Stormarn
Westerau

Trenthorst probiert den Königs-Weg aus

Am Donnerstag besuchen Willem-Alexander und Máxima der Niederlande das Öko-Institut in Westerau. Da sollte nichts schiefgehen

Westerau. Eine Stunde. 60 Minuten. Dann sind die königlichen Häupter wieder weg. „Da muss alles klappen und auf Anhieb richtig sein.“ Nicht nur richtig, sondern auch richtig herum. Der Leiter der Technik-Abteilung des Guts Trenthorst hat eine Flagge herausgeholt. Er will sie probehalber hochziehen. „Oh. Das wär’ fast schiefgegangen“, sagt Torsten Cordts und lacht. Das ist aber auch trickreich. „So ist es die Flagge Schleswig-Holsteins, und so herum die der Niederlande.“ Letztere soll natürlich wehen, wenn das Königspaar Willem-Alexander und Máxima am Donnerstag auf dem Gut in Westerau vorfährt und dem dortigen Thünen-Institut für Ökologischen Landbau einen Besuch abstattet. Zuerst zieht es die Royals in den Kuhstall.

Und auch dort wird zurzeit alles vorbereitet und auf Hochglanz poliert. Uwe Stockrahm hält munter drauf. Wer nicht weiß, dass er es ist, kann den Landwirt nicht erkennen. In grünes Ölzeug gehüllt, Kapuze tief in die Stirn gezogen, rückt er mit einem Hochdruckreiniger unverdrossen dem Schmutz an der Stallwand zu Leibe. Der Motor des Kompressors brummt ziemlich laut. Und so hört er nicht, wie der stellvertretende Institutsleiter Hans Marten Paulsen vorbeikommt.

„Das sollte schon lange geschehen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt“, sagt Paulsen, ruft „Danke, Uwe“ und klemmt sich durch die Tür in den Stall. Sie geht nicht richtig auf. Irgendetwas ist im Weg. Máxima wird zwar nicht im Abendkleid erscheinen. Aber sich durch eine Kuhstalltür zu zwängen, das dürfte der königlichen Hoheit nicht gefallen. „Das ändern wir noch“, sagt Paulsen und schaut mit Alexander Klein nach den Kühen. Klein ist Leiter des Versuchsbetriebes. Denn dies ist kein gewöhnlicher Stall, sondern ein Forschungsfeld.

Die erste Anfrage aus den Niederlanden kam kurz vor Weihnachten

„Wir untersuchen die muttergebundene Aufzucht von Kälbern“, sagt Klein. Im Normalfall werde das Kalb zwei bis 24 Stunden nach der Geburt der Mutter weggenommen. „Wir belassen die Tiere bis zu zwölf Wochen bei der Mutter und beobachten das Verhalten und Wohlergehen und natürlich die Milchverluste. Denn wenn die Kälber nach Belieben mittrinken, haben wir weniger Milch für den Verkauf“, sagt der Betriebsleiter.

Die Kälbchen kennen ihn. Nummer 45.811 streckt den Kopf durchs Gitter. Der Betriebsleiter hält die Hand hin. Und schon fängt das sechs Monate alte Kälbchen an zu nuckeln. Das wird es sich bei den königlichen Hoheiten nicht erlauben dürfen. Auch wenn die niederländische Delegation wegen der ökologischen Milchviehhaltung nach Trenthorst kommt. Dass Máxima nicht mit Stöckelschuhen durch Kuhmist laufen wird, wurde im Vorfeld bereits geklärt.

Die erste Anfrage kam kurz vor Weihnachten. Vor acht Wochen folgte dann ein diplomatischer Vorbesuch. „Karin Westra kam nach Trenthorst. Sie ist Attaché für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität“, sagt der stellvertretende Institutsleiter. „Sie hat erst einmal geklärt, ob das Haus und das Gelände überhaupt geeignet sind.“ Das Urteil fiel positiv auf. Zwei Wochen später folgte eine Delegation, um die Details und das Protokoll abzusprechen. Paulsen: „Auch Polizei und Landeskriminalamt waren da. Bei einem solchen Besuch spielt natürlich der Sicherheitsaspekt eine große Rolle.“ So wurden auch die Wege begutachtet – und über die Schuhfrage gesprochen.

Die Frage der Verköstigung war leichter zu beantworten. „Es gibt nur Wasser und Saft von den Äpfeln unserer Streuobstwiese. Das Königspaar hat schon vorher in Lübeck mit Ministerpräsident Albig gegessen. Er wird sie dann auch nach Trenthorst begleiten“, sagt Paulen und wirft einen Blick in die Küche in der unteren Etage des Herrenhauses. Die Aufregung hält sich hier angesichts der unaufwendigen Verköstigung in Grenzen. Lediglich Fingerfoods soll gereicht werden, für die Mitglieder der Wirtschaftsdelegation. Sie wird noch bleiben, während Máxima und ihr Willem-Alexander die Autos und die Länder wechseln werden. Paulsen: „Nach Schleswig-Holstein besucht das Königspaar Hamburg. Von dort geht es dann zurück in die Niederlande.“

Dass die Hoheiten auf ihrer am Mittwoch startenden Tour durch Dänemark und den Norden Deutschlands auch dem kleinen Trenthorst einen Besuch abstatten, hängt mit dem Renommee des Thünen-Instituts zusammen. „Und damit, dass Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft europaweit ein großes Thema ist“, sagt Paulsen. „Ökologischer Landbau spielt durch seinen Grundsatz, tiergerechte Produktionsverfahren zu verwenden, eine Vorreiterrolle.“

So diene der Besuch vorrangig dazu, eine Forschungskooperation mit dem niederländischen Louis-Bolk-Institut und der Universität Wageninen im Beisein des Königshauses zu unterzeichnen. Paulsen: „Es geht um Wissensaustausch und größere Chancen auf EU-Förderung gemeinsamer Projekte.“ Aber auch handfestere Gründe spielten eine Rolle. Paulsen: „Natürlich wollen die Niederlande Deutschland stärker als Absatzmarkt für ihre ökologisch erzeugten Produkte gewinnen.“

Im Sekretariat laufen alle Fäden zusammen

In drei Tagen ist es so weit. „Das ist schon etwas Besonderes für mich und meine Mitarbeiter “, sagt Betriebsleiter Klein, der sich auch selbst ein bisschen für den großen Tag herausputzen will. „Im Anzug komme ich nicht gerade, aber dem Anlass angemessen.“

Auch im Sekretariat ist schon Lampenfieber zu spüren. „Wir freuen uns“, sagt Sylvia Fennert und strahlt. Seit 2013 ist sie beim Institut und hat von dem Besuch von Prinz Charles 2002 daher nur gehört. Nun kommen Royals, die sie aus der Nähe sehen kann.

Mit Schauen allein ist es aber nicht getan. „Wir sind so etwas wie das Fest- und Dekorationsteam“, sagt Sylvia Fennert, die mit ihrer Kollegin Renate Frommann für Erfrischungen sorgen, aufbauen, Gläser abräumen und die Tische mit Blumen schmücken wird. „Wir wollen weiße und natürlich orangefarbene Gestecke zusammenstellen.“ Das Sekretariat ist so etwa wie das Herz, der Dreh- und Angelpunkt des Instituts.

Dass vor dem historischen Gutsgebäude gerade Bagger stehen und sich Sandberge aufhäufen, sieht nicht so schön aus, lässt sich aber nicht ändern. Paulsen: „Die Dränage muss verlegt werden. Und der Betrieb muss weitergehen.“ Die Trenthorster bereiten alles vor und freuen sich riesig. Aber Berge können sie selbst für die Royals nicht versetzen.