Stormarn
Kinderbetreuung

Kita-Eltern in Oststeinbek haben genug vom Streik

Demo-Picknick im Rathaus

Demo-Picknick im Rathaus

Foto: Janina Heinemann

Ein Picknick im Ammersbeker Rathaus und eine Unterschriftensammlung in Oststeinbek: Stormarns Eltern fordern mehr Unterstützung.

Ammersbek/Grosshansdorf.  Stormarns Kita-Eltern machen mit Protestaktionen auf sich aufmerksam. Seit mehr als zwei Wochen streiken Erzieherinne und Erzieher in Ammersbek, Großhansdorf, Hoisdorf und Oststeinbek (wir berichteten). In den Kindertagesstätten wird lediglich eine Notbetreuung angeboten. In Oststeinbek musste der Betrieb in der Kita an der Gerberstraße teilweise ganz eingestellt werden.

Punkt 15 Uhr standen am Donnerstag rund 70 Eltern der Kinder, die normalerweise in der Kindertagesstätte an der Gerberstraße in Oststeinbek betreut werden, im strömenden Regen vor dem Rathaus, hielten ihre Forderungen, festgehalten auf Pappschildern, hoch in die Luft. Elternvertreterin Jessica Schäfer sagte: „Die Gemeinde könnte mehr tun. Uns eben nicht im Regen stehen lassen, sondern mehr Druck machen.“ Jeden Tag müsse sie die Betreuung für ihren Sohn neu organisieren. Das sei nicht nur extrem stressig, sondern auch sehr kostenintensiv. Schäfer: „Meine Babysitterin bekommt zehn Euro pro Stunde.“

Eltern in Oststeinbek fordern mehr Unterstützung von der Gemeinde

Sandra Eckert ist ebenfalls vom Streik genervt. Sie sagte: „Ich muss mir fast jeden Morgen eine neue Unterbringungsmöglichkeit für meinen Sohn Paul überlegen.“ Manchmal habe sie ihren Sohn mit zur Arbeit genommen, doch „da war ihm schnell langweilig“, erzählt Eckert, die im Einzelhandel arbeitet. Manchmal habe ihr Mann, der an der Universität in Hamburg arbeitet, Paul mitgenommen. Um den Druck auf die Gemeinde zu erhöhen, übergab Elternvertreterin Schäfer dem Bürgermeister Unterschriftenlisten. Die Eltern fordern damit von der Gemeinde, die Eltern zu unterstützen.

Doch nicht nur Mütter und Väter versammelten sich vor dem Rathaus . Auch Erzieherinnen und Erzieher waren vor Ort. „Wir wollen eine bessere Bezahlung für unsere Arbeit“, forderte Anika Wittern. Bevor es keine Einigung gebe, werde sie weiter streiken.

Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer sieht die Kundgebung der Eltern und Erzieher als legitim an. Die Gemeinde arbeite an Lösungen, die Kinder unterzubringen. So gibt es seit Dienstag eine Notgruppe, in der 20 Kinder betreut werden könnten.

In Ammersbek machten nahezu zeitgleich 50 Eltern und Kinder Picknick im Rathaus. Auf mehreren bunten Wolldecken breiteten die Teilnehmer Kuchen, Kekse und Spielzeug aus. Die Eltern wollten mit der Aktion auf sich und ihre Situation aufmerksam machen, Druck auf den Bürgermeister ausüben. Dieser solle sich, so forderten sie, mit der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in Verbindung setzen. Die VKA ist Verhandlungsgegner der Gewerkschaften im aktuellen Tarifstreit.

Eltern dürfen in Ammersbek und Oststeinbek Kita-Räume nutzen

Bürgermeister Horst Ansén kam zu dem Picknick ins Foyer des Rathauses. Er findet die Aktion gut. „Ich will, dass dieser Wahnsinn von Streik beendet wird“, sagte er. „VKA und Gewerkschaften sollen sich endlich an einen Tisch setzen und verhandeln.“ Ansén hat selbst Kinder, wenn auch mittlerweile erwachsen. Er könne sich insofern vorstellen, welcher Belastung die Eltern momentan ausgesetzt sind.

Sowohl die Eltern in Ammersbek als auch die in Oststeinbek wollten eine eigene Betreuung ihrer Kinder in den Räumlichkeiten der Kindertagesstätten organisieren. Das Problem: Den Versicherungsschutz kann die Kommune nicht übernehmen.

Nun gibt es aber eine Lösung. „Die Eltern dürfen unsere Kita-Räume nutzen, wenn wir einen Teilbereich abtrennen“, sagt Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer. Auch in Ammersbek hat Bürgermeister Ansén positive Neuigkeiten für die Eltern: „Wir können den Eltern die Räume zur Verfügung stellen, wenn sich die Gruppe nicht mit den Kindern in der Notbetreuung vermischt.“

Im Prinzip sei dies wie eine private Spielgruppe in einem Wohnzimmer, erklärt Ansén. Nur dass das Wohnzimmer die gewohnte Umgebung der Kinder, nämlich die Kita, sei.

In Großhansdorf versammelten sich derweil rund 50 Erzieher der Kitas Großhansdorf, Hoisdorf und Ammersbek zu einem Demonstrationsmarsch im strömenden Regen. Astrid Henke, stellvertretende Vorsitzende der GEW Schleswig-Holstein, sagte: „Wir wollen die Erzieher und ihr Anliegen in die Öffentlichkeit bringen.“