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Kita-Kosten: Warum gibt es Unterschiede?

Bis zu 900 Euro Differenz pro Jahr gibt es bei den Beiträgen. Bargteheider wehrten sich gegen Erhöhung. Heute Protest-Aktion in Barsbüttel

Ahrensburg/Glinde. Heute Nachmittag ist es soweit: Eltern aus Barsbüttel gehen auf die Straße. Ihr Ziel: das Rathaus. Im Gepäck: eine Petition gegen eine geplante Elternbeitragserhöhung. Und sie sind nicht allein. Fast überall im Kreis zeigt sich Protest. Sie fordern klare und transparente Elternbeiträge, die zumutbar sind. „Eltern bekommen einen bestimmten Betrag gesagt, dann stehen sie häufig vor einem großen Geheimnis“, sagt Katja Rathje-Hoffmann, Landtagsabgeordnete der CDU in Norderstedt, die kürzlich eine große Anfrage zum Thema Kita-Gebühren an die Landesregierung gestellt hat: Eine Antwort wird für Herbst 2015 erwartet.

Das Abendblatt ist der Frage nachgegangen, wie sich die Beträge zusammensetzen und warum es in den Städten und Gemeinden so große Unterschiede gibt. Zunächst sind es die Träger, beziehungsweise Betreiber der Kitas, die den Preis für einen Kita-Platz anhand der Betriebskosten der Einrichtung berechnen. Kosten also, die den laufenden Betrieb sicherstellen, wie beispielsweise Personal- und Sachkosten. Heraus kommt die Summe, die eine Betreuung pro Stunde in der Einrichtung kostet. In unserem Musterbeispiel fallen für eine sechsstündige Betreuung an jedem Werktag Kosten von 1000 Euro an.

Städte und Gemeinden legen den Elternanteil an den Kosten fest

Jetzt kommen die Gemeinden und Städte ins Spiel. Sie setzen fest, welcher Prozentsatz von den Eltern gezahlt wird und welchen Betrag die Kommune übernimmt. Der Richtwert für den Elternbeitrag an den Betriebskosten in Stormarn liegt bei 37,5 Prozent. In unserem fiktiven Beispiel würden Eltern – sofern sich die Kommune auf den Richtwert einigt – für eine sechsstündige Betreuung 375 Euro im Monat zahlen. Dazu kämen noch die Kosten für Essensgeld – meist noch einmal etwa 50 bis 60 Euro im Monat. Den Rest zahlt die Gemeinde. Bezuschusst werden allein die Kosten für das pädagogische Personal: „20 Prozent übernimmt das Land Schleswig-Holstein, drei bis sechs Prozent bezuschusst der Kreis“, erklärt Rathje-Hoffmann.

Wie die Betriebskosten der einzelnen Einrichtungen zustande kommen, darüber gebe es jedoch häufig keine Auskunft, so Rathje-Hoffmann. Auch Judith Wiederhold bemängelt das. Wiederhold ist Vorsitzende der Kita-Eltern-Sprecher im Kreis: „Eltern zahlen ungern einen Betrag, von dem sie nicht wissen, wie er zustande kommt und in welchem Verhältnis er zur Qualität der Einrichtung steht.“ Nicht alle Eltern, