Stormarn
Großensee

Diskussion über Bienensterben im Norden

Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostholstein-Lübeck, beim Gipfeltreffen zwischen Imkern und Bauern in Großensee

Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostholstein-Lübeck, beim Gipfeltreffen zwischen Imkern und Bauern in Großensee

Foto: Ewelina Berger

Bauern und Imker haben in Großensee über eine bessere Zusammenarbeit diskutiert. Müssen die Bienen durch das eingesetzte Pflanzenschutzmittel sterben?

Großensee.  Bienensterben ist ein kontrovers diskutiertes Thema – insbesondere zwischen Imker- und Landwirtschaft. Stehen doch manche Pflanzenschutzmittel im Verdacht, das Bienensterben zu fördern. Aus diesem Grund haben sich Imker, Landwirte und Experten nun zu einem Gipfel in Großensee getroffen. Die übergreifenden Fragen der Veranstaltung: Wie können Imker und Bauern besser zusammenarbeiten? Und was wünschen sie sich voneinander? Symbolisch dafür steht ihr Treffpunkt, der sozusagen die Schnittstelle zwischen Imker und Bauer darstellt – ein Rapsfeld.

Rund 20 Prozent der Bienen in Schleswig-Holstein sind 2014 gestorben

Nachdem die Bieneninstitute im Herbst 2014 bereits eine hohe Verlustrate der Bienen zwischen 25 bis 30 Prozent prognostiziert hatten, stellte das Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen in einer aktuellen Umfrage fest, dass der Verlust in Schleswig-Holstein bei 20,5 Prozent lag, bundesweit sogar bei 22,3 Prozent. Der Imkerverein Trittau und Umgebung etwa meldet einen Verlust von lediglich neun Prozent, was mit der gezielten Behandlung gegen Milbenbefall erklärt wird.

Milben spielen also ebenso eine wichtige Rolle für den Bestand der Bienen sowie auch das knapper werdende Nahrungsangebot. „Wenn ein Rückgang des Pflanzenangebots beklagt wird, ist das nicht die Schuld der Bauern“, betonte Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostholstein-Lübeck. Aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft gebe es weniger Flächen mit geeigneter Nahrung wie Klee für die Spättracht. Das bedeutet, dass die Bienen nach der Rapsblüte nicht genug Pflanzen finden. „Es ist hilfreich, wenn Bauern und Imker sich gegenseitig informieren, das schafft Verständnis für den anderen und seine Arbeit“, so Blanck.

Kritik am Verbot spezieller Insektizide

Er betonte aber auch, dass Bauern Pflanzenschutzmittel benötigten, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Im gleichen Atemzug kritisierte Blanck das Verbot bestimmter Insektizide, sogenannter Neonikotinoide, die seit Dezember 2013 für Rapspflanzen von der EU untersagt worden sind. Dem entgegnete ein anwesender Berufsimker und Landwirt: „Das Gift schwächt die Bienen und macht sie somit anfälliger für Milbenbefall.“

Die wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema, sagte Blanck, seien widersprüchlich. „Ich wünsche mir eine objektive und abgesicherte fachliche Meinung über die Schädlichkeit von Neonikotinoiden, bevor man sie verbietet.“ Das jetzige Verbot aber sei aufgrund einer politisch sehr emotional geführten Debatte ausgesprochen worden.

Folgenhafter Schädlingsbefall

Dirk Eylmann, vor dessen Rapsfeld rege diskutiert wurde, möchte aus dem Verbot Konsequenzen ziehen. „Im Herbst 2014 habe ich die Pflanzen erstmals nicht mit dem Mittel behandelt und bereits erheblichen Schädlingsbefall gehabt. Ich werde den Rapsanbau daher wohl reduzieren müssen.“ (Ewelina Berger)