Stormarn
Entscheidung

Kurze Anflüge bedeuten mehr Fluglärm über Ahrensburg

Die Fluglärmschutzkommisson erlaubt kürzere Anflüge auf Hamburg. Das bedeutet laut der Bürgerinitiative BAW auch mehr Lärm für Ammersbek, Großhansdorf und Bargteheide. Heute treffen sich die Bürgermeister.

Ahrensburg. Die gut 80.000 Menschen, die im Raum Ahrensburg, Ammersbek, Großhansdorf und Bargteheide leben, müssen schon bald mit deutlich mehr Fluglärm rechnen als zurzeit. Diese Befürchtung hegt die Bürgerinitiative Alstertal/Walddörfer/Ahrensburg (BAW), die sich durch die Entscheidung der Hamburger Fluglärmschutzkommission (FLSK) bestätigt sieht: Die FLSK hat bei ihrer nicht öffentlichen Sondersitzung am Freitag beschlossen, weiterhin kürzere Anflüge über Stormarn gen Hamburg-Fuhlsbüttel zuzulassen. Das bedeute, dass die Flugzeuge nicht mehr in einem breiten Korridor in der Region einschweben werden, sondern sich auf die Linie zwischen Ahrensburg und Bargteheide konzentrierten.

„Die FLSK strebt damit an, die Anflüge bei lediglich sieben nautischen Meilen als neuen Standard festzuschreiben“, sagt BAW-Sprecher Martin Mosel. Das entspricht rund 13 Kilometern bis zum Flughafen und exakt die Entfernung ab Hoisbüttel. Dabei hatte die Hamburgische Bürgerschaft in einem Zehn-Punkte-Plan zum Schutz gegen Fluglärm zehn nautische Meilen (NM) gefordert. Und das zu recht, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative: „Denn dann fliegen die Maschinen vornehmlich über landwirtschaftliche Flächen. Das wäre vertretbar.“ Und das müsse daher der Standard für Hamburg sein, so wie er auch bundesweit gelte.

Zehn NM entsprechen mit rund 18,5 Kilometern der Luftlinie Fuhlsbüttel–Bargteheide. Bei einem Anflugkorridor über zwölf Meilen (22,2 Kilometer, etwa die Höhe Elmenhorst/Tremsbüttel) oder mehr würden die Maschinen noch stärker über weniger dicht besiedeltes Gebiet verteilt.

Mehr als ein Drittel der Stormarner könnte belastet werden

Die ersten, die das Ergebnis der FLSK-Sitzung aus erster Hand erfahren, sind die Verwaltungschefs aus dem direkten Hamburger Umland. Die Bürgermeister Michael Sarach (Ahrensburg), Henning Görtz (Bargteheide), Horst Ansén (Ammersbek) und Janhinnerk Voß (Großhansdorf) sowie Bernd Gundlach (Chef der Amtsverwaltung Bargteheide-Land) haben für den heutigen Montag ein Treffen mit der Hamburger Fluglärmschutzbeauftragten Gudrun Pieroh-Joußen vereinbart. Die fünf Verwaltungsleiter wollen im Großhansdorfer Rathaus klar machen, dass die 80.000 Menschen in ihrer Region – mehr als ein Drittel aller Stormarner – nicht weiter belastet werden dürften.

„Das Ziel muss sein, den Fluglärm möglichst gerecht zu verteilen“, sagt der Bargteheider Henning Görtz. Im Rathaus riefen regelmäßig Bürger an, die sich über die Zahl der Düsenjets am Himmel über der Stadt beschwerten. „In diesem Jahr ist das besonders auffallend“, sagt Görtz. „Eine Ursache ist wohl, dass es außergewöhnlich häufig und lang anhaltenden Ostwind gab.“ Deshalb starteten viel mehr Flieger als üblich in Richtung Stormarn. Hinzu kamen Sperrungen anderer Landebahnen wegen Reparaturarbeiten, wie jetzt für zwei Wochen im September.

