Stormarn
Planspiel

Ahrensburger Schüler üben Kommunalpolitik im Rathaus

Über ihren geplanten Kinobau sprechen (v.l.) Steffen Cordts, Stefan Scheunemann, Laura Tiedemann, Steffen Kahl mit Architekt Peter Grunert

Über ihren geplanten Kinobau sprechen (v.l.) Steffen Cordts, Stefan Scheunemann, Laura Tiedemann, Steffen Kahl mit Architekt Peter Grunert

Foto: Isabella Sauer

Bei einem Planspiel in Ahrensburg lernen Gymnasiasten der Stormarnschule Verwaltung und Kommunalpolitik kennen.

Ahrensburg. Anstatt im Klassenraum zu sitzen und politische Theorien zu lernen, erleben die Schüler der 10. Klassen der Stormarnschule Kommunalpolitik im Ahrensburger Rathaus hautnah. In einem Planspiel erarbeiten sie Beschlussvorlagen, halten Fraktionssitzungen ab und diskutieren in der Stadtverordnetenversammlung. Vielseitige kommunalpolitische Projekte stehen auf der Tagesordnung.

„Wir möchten ein Kino auf dem Gelände hinter dem Rathaus, also neben dem Jugendzentrum 42, auf der Parkplatzfläche bauen“, sagt Stefan Scheunemann, 16. Er kommt mit seiner Gruppe gerade von der Stadtplanung. Mit einem Flächenplan in der Hand gehen die Schüler weiter in den Raum 18. „Hier wollen wir Gewerbeangelegenheiten klären“, sagt Scheunemann und klopft höflich an die Tür. Sie schildern ihr Anliegen, doch schnell wird klar: Es ist das falsche Büro. Zwar gibt es hier die gewünschten Informationen zur Gewerbeanmeldung, aber die Frage, ob der Bau überhaupt an diesem Platz möglich wäre oder nicht, bleibt ungeklärt. Sie werden weitegeleitet an das Bauamt – Zimmer 211.

Auf dem Weg durch die schmalen Gänge des Ahrensburger Rathauses steigt erste Ernüchterung bei den Schülern auf. „Gar nicht so einfach, den richtigen Ansprechpartner zu finden“, sagt Steffen Kahl. Schließlich finden sie Peter Grunert, 60, der als Architekt bei der Stadt Ahrensburg arbeitet. „Der erste Schritt ist, dass ihr den Bauausschuss überzeugt, dass eure Fläche für den Bau des Kinos geeignet ist“, rät der. Danach müsste ein Blick in die Baumschutzsatzung geworfen werden. Außerdem gingen Parkplätze verloren, müssten neue als Ersatz her.

Schüler sind überrascht, an was sie alles denken müssen

Die Schüler sind verunsichert und schweigen für einen kurzen Moment. „An was wir alles denken müssen“, sagt Steffen Cordts. Grunert muntert sie auf: „Ihr müsst einen Schritt nach dem anderen gehen und letztlich Überzeugungsarbeit leisten“, sagt er. Und etwas Positives findet er dann doch: „Der Vorteil bei diesem Kinobau ist, dass die Fläche der Stadt gehört. Somit wäre es sinnvoll, einen Investor zu suchen. Dann nimmt die Stadt sogar noch Geld ein.“ Die Gruppe geht nach draußen. Eine Ortsbegehung steht an, und es wird weiter diskutiert über mögliche Baumfällungen und neue Parkplätze.

Eine Stunde später ist lautes Gerede im Eingangsbereich des Rathauses zu hören. Die in den verschiedenen von den Fachdiensten geleiteten Arbeitsgruppen erstellten Beschlussvorlagen werden präsentiert. Die Erneuerung der Hagener Allee, der Bau einer Wasserrutsche im Badlantic, die Modernisierung der Jugendhäuser, ein Jugendpark und ein Infoabend für Flüchtlinge – die Vorschläge sind vielfältig. Jedoch ist das Budget knapp, 3,76 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Nun muss in den einzelnen Fraktionen diskutiert werden, wie viel Geld für welches Projekt ausgegeben werden sollte. Hilfe bekommen die Schüler von „richtigen“ Politikern. Einer von ihnen ist Jürgen Eckert (SPD). Er hört sich die einzelnen Vorschläge seiner roten Fraktion an und berät die Gruppe. Ein Fraktionsvorsitzender ist auch schnell gewählt: Vito Thomsen. Er muss gleich die ausgewählten roten Themen in der Stadtverordnetenversammlung verteidigen. „Letztendlich haben wir uns einstimmig für die Info-Veranstaltung für Flüchtlinge, die Sanierung der Hagener Allee und den Jugendpark am Stormarnplatz entschieden“, sagt Fraktionsvorsitzender Thomsen.

Und genau diese drei Projekte haben sich auch am Ende des Planspiel-Tages im gesamten Plenum durchgesetzt. Also kein Kino. Frank Ropers, Stadtjugendpfleger: „Zwar werden auch die drei gewählten Projekte wahrscheinlich nicht in die Realität umgesetzt. Aber dafür haben alle Schüler etwas über Verwaltung und Kommunalpolitik gelernt.“