Stormarn
Ahrensburg

Sie lassen Flüchtlinge nicht im Regen stehen

Foto: Sebastian Knorr

Vor einem Jahr ins Leben gerufener Freundeskreis für Flüchtlinge in Ahrensburg bekommt den Olof-Palme-Friedenspreis der SPD Stormarn.

Ahrensburg. Sie wollen ein Zeichen setzten. Ein Zeichen für Freundschaft, für Integration und für Hilfsbereitschaft. 30Ahrensburger trotzen dem Regen, denn das, wovon sie zu erzählen haben, liegt ihnen sehr am Herzen. Dass sie schon viel erreicht haben für Flüchtlinge. Dass sie weitere Helfer aber noch gut gebrauchen können. Zumindest ein bisschen finanzielle Unterstützung ist der Initiative schon mal sicher: Sie ist jetzt im Reinbeker Schloss mit dem mit 1750 Euro dotierten Olof-Palme-Friedenspreis der SPD Stormarn ausgezeichnet worden.

Vor einem Jahr ging es los. In einer Konferenz mit 50 Teilnehmern wurde der Freundeskreis ins Leben gerufen. „Etwa 15 bis 20 Leute haben dann aktiv mitgearbeitet“, sagt Axel Fricke vom Netzwerk Migration & Integration, das die Idee zum Freundeskreis hatte. „Das Netzwerk versteht sich eher als Kommunikationsplattform verschiedener Institutionen“, so Fricke, der selbst auch im Leitungsteam des Freundeskreis ist. „Was fehlte, war konkrete Hilfe für Flüchtlinge.“

Seitdem ist der Freundeskreis gewachsen, im Oktober vergangenen Jahres wurde eine Leitung gewählt, die die einzelnen Projekte koordiniert. Dazu zählen die sogenannten Patenschaften, Deutschunterricht, Hausaufgabenhilfe, Sportkurse, Hilfe bei der Wohnungssuche, Organisation von Dolmetschern und eine Fahrradwerkstatt. Heute machen ungefähr 40 Freiwillige mit.

77-Jährige kümmert sich um fünfköpfige Familie aus dem Kosovo

Eine von ihnen ist Anna Marie Hinner. Sie ist Patin der Familie Elshani aus dem Kosovo. „Früher hatte ich 100 Angestellte“, sagt die 77 Jahre alte Ahrensburgerin, „heute kümmere ich mich um fünf Flüchtlinge.“ Seit drei Monaten ist die Familie aus dem Kosovo jetzt in Deutschland, eine Anhörung zum Asylverfahren gab es noch nicht. „Sie wurden zu Hause bedroht und verfolgt“, sagt Hinner. Doch bei Bedrohungen sei es nicht geblieben, „das ging am Ende so weit, dass das Haus der Familie abbrannte.“

Heute leben die Elshanis in der Flüchtlingsunterkunft am Bornkampsweg, und Anna Marie Hinner hilft, in Deutschland klarzukommen. Sie begleitet bei Arztterminen und Behördengängen, hilft beim Deutschunterricht. „Die ganze Familie besucht viermal die Woche einen Deutschkursus“, sagt sie, „der jüngste der Familie, der acht Jahre alte Ressul, bekommt dazu noch Unterricht im Zentrum Deutsch als Zweitsprache an der Grundschule Am Schloss.

Flüchtlinge sollen Fund-Fahrräder bekommen

Tim Woidtke vom Fachdienst für Grundsatzangelegenheiten beim Kreis Stormarn sagt: „Vor Ort ist das Ehrenamt sehr wichtig.“ Für 2015 rechnet der Bund mit 300.000 neuen Asylbewerbern. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat in einem dpa-Gespräch vor zwei Wochen gesagt, von 20.000 neuen Bewerbern für Schleswig-Holstein zu sprechen sei realistisch. „Dem Kreis Stormarn werden 7,7 Prozent davon zugeteilt, wir rechnen also mit 1540 Zuweisungen in 2015“, sagt Woidtke. Im vergangenen Jahr waren es noch 574.

Auch in Ahrensburg wird die Zahl der Flüchtlinge steigen. Mit 200 neuen Asylbewerbern rechnet Bürgermeister Michael Sarach. „Wir sind auf das ehrenamtliche Engagement dringend angewiesen“, sagt auch er. „Wir werden bald beginnen, Fund-Fahrräder, die sonst zur Versteigerung ausgeschrieben werden, Flüchtlingen bereitzustellen.“

Thomas Bellizzi, Fraktionsvorsitzender der FDP in Ahrensburg, sagt: „Wir sind als Stadt in der Gesamtverantwortung. Dem Freundeskreis ist großer Dank auszusprechen.“ Auch für Jörg Hansen von den Ahrensburger Grünen ist die Sache klar: „Ohne Ehrenamt geht es nicht.“ Politik und Verwaltung allein könnten die Herausforderung nicht stemmen. „Die Menschen sind da, und wir können sie nicht allein lassen“, sagt Elke Rottgardt vom Leitungsteam. Anna Marie Hinner: „Jeder kann beim Freundeskreis mitmachen.“

Freundeskreis für Flüchtlinge in Ahrensburg: kontakt@freundeskreis-fluechtlinge.de; öffentliches Treffen am Mittwoch, 11. März, 19 Uhr, Peter-Rantzau-Haus (Manfred-Samusch-Straße 9).