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Staatsanwalt fordert Lebenslang für Mord an Nachtportier

5. März 2014: Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen in weißen Schutzanzügen den Tatort in der Feldmark in Havighorst

5. März 2014: Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen in weißen Schutzanzügen den Tatort in der Feldmark in Havighorst

Foto: René Soukup

Mordprozess um Nachtportier von Oststeinbek: Die Lübecker Staatsanwaltschaft ist sicher, dass 47-Jähriger seinen Ex-Schwager tötete.

Lübeck/Oststeinbek.  Im Lübecker Prozess um den Mord an einem Nachtportier in Oststeinbek hat die Staatsanwaltschaft am Montag eine lebenslang Haftstrafe für den Angeklagten gefordert. Der heute 47-Jährige habe Anfang März 2014 seinen ehemaligen Schwager unter einem Vorwand nach Oststeinbek gelockt und ihn dort mit mehreren Schüssen heimtückisch getötet, sagte der Staatsanwalt.

In dem seit knapp sieben Monaten andauernden Prozess hatte das Gericht rund 50 Zeugen befragt und zwei Gutachter gehört. Der Angeklagte, der seit März 2014 in Untersuchungshaft sitzt und wie das Opfer aus Afghanistan stammt, bestreitet die Tat.

Leiche in der Oststeinbeker Feldmark

Die Leiche des damals 29-jährigen Opfers war in der Feldmark bei Oststeinbek entdeckt worden. Rechtsmediziner stellten später fest, dass jemand den Mann mit mehreren Schüssen niedergesteckt hatte. Offenbar steckt eine Familienfehde hinter der Tat. Das genaue Tatmotiv ist bis heute unklar.

Der heute 47-Jährige habe Anfang März 2014 seinen ehemaligen Schwager unter einem Vorwand nach Oststeinbek gelockt und ihn dort mit mehreren Schüssen heimtückisch getötet, sagte Staatsanwalt Nils-Broder Greve in seinem Plädoyer. Auch zwei der drei Nebenklagevertreter forderten, den Angeklagten wegen Mordes zu verurteilen. Die Schlussvorträge des dritten Nebenklagevertreters und der Verteidigung sind für den 12. Juni geplant.

Das Tatmotiv bleibt weiter unklar

„Die Schuld des Angeklagten ist in der Hauptverhandlung durch Indizien und Zeugenaussagen eindeutig bewiesen worden“, sagte Greve. Über das Motiv könne man dagegen nur spekulieren. „Möglicherweise haben die beiden Männer ein illegales Geschäft geplant und es ist darüber zum Streit gekommen“, meinte er.

Der 47 Jahre alte Angeklagte, der wie das 29 Jahre alte Opfer aus Afghanistan stammt, bestreitet dagegen die Tat. Er habe seinen Schwager geliebt wie einen Bruder, hatte er gleich zu Prozessbeginn gesagt. Der 47-Jährige war bis Ende 2013 mit einer Schwester der Witwe des Opfers verheiratet.

29-Jähriger wurde durch vier Schüsse getötet

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, in der Nacht vom 4. auf den 5. März 2014 das Opfer, das in einem Hamburger Hotel als Nachtportier arbeitete, telefonisch zu einem Treffpunkt gelockt zu haben. Von dort seien beide mit dem Auto des Opfers über die Landesgrenze nach Schleswig-Holstein gefahren, heißt es in der Anklage. Auf einem einsamen Feldweg in der Gemeinde Oststeinbek habe der Angeklagte den 29-Jährigen dann mit vier Schüssen getötet. „Drei davon waren aufgesetzte Schüsse, das deutet auf eine geplante Tat hin“, sagte Greve am Montag. Die Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden.

Seit Prozessbeginn im November 2014 hat das Gericht rund 50 Zeugen befragt und eine Reihe von Gutachten gehört. Ein Hauptbelastungszeuge ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ein wegen Raubes vorbestrafter Cousin des Angeklagten. „Der hat vor Gericht ausgesagt, der Angeklagte habe ihn rund drei Wochen vor der Tat gebeten, ihm eine Schusswaffe zu besorgen. Kurz nach der Tat habe der Angeklagte ihm dann gestanden, er habe jemanden umgebracht“, sagte Greve.

Festnahme nach Zeugenaussage und Handyauswertung

Der Zeuge habe weiter ausgesagt, er habe das zunächst nicht ernst genommen. Erst als er erfuhr, dass ein Familienmitglied erschossen worden sei, habe er sich entschlossen, zur Polizei zu gehen. Diese Aussage, die Auswertung der Handydaten des Angeklagten und weitere Indizien führten schließlich zur Festnahme des 47-Jährigen.

„Der hat mich verpfiffen“, soll der Angeklagte in der Untersuchungshaft einem Mithäftling gesagt haben. Für den Staatsanwalt ein weiteres Indiz für die Schuld des Angeklagten. „Denn verpfeifen kann man nur jemanden, der eine Straftat begangen hat.“