Stormarn
Moment mal!

Des Pendlers täglich Brot: Bahn frei für Platzhirsche

Wenn sich morgens und abends - wie hier am Bahnhof Ahrensburg - die Regionalbahnen füllen, haben Platzhirsche ihren großen Auftritt

Wenn sich morgens und abends - wie hier am Bahnhof Ahrensburg - die Regionalbahnen füllen, haben Platzhirsche ihren großen Auftritt

Foto: Birgit Schücking,Birgit Schücking / Birgit Schücking

Wild entschlossen oder betont desinteressiert: Die Platzhirsche in überfüllten Regionalbahnen sind schon am Blick zu erkennen.

Harald Klix

Wild entschlossen oder betont desinteressiert: Die Platzhirsche – und häufig auch -kühe – in den überfüllten Regionalbahnen sind schon am Blick zu erkennen. Ihre große Stunde schlägt im Berufsverkehr. Dann, wenn die Waggons rappelvoll und die Sitzplätze umkämpft sind. Sie sind die Ersten, die morgens in den leeren Zug in Bad Oldesloe oder Ahrensburg drängen und abends das Spielchen am Hamburger Hauptbahnhof wiederholen. Zielstrebig schnappen sie sich einen Sitz am Gang, werfen Rucksack oder Aktentasche auf den Fensterplatz daneben. Das Signal ist eindeutig: Es soll ja kein Mitreisender auf die Idee kommen, sich dort niederzulassen.

Der wahre Platzhirschprofi hat es allerdings gar nicht nötig, mit seinem Gepäck zu arbeiten. Er/Sie ist bevorzugt mit Kopfhörern unterwegs, nimmt ganz selbstverständlich auch den Platz am Gang und tut dann so, als sei er/sie allein auf dieser Welt – oder zumindest im Doppelstockwagen. Der starre Blick aus dem Fenster signalisiert: „Wage es bloß nicht, die Frage zu stellen, ob der andere Platz frei sei!“ Ähnlich effektiv ist die volle Konzentration auf den Tablet-PC. Nostalgiker setzen dagegen auf das Ausbreiten des Börsenteils der Tageszeitung, selbstverständlich mit weit ausgebreiteten Armen. Frauen können das Papier problemlos durch den Schminkspiegel ersetzen.

Das alles ist aber gar nichts gegen den Geschäftsmann, der neulich selbst erfahrene Sitzblockierer mit offenen Mündern dastehen, Verzeihung, dasitzen ließ. Der Mann marschierte schnurstracks auf eine freie Vierergruppe zu, warf sich auf ein Polster am Gang und seine schwarze Laptoptasche auf das gegenüberliegende. Dann streckte er seine Beine wie ein unüberwindbares Hindernis beim Springreiten aus, vertiefte sich mit lauter Stimme in ein Handytelefonat über Hunderttausende Euro. Das zeigte den Umstehenden unmissverständlich, dass er Wichtiges zu tun hat und dabei aufdringliche Nebenleute gar nicht gebrauchen kann. Wahrlich gut geröhrt, Platzhirsch!