Stormarn
DLRG

Wie sicher sind Stormarns Badegewässer?

Foto: Verena Künstner

Zwölf Badetote deutschlandweit, ein schwer verletztes Kind in Reinfeld: Die Stormarner DLRG mahnt zu mehr Vorsicht im Wasser.

Bargteheide.  Die Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Stormarn mahnen zu mehr Vernunft und gegenseitiger Rücksichtnahme beim Baden. Anlass sind deutschlandweit ein Dutzend Badeunfälle mit tödlichem Ausgang allein in den vergangenen Tagen während der extremen Hitzeperiode. Am Herrenteich in Reinfeld ist unterdessen ein zwölf Jahre altes Kind schwer verletzt worden; es liegt im Krankenhaus. „Jemand ist ihm im Wasser auf den Kopf gesprungen“, sagt Christian Leschert, Vorsitzender der DLRG Reinfeld. Er bewachte am Wochenende mit zwei weiteren Helfern den Herrenteich, der von rund 1100 Badegästen besucht wurde.

Mehrere Einsätze aufgrund von Hitzschlägen

Rücksichtslosigkeit ist ein Problem, Unvernunft ein anderes. „Das Problem ist in der Regel das Fehlverhalten der Badegäste. Sie überschätzen sich häufig, gehen erhitzt ins Wasser. Das macht der Kreislauf oft nicht mit“, sagt Knut Harder, Vorsitzender der DLRG Stormarn mit Sitz in Bargteheide. Er betreut an den Wochenenden den Südstrand am Großensee mit sieben weiteren Rettungsschwimmern. Rund 3000 Gäste waren am vergangenen Wochenende an dem Badesee . Harder und sein Team mussten viele Menschen versorgen, die einen Sonnenstich hatten.

Die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe berichten von mehreren Einsätzen in Stormarn aufgrund von Hitzschlägen. Das Reinbeker Krankenhaus St. Adolf-Stift verzeichnete 25 Prozent mehr Patienten als an normalen Tagen. „Bei den älteren Patienten über 80 Jahren lag es häufig am Flüssigkeitsmangel. Die Jüngeren haben sich wiederum überanstrengt und sind zusammengeklappt“, sagt Andrea Schulz-Colberg, Sprecherin des Reinbeker Krankenhauses.

Der Südstrand steht auch während der Woche unter Aufsicht

„Vor dem Ertrinken mussten wir an diesem Wochenende zum Glück niemanden retten. Ich hoffe, dass das so bleibt“, sagt Harder. Den letzten Badetoten habe es am Großensee vor drei Jahren gegeben. Der Südstrand steht auch während der Woche unter Aufsicht. Benjamin Berger-Winkel passt seit dem 1. Juli im Auftrag der Gemeinde auf, dass nichts passiert.

Der 19-jährige Ahrensburger hat das silberne Rettungsschwimmabzeichen der DLRG und ist geschult darin, Leben zu retten. „Bisher musste ich das im Ernstfall noch nicht unter Beweis stellen“, sagt Berger-Winkel, der während seiner Arbeitszeit von 10.30 bis 19.30 Uhr zwischen Aussichtsturm und Steg pendelt. „Viele unterschätzen die Gefahr, die ein scheinbar ruhiger Badesee in sich bergen kann“, sagt er. „Vernunft ist das oberste Gebot.“ Wer nicht im Rettungsschwimmen geschult sei, sollte sich außerdem nicht als Held aufspielen. „Wer bemerkt, dass ein Badender in Gefahr gerät, sollte laut um Hilfe schreien und – falls der Strand unbeaufsichtigt ist – sofort die 112 rufen.“

Von acht öffentlich zugänglichen Badeseen werden zwei von der DLRG bewacht

Aber nicht nur die Selbstüberschätzung der Badegäste ist problematisch. In den Badeseen gibt es auch tückische Stellen, die gefährlich werden können. „Im Großensee gibt es unterseeische Quellen. An diesen Stellen liegt die Wassertemperatur lediglich um die 16 bis 17 Grad“, sagt Stormarns DLRG-Vorsitzender Harder. Am Ufer sei es hingegen 22 Grad warm. „Die Badegäste erschrecken bei dem großen Temperaturunterschied und geraten manchmal in Panik.“ Auch bei der Berührung mit Pflanzen komme es zu Panikattacken. Im Herrenteich gibt es wiederum leichte Strömungen. „Dort fließt die Heilsau hindurch. Die Strömungen sind aber nicht so stark, dass sie einem Schwimmer zur Gefahr werden“, sagt Christian Leschert von der DLRG Reinfeld. In jedem Fall empfiehlt Stormarns DLRG-Vorsitzender Harder, sich bei den Rettungsschwimmern zu erkundigen, was bei den jeweiligen Badeseen zu beachten sei.

Allerdings werden von den acht öffentlich zugänglichen Badeseen in Stormarn nur der Südstrand am Großensee und der Herrenteich von der DLRG bewacht. Deswegen gilt an den unbewachten Ufern besondere Vorsicht beim Baden.

Eltern sollten ihre Kinder immer im Auge behalten

Stefan Hegger und seine Frau Tamara Puchta aus Ostwestfalen machen gerade Urlaub im Norden und kommen gern an den Großensee – auch weil er beaufsichtigt wird. Ihre Tochter Nele kann noch nicht schwimmen. „Gerade wenn es sehr voll ist, ist es schon ein gutes Gefühl, wenn jemand da ist, der im Notfall sofort helfen kann“, sagt Stefan Hegger. Trotzdem sollten Eltern seiner Ansicht nach ihre Kinder auch selbst nie aus den Augen lassen. Das ist auch der Appell von Knut Harder. „Bei 3000 Badegästen können wir nicht jeden im Blick haben.“

Ob ein See von Rettungsschwimmern der DLRG bewacht wird, hängt davon ab, ob der Eigentümer – die jeweilige Kommune oder eine Privatperson – sie beauftragt und entsprechende Mittel zur Verfügung stellt.

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