fußgänger promt auf sich zogen. Ziel war, „an die vielen deutschen Toten zu gedenken, die von Ausländern umgebracht worden sind.“ So jedenfalls steht es in grammatikalisch höchst zweifelhaftem Deutsch auf der Internetseite des Nationalen Widerstands Schleswig-Holstein (NW-SH) nachzulesen, der sich ganz offensichtlich zur Urheberschaft bekennt.

Die Kreuze, die inzwischen von Mitarbeitern des Ahrensburger Bauhofs entfernt wurden, waren scheinbar wahllos aufgestellt worden. Passanten rätselten, was sie zu bedeuten haben. „Vielleicht sind sie von Aktivisten aufgestellt worden, die gegen die Bebauung der umliegenden Felder protestieren“, mutmaßte Christiane Knauthe am Mittwochmorgen. Die Großhansdorferin geht die Strecke am Kornkamp-Süd jeden Tag mit ihren Hunden spazieren. „Ich hab’ mich gestern schon gefragt, was das soll. Unfallkreuze können das ja auch nicht sein, hier ist ja nichts passiert.“

Auch in anderen Kommunen wurden Kreuze aufgestellt

Die rechte Szene hatte bundesweit zur – Zitat – „Aktion-Schwarze Kreuze“ aufgerufen. Der NW-SH schreibt in einem Bericht vom 14. Juli: „Im gesamten Kreis Herzogtum Lauenburg konnten Autofahrer am Dienstagmorgen die mahnenden Kreuze mit und Botschaften sehen.“ Im Folgenden wird das rechtsextremistische Gedankengut der Verfasser überdeutlich. Wörtlich heißt es: „Und täglich grüßt der Einzelfall, denkt man sich wenn man einen Blick in die Zeitung wirft und schon wieder ließt das ein deutscher von einem „Südländer“ abgestochen wurde oder eine deutsche Vergewaltigt wurde.“

Die Kreuze in Ahrensburg waren unbeschriftet. Es waren auch keine Zeichen in das Holz geritzt. Das war in anderen Kommunen anders. Den Polizeibeamten des Staatsschutzkommissariat K5 in Lübeck sind zwei Fälle bekannt, in denen die Kreuze beschriftet waren. „In Schwarzenbek wurden an der Möllner Straße drei Kreuze mit der Aufschrift ,deutsche Opfer, fremde Täter’ aufgestellt“, sagt ein Pressesprecher der Lübecker Polizei. Auch in Geesthacht, der größten Stadt im Kreis Herzogtum Lauenburg, seien an einem Kreisverkehr fünf der Kreuze zu sehen gewesen. Auf ihnen standen ebenfalls Parolen. „Das Staatsschutzkommissariat hat die Ermittlungen aufgenommen“, heißt es seitens der Polizei.

„Schwarze Kreuze sind eine eindeutige Trauerbekundung“, sagt der Politologe Hajo Funke. „Ich kenne die Einzelheiten dieser Aktion nicht. Wenn allerdings behauptet wird, dass Ausländer Deutsche gefährden, handelt es sich um eine falsche Generalisierung.“ Da liege ein klarer Fall von Ausländerfeindlichkeit vor, sagt der Professor, der an der Freien Universität Berlin lehrt und ein ausgewiesener Experte für Rechtsextremismus ist.

Ob das Aufstellen der schwarzen Kreuze allerdings illegal ist, muss erst geprüft werden. „Wir haben von dieser Aktion bis heute noch nie etwas gehört“, sagt Ralf-Peter Anders von der Staatsanwaltschaft Lübeck. „Sobald wir den Sachverhalt von der Polizei geschildert bekommen haben, prüfen wir, ob ein strafrechtlich relevanter Vorgang vorliegt.“ Ohne vorher von der Aktion gehört oder Fotos der Kreuze gesehen zu haben, schätzt Anders den Sachverhalt als äußerst schwierig ein. „Man muss überprüfen, wie deutlich die Aktion im Internet begleitet und ob anhand der Kreuze eine Botschaft deutlich wird. Wir werden uns das genau anschauen.“

Zeugen sollen sich bei der Polizei in Lübeck melden

„Wir haben die Kreuze am Dienstag entdeckt“, sagt Sieglinde Thies vom Bauhof in Ahrensburg. „Ich wusste auch nicht, was die zu bedeuten haben.“ Da es sich beim Aufstellen von Kreuzen generell erst mal um eine Ordnungswidrigkeit handle, habe sie am Mittwochmorgen sofort Thomas Reich, den Justiziar im Ahrensburger Rathaus, von ihrer Beobachtung berichtet. Reich veranlasste den sofortigen Abbau der Kreuze – worauf sie am folgenden Tag auch wirklich verschwanden. „Später habe ich dann mal ein bisschen im Internet recherchiert“, sagt Thies. Dabei sei auch sie auf die Internetseite der rechtsextremistischen Gruppierung gestoßen. „Diese Aktion war mir vorher völlig unbekannt. Ich halte davon gar nichts.“

Ihre Vermutung, dass die Kreuze einen politischen Hintergrund haben, habe sie später auch an Thomas Reich weitergeleitet. „Solche Taten verbreiten eine negative Stimmung, die für unsere Demokratie sehr gefährlich ist“, sagt der.

Auch Hans-Jürgen Preuß von der Glinder Initiative Glinde gegen rechts“ wurde zum ersten Mal auf die Aktion aufmerksam. „Vor einem Jahr haben Unbekannte „Nationaler Widerstand Glinde“ auf Straßen und Verkehrsschilder geschrieben“, sagt Preuß. „Wir haben das schnell entfernt, vielleicht gehörten die Täter auch zu dieser Gruppierung.“ In Glinde habe es keine schwarzen Kreuze gegeben. „Davon hätte ich schon längst erfahren. Ich werde meine Kollegen sofort von der Aktion in Kenntnis setzen. Wir halten die Augen offen.“

Nun sucht die Polizei erst mal Zeugen, die möglicherweise beobachtet haben, von dem die Kreuze wann aufgestellt worden sind. Wer im Zeitraum vom 13. Juli bis zum 14. Juli etwas beobachtet hat, wird gebeten, sich in Lübeck unter der Telefonnummer 0451/131-0 zu melden.