Auch im Ahrensburger Rathaus wurde vor allem in den vergangenen beiden Monaten eine steigende Zahl von Einwohnerklagen registriert. „Wir geben diese Information an die Fluglärmschutzkommission weiter und fragen nach den Ursachen“, sagt Bürgermeister Sarach. Für Martin Mosel von der BAW stehen die Gründe fest: „Mit den kürzeren Anflügen soll Zeit und Geld gespart werden.“ Die FLSK offenbare eine von wirtschaftlichen Interessen geleitete Grundhaltung. „Ich befürchte, die Verwaltungschef sollen bei dem Gespräch mit Scheinargumenten beruhigt werden.“

Thema soll auf jeden Fall sein, dass in der FLSK kein Stormarner vertreten ist. Ein Vorstoß vor vier Jahren war abgeblockt worden. Damals hatten sich sehr viele Ahrensburger und Ammersbeker über Landeanflüge nach 22 Uhr beschwert. Nachts sind Landungen aus Richtung Norden vorgeschrieben und nur in Ausnahmefällen aus anderen Richtungen erlaubt. Mit Unterstützung vom Landrat und seinem Ammersbeker Kollegen wollte der Ahrensburger Verwaltungschef damals selbst in die FLSK. „Dem wurde nicht stattgegeben“, sagt Sarach. „Mit der Begründung, das Hamburger Umland sei schon ausreichend vertreten.“

111 Maschinen im Schnitt täglich am Stormarner Himmel

Bei seinen Recherchen hat Michael Sarach aber auch erfahren, dass die Zahl aller Flüge in Hamburg seit Jahren sinkt. Laut Flughafen GmbH waren es im Jahr 2004 noch 151.400 Flugbewegungen, im Vorjahr dagegen 143.800 – ein Minus von fünf Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg aber die Passagierzahl um 36,5 Prozent von 9,9 auf 13,5 Millionen. Die Zahl der Landungen aus Richtung Stormarn ging vom Höchststand in 2007 mit fast 45.800 auf rund 32.500 im Vorjahr zurück. Hinzu kamen im Vorjahr knapp 8000 Starts auf dem Kurs. Das macht im Schnitt 111 Maschinen täglich am Stormarner Himmel. Allerdings gibt es drastische Unterschiede. An manchen Tagen ist so gut wie kein Flugzeug zu sehen, an anderen sind es doppelt so viele wie im Durchschnitt. Auch die Höhe variiert sehr: Beim Landeanflug sind es über Großhansdorf und Bargteheide üblicherweise etwa 1200 Meter, in Ahrensburg und Ammersbek aber nur noch 900. „Das sind nur 600“, sagt der BAW-Sprecher.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative BAW befürchten vor allem gesundheitliche Schäden wegen der Dauerbeschallung. „Wichtig ist, dass die betroffenen Stadtteile in Hamburg sowie Ahrensburg und Bargteheide sich nicht gegeneinander ausspielen lassen“, sagt der Ahrensburger Umweltbiologe René Schwartz, der schon lange gegen Fluglärm mobil macht. Das Wohl der Allgemeinheit dürfe nicht länger hinter den monetären Partikularinteressen der Fluglinien und des Flughafenbetreibers zurückstehen.

Die 2012 von Dörte Walberg in den Hamburger Walddörfern gegründete BAW will ihren Protest deshalb auf breitere Beine stellen und hat jetzt die FluglärmschutzAllianz Nord ausgerufen. Auch Stormarner sollen mit ins Boot geholt werden. „Dass das Problem dort existiert, zeigen die zunehmenden Einträge für unseren Newsletter“, sagt BAW-Sprecher Mosel. Die Schwerpunkte seien Ahrensburg und Bargteheide. Dort will die Initiative deshalb in den kommenden Wochen Infostände aufbauen und Flugblätter verteilen.