Stormarn
Ahrensburg

„Vollsperrung“ im Hagener Forst nach dem Sturm

Umgestürzte Bäume versperren einen Waldweg im Hagener Forst

Umgestürzte Bäume versperren einen Waldweg im Hagener Forst

Foto: Verena Künstner

Sturmtief „Zoran“ hat in dem Ahrensburger Wald zahlreiche Bäume entwurzelt. Viele Wege sind nicht mehr passierbar.

Ahrensburg.  Wer sich dieser Tage im nordwestlichen Teil des Forst Hagen in Ahrensburg auf den Spuren des Mittelalters in Richtung Burg Arnesvelde bewegen möchte, dem versperren mächtige Baumstämme den Wanderweg. Sturm „Zoran“, der am 5. Mai über Stormarn hinwegfegte, hat mit seiner Wucht etliche Laub- und Nadelbäume in dem rund 140 Hektar großen Waldgebiet entwurzelt und umgelegt. Forstarbeiter haben die breiten Wege bereits geräumt und umgehend mögliche Gefahrenquellen für Waldbesucher beseitigt. Doch gerade auf kleineren Pfaden wie dem oben genannten ist noch deutlich zu sehen, mit welcher Kraft der jüngste Sturm wütete.

„Das Sturmtief hat vielen Bäumen den Rest gegeben“, sagt Heino Koch, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Stormarn. Nach etlichen Stürmen, angefangen bei „Elon“, dem ersten schweren Unwetter des Jahres 2015, über „Felix“ bis hin zu den März-Stürmen „Mike“ und „Niklas“, seien viele Baumstrukturen bereits sehr geschwächt gewesen. „Die Bäume hatten zwischen den einzelnen Stürmen viel zu wenig Zeit, sich wieder zu festigen“, erklärt Koch die schweren Schäden.

Wenn ein „Beschützerbaum“ fällt, ist der gesamte Verbund gefährdet

Im Forst Hagen, in dem der hohe Nadelholzanteil durch Aufforstung nach und nach in Laubmischwaldfläche umgewandelt wird, stehen die Bäume meist im Verbund. Die äußeren sind stark und fest verwurzelt, im Inneren wachsen die schwächeren Exemplare. Fällt nun jedoch einer der außen stehenden „Beschützerbäume“ einem Sturm zum Opfer, ist der gesamte Verbund gefährdet. Heino Koch: „Durch das Wegfallen einzelner Bäume bilden sich immer wieder neue Windschneisen und der Sturm greift auch auf die weniger widerstandsfähigen Bäume über.“

Nahezu keinen Sturm-Widerstand bilden die flachwurzelnden Fichten im Forst Hagen. Erst recht nicht, wenn sie von der sogenannten Rotfäule betroffen sind, bei der Pilze den Holzstoff des Baumes zersetzen. Zurück bleibt der faserige Zellstoff, die Cellulose, die sich bei diesem Schadbild dann nach und nach rötlich verfärbt. „Den Rotfäulepilz kann man bei den abgebrochenen Fichten jetzt ganz besonders gut erkennen“, sagt Heino Koch. Das betroffene Holz ist morsch und zerbröselt oft schon bei der geringsten Berührung.

Viele Passanten bleiben ehrfurchtsvoll vor den Bäumen stehen

Spaziergänger, Läufer und Radfahrer, die derzeit im Forst Hagen ihre Runden drehen, bleiben auf dem Pfad nahe der Burg Arnesvelde oft neugierig stehen. Natürlich in erster Linie, weil der Weg komplett durch Stämme und Wurzeln versperrt ist. Die meisten drehen jedoch nicht einfach um oder versuchen, schnell über die hölzernen Barrieren zu klettern, um ihren Weg fortzusetzen. Sie halten inne und begutachten die mächtigen Stämme fast ehrfurchtsvoll. „Es ist doch sehr beeindruckend, welche Kraft die Natur entwickeln kann“, sagt beispielsweise Ines Horst, die mit ihrem Lebensgefährten Carsten Zerbs das erste Mal im Ahrensburger Wald unterwegs ist. Das Paar aus Hamburg-Winterhude hätte nicht gedacht, dass ein Sturm „solch eine Fülle von Bäumen umhauen kann“. Für sie als Laie sähen die Wurzeln der umgestürzten Bäume doch sehr stabil und gesund aus. Die 38-Jährige Hamburgerin sagt: „Unfassbar, welche Energie hier am Werk gewesen sein muss.“

Auch Heilerziehungspfleger Kolja Bern, 30, der regelmäßig mit seinen Klienten von der Lebenshilfe Stormarn im Forst Hagen unterwegs ist, findet den „stürmischen Schaden“ spannend. „Wenn wir mit Rollstuhlfahrern unterwegs sind, ist das natürlich ein Hindernis. Aber anstatt uns zu ärgern, nehmen wir einfach einen anderen, freigeräumten Weg.“

Ginge es nach Hundedame Wanda, deren Hausstrecke täglich durch den Ahrensburger Wald führt, dürften die umgestürzten Bäume noch ewig liegenbleiben. Kurzerhand verwandelt sie nämlich die „Vollsperrung“ in ihren neuen Trainingsparcours und balanciert auf den Stämmen. Wandas Herrchen Marcel Lütjens fragt sich währenddessen, was wohl mit den sturmgeschädigten Bäumen nun passiert.

Umgestürzte Bäume müssen jetzt zügig abtransportiert werden

Während entwurzelte Laubbäume, die keine Wege versperren, liegenbleiben dürfen und damit dem natürlichen Kreislauf des Waldes zukommen, muss FBG-Chef Heino Koch mit seinen Forstbetriebskollegen jetzt zügig dafür sorgen, dass die umgestürzten Nadelbäume abtransportiert werden. Sonst niste sich bald der Borkenkäfer in die toten Fichtenstämme ein, vermehre sich dort rasant und könne in der Masse schließlich auch gesunden Bäumen gefährlich werden.

„Momentan sind unsere Fahrzeuge noch in anderen Waldgebieten im Einsatz“, so der Chef der Forstbetriebsgemeinschaft Stormarn. Sobald die notwendigen Maschinen für die Aufräumarbeiten zur Verfügung stehen, geht es an die Arbeit.