Stormarn
Kompostwerk

In Trittau wird aus Küchenabfall Strom erzeugt

Robin (4 l.) und sein Bruder Frederick (5) besuchen mit ihrem Vater Michael Walther das Kopostwerk in Trittau. Ihr Onkel Tobias Walther (r.) arbeitet dort

Robin (4 l.) und sein Bruder Frederick (5) besuchen mit ihrem Vater Michael Walther das Kopostwerk in Trittau. Ihr Onkel Tobias Walther (r.) arbeitet dort

Foto: Julia Sextl / HA

Kompost- und Energietag in der Biovergärungsanlage. Besucher lernen, wie ihre Obst- und Gemüseschalen weiterverwertet werden.

Trittau.  „Vorsicht! Nicht in die Pfütze treten“, sagt Gerold Wulff zu einer Frau, die er in einer Gruppe von Besuchern über das Gelände des Abfallwirtschaftszentrums Trittau (AWT) führt. „Warum denn nicht?“ – „Weil es stinkt“, antwortet Wulff knapp. Und er hat recht. Die Geruchsprobe eine Stunde später ergibt: Die schwarzen Damenballerinas müffeln. Nein, sie stinken. Wie eine Mischung aus Kuhstall, Gülle und vermodertem Bioabfall.

Bis auf die wenigen, kleinen braunen Pfützen auf dem Boden ist das Gelände erstaunlich sauber. „Wir haben extra ein bisschen geputzt“, sagt AWT-Geschäftsführer Wolfram Gelpke und lacht. Gelpke, sein Kollege Holger Pfau, der ebenfalls Geschäftsführer in dem Unternehmen ist, sowie die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) haben in Kooperation erstmals einen öffentlichen Kompost- und Energietag in der Biovergärungsanlage in Trittau organisiert.

Bei der Vergärung der organischen Abfälle wird Biogas erzeugt

Am Sonnabend konnten Besucher die Anlage besichtigen und erfahren, was genau mit ihren Obst-, Gemüse- oder Eierschalen, mit den Essensresten und den ganzen Gartenabfällen passiert: Denn aus Bioabfall entsteht in Trittau nicht nur Komposterde, welche hauptsächlich von der Landwirtschaft genutzt wird. Seit 2013 wird daraus auch Strom und Wärme gemacht. „Mit Hilfe von Biogas, das beim Vergärungsprozess des organischen Abfalls entsteht“, erklärt Gerold Wulff den Besuchern. Wullf kennt die Anlage bis ins Detail. Er war früher Geschäftsführer des AWT und hat den Bau der Anlage begleitet. Mittlerweile ist er zwar in Rente, aber immer noch als technischer Berater aktiv – und hat sichtlich Spaß daran, interessierten Besuchern die Anlage zu erklären.

Der Weg vom Müll zum Endprodukt in Bildern

„Im ersten Schritt wird hier der Bioabfall in großen Müllwagen angeliefert“, sagt Wulff. „Dann kommt er auf das Förderband der Siebanlage.“ Weil zwischen den organischen Abfällen auch viel nicht kompostierbarer Müll wie Plastiktüten, Kronkorken oder Gartenscheren ist, wird hier der Großteil herausgefiltert. Dann kommt die Kompostierungsanlage zum Einsatz. Sie besteht aus fünf Boxen, in die der organische Abfall für sieben Tage eingefüllt wird. Von außen erinnern die Boxen eher an Garagentore. Im Inneren aber geschieht ein chemischer Zersetzungsprozess.

„Die Temperatur in den Behältern würde gleich am ersten Tag auf 80 Grad Celsius ansteigen“, sagt AWT-Geschäftsführer Holger Pfau. „Deshalb führen wir Luft aus unseren Kühltürmen zu und kühlen auf 40 bis 60 Grad runter.“ Gerade so viel, dass Bakterien wie Salmonellen und Unkrautsamen vernichtet werden. Am Ende entsteht daraus wertvolle Komposterde, die anschließend verkauft wird. „Der Geruch, der bei der Kompostierung entsteht, bleibt in der Box“, erklärt Pfau. Trotzdem liegt ein vager Duft von verfaulendem Herbstlaub in der Luft.

Wesentlich stärker riecht es ein paar Meter weiter: Je näher die Besucher dem großen Gebäude namens Fermenter kommen, desto mehr weht ihnen der Geruch ammoniakgeschwängerter Luft um die Nase. Es riecht nach der sogenannten frischen Landluft, nach Bauernhof und Kuhstall. Passend zum Geruch nennt Geschäftsführer Pfau den Fermenter „den Kuhmagen“. Er ist das Herzstück der Biovergärungsanlage – und damit neben der herkömmlichen Kompostierung das zweite Standbein des Abfallwirtschaftszentrums.

In dem mehr als 30 Meter langen, acht Meter breiten und zehn Meter hohen Fermenter, der außen mit hellgrauem Metall verkleidet ist und in der Sonne glänzt, entsteht Biogas. Dazu werden Bioabfälle in den Fermenter gefüllt. Sein Fassungsvermögen beträgt maximal 1600 Kubikmeter. Eine 30 Meter lange Welle, sie sieht aus wie eine überdimensionale Metallschraube, wälzt die Abfälle Tag und Nacht hin und her. „Die Welle sorgt für die Entgasung“, sagt Pfau. „Die Gase entstehen ja durch den Vergärungsprozess. Die Masse geht dabei auf wie ein Hefeteig.“

Das Gas wird in einem Motor verbrannt: Es entstehen Wärme und Strom

Zehn Tage lang bleibt jeder Schnipsel Abfall im Fermenter. Was übrig bleibt, ist eine Art Brei sowie Gas. Der Brei wird ausgepresst: Die festen Reste werden der normalen Komposterde untergemischt. Die übrig gebliebene Flüssigkeit – davon stammte auch die kleine braune Pfütze, in die die Besucherin mit ihren Ballerinas getreten ist – wird als Flüssigdünger an die Landwirtschaft verkauft. Je nach Bedarf können die Landwirte Dünger unterschiedlicher Konsistenz bestellen.

Das Gas wird zunächst in einem Gastank mit 30 Meter Durchmesser gesammelt. In unterirdisch verlegten Rohren gelangt es zum kleinen Blockheizkraftwerk auf dem Gelände: „Das Gas wird in einem Motor verbrannt“, erklärt Pfau. „Der funktioniert genauso wie ein Gasmotor im Auto.“ Bei der Verbrennung des Gases werde Wärme erzeugt, die in das Fernwärmenetz eingespeist werde. Zugleich treibt der Motor über eine Welle einen Generator an, der Strom erzeugt. So werden jährlich rund vier Millionen Kilowattstunden Strom produziert.