Stormarn
Elmenhorst/Hamburg

Fluglärmgegner arbeiten weiter gegeneinander

Elmenhorster Initiative gegen Fluglärm vor dem Beschwerdebriefkasten (v. l.): Jörg und Susanne Mollner und Barbara und Joachim Gosch

Foto: Birgit Schücking

Elmenhorster Initiative gegen Fluglärm vor dem Beschwerdebriefkasten (v. l.): Jörg und Susanne Mollner und Barbara und Joachim Gosch

Neue Arbeitsgruppe fordert Rücknahme der von Initiative BAW erreichten Neuregelung der Flugroute. Eine Kooperation schließt sie aus.

Elmenhorst.  Beim Thema Fluglärm wird es wohl keine Zusammenarbeit zwischen der Arbeitsgruppe Fluglärmgeplagte Gemeinde Elmenhorst (FGE) und der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) geben. Die Mitglieder der FGE, die der Initiative vorwerfen, den Fluglärm über Elmenhorst verursacht zu haben (wir berichteten), reagieren empört auf die Aussagen des BAW-Sprechers Martin Mosel.

Dieser hatte gesagt, die Einwohnerzahl der durch die Neuregelung der Flugroute entlasteten Bürger aus den Walddörfern, Ahrensburg und Bargteheide (rund 100.000) müsse in Relation zu den 2500 Einwohnern der Gemeinde Elmenhorst gesehen werden, die nun stärker belastet würden. "Das zeigt uns, wie Herr Mosel und die BAW denken und handeln. Kleinere Gemeinden scheinen nicht oder nur von unzureichender Bedeutung für sie zu sein", sagt FGE-Sprecherin Barbara Gosch. Mit dieser Aussage habe sich die BAW als Gesprächspartner disqualifiziert.

Der Vorschlag: Zwölf statt vier nautische Meilen

Mosel sprach sich dafür aus, geeint an einer Lösung zu arbeiten. Sein Vorschlag: die Entfernung für den Startpunkt des Landeanflugs auf mindestens zwölf nautische Meilen (eine Meile entspricht 1,85 Kilometern) vor dem Flughafen festzusetzen, damit Elmenhorst wieder etwas entlastet wird. Momentan liegt der Einschwenkbereich – also der Bereich, in dem die Kurven für den Landeanflug geflogen werden – zwischen sieben und zwölf Meilen. Dafür hatte die BAW Jahre lang gekämpft. Zuvor lag der Punkt bei vier nautischen Meilen. Elmenhorst selbst liegt 12,5 Meilen vom Airport entfernt.

"Der Vorschlag, den Beginn der Landeanflüge auf mindestens zwölf nautische Meilen auszudehnen, ist für uns völlig indiskutabel", sagt Sprecherin Gosch. Dadurch würden zwar die sehr lauten Kurvenflüge entfallen. Doch dann würden alle Flüge direkt über die Gemeinde führen, argumentiert Gosch. Bei der jetzigen Regelung seien es bereits rund 50 Prozent. "Da Elmenhorst auf einer Höhe von etwa 900 Metern überflogen wird, wäre diese Regelung eine überproportionale Belastung für den Ort."

Die jetzige Haltung der FGE schade nur im Kampf gegen den Fluglärm

Das sei nicht richtig, entgegnet Martin Mosel. Laut BAW-Sprecher würden die Flüge südlich an Elmenhorst vorbeiführen, wenn die Piloten bei zwölf nautischen Meilen einschwenkten. "Damit es nicht zu fachlichen Fehleinschätzungen kommt, müssen wir miteinander diskutieren und vor allem geschlossen gegenüber dem Flughafen auftreten", sagt der Steuerberater aus Hamburg-Lemsahl. Die jetzige Haltung der FGE schade nur im Kampf gegen den Fluglärm. "Leider blieben all unsere Kontaktversuche bisher unbeantwortet", so Mosel.

Indes fordert die Elmenhorster ArGruppe, die Neuregelung rückgängig zu machen und den Einschwenkbereich wieder auf vier nautische Meilen vom Flughafen festzusetzen. Sonderregelungen für Ahrensburg und Bargteheide solle es zudem nicht geben, dafür aber eine gerechtere Verteilung des Fluglärms. "Wir lassen uns nicht zum Bauernopfer für größere Städte und Gemeinden machen", sagt Gosch.

Null Belastung durch Fluglärm werde es nicht geben

Eine solidarische Verteilung des Fluglärms ist laut Mosel eine Kernforderung der BAW. "Deswegen macht es keinen Sinn, einfach den alten Zustand zurückzufordern. Wir müssen nach einer Lösung mit den Verursachern und den Betroffenen suchen, mit der jeder leben kann." Null Belastung durch Fluglärm werde es nämlich nicht geben. Das müsse jedem klar sein.

Im nächsten Schritt möchte sich die Arbeitsgruppe FGE nun an Michael Sarach wenden. Ahrensburgs Bürgermeister ist seit Kurzem Mitglied der Hamburger Fluglärmschutzkommission und hat nun ein Mitspracherecht in Sachen Lärmbelästigung (wir berichteten). In einem eigens für die Aktion eingerichteten Beschwerde-Briefkasten am Eingang des Elmenhorster Gemeindezentrums sammelt die FGE Unterschriften gegen den Fluglärm in der Gemeinde. "Die werden wir demnächst Michael Sarach überreichen, damit er uns in der Gremiumssitzung am 12. Juni vertreten kann", sagt Barbara Gosch. Die Arbeitsgruppe habe auch die Elmenhorster Gemeindevertretung und den Bürgermeister Bernd Bröcker hinter sich.

Die Initiative BAW möchte unterdessen bald ein Fluglärmforum für die Elmenhorster und Jersbeker veranstalten, um mit Bürgern, Politikern und Flughafenvertretern über Probleme und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. "Es wäre absurd, wenn der Arbeitskreis nicht daran teilnehmen würde. Deshalb appelliere ich an die FGE, mit uns zusammenzuarbeiten", so Mosel.

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