Unwetter

So wütete der Frühlingssturm "Zoran" im Norden

In Hamburg starb ein Mann. Die Feuerwehr rückte zu knapp 600 Einsätzen aus. In Mecklenburg verwüstete ein Tornado die Kleinstadt Bützow.

Hamburg/Bützow. Einen Tag nach dem heftigen Unwetter im Norden mit Orkanböen und sintflutartigen Regenfällen gehen am Mittwoch die Aufräumarbeiten weiter. Eine Gewitterfront mit Sturmböen von mehr als 100 Stundenkilometern hatte am Dienstag Bäume und Äste auf Straßen und Autos stürzen lassen. Ein junger Mann kam ums Leben. Starkregen mit bis zu 30 Litern pro Quadratmeter sorgte für vollgelaufene Keller. Die Berufsfeuerwehren in Hamburg und Lübeck sowie zahlreiche Freiwillige Feuerwehren waren bis zum späten Dienstagabend im Dauereinsatz. In Mecklenburg hinterließ ein Tornado in der Kleinstadt Bützow eine Spur der Verwüstung. Ein weiterer hatte sich in der Nähe von Schwerin gebildet.

Am Hamburger Fischmarkt wurde ein 26-Jähriger durch ein einstürzendes Vordach getötet. Helfer entdeckten den Mann unter den Trümmern, wie die Polizei mitteilte. Er starb noch an der Unglücksstelle. Seine hochschwangere Lebensgefährtin wurde ebenfalls von Trümmerteilen getroffen und schwer verletzt. Im Krankenhaus brachte die 25-Jährige einen gesunden Jungen zur Welt. Eine weitere Frau wurde in Hamburg durch einen umstürzenden Baum in ihrem Auto eingeklemmt. Sie kam ebenfalls in eine Klinik.

Die Hamburger Feuerwehr kümmerte sich um zahlreiche überflutete Keller und umgestürzte Bäume. Bis Mitwochmorgen gab es 574 Einsätze. Die rund 400 Kräfte der Berufsfeuerwehr seien von etwa 70 Freiwilligen Feuerwehren sowie von zahlreichen Helfern des Technischen Hilfswerks unterstützt worden, sagte ein Feuerwehrsprecher.

In Schleswig-Holstein wütete das Unwetter vor allem in den südöstlichen und östlichen Landesteilen. Die Rettungsleitstelle Süd zählte mehr als tausend wetterbedingte Alarmierungen. Besonders betroffen war der Bereich Lübeck. Dort rückten die Einsatzkräfte bis weit nach Mitternacht zu 113 Einsätzen aus. Starkregen drang in Lübeck auch in das Holstentor ein und überflutete Teile des Museums, wie die Feuerwehr mitteilte. Im Lübecker Hafen kippten Orkanböen einen Getreidekran auf ein am Kai festgemachtes Containerschiff. Ein Marktstand wurde quer durch die Fußgängerzone getrieben.

In Bad Schwartau wurden etliche Gullydeckel durch die Regenmassen hochgedrückt. Umgeknickte Bäume und Äste versperrten überall in den betroffenen Regionen die Straßen und beschädigten Autos. Auf der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck musste der Zugverkehr vorübergehend eingestellt werden, da Bäume auf den Gleisen waren. In Stapelfeld im Kreis Stormarn krachten zwei Bäume auf ein Mehrfamilienhaus. Verletzt wurde in Schleswig-Holstein nach bisherigen Kenntnissen niemand.

In Bützow wurden 14 Häuser für unbewohnbar erklärt

Besonders hart traf es die Kleinstadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern, in der nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein Tornado wütete. Der Wirbelsturm hatte große Teile des riesigen Daches der Kirche abgedeckt. Auch das Rathaus nebenan zeigt deutlich sichtbare Schäden. „Die Ziegel kamen wie Geschosse heran“, berichtet Christian Grüschow, parteiloser Bürgermeister der Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. 31 Menschen wurden verletzt, davon eine Frau schwer.

Die genauen Schäden lassen sich noch nicht abschätzen. Die Verantwortlichen trauen sich nur, von „vielen Millionen Euro“ zu sprechen. Die Experten gehen davon aus, dass alleine die Schadensaufnahme mehrere Tage dauern wird. Statiker müssen Häuser vermessen, bis zum Mittwochmittag wurden 14 von 84 untersuchten Wohnhäusern für unbewohnbar erklärt. Sechs Menschen werden zunächst in der Sporthalle untergebracht. Mehr als 100 Autos werden in Mitleidenschaft gezogen, viele stehen völlig zerstört ohne Scheiben vor Häusern ohne Fenster. (HA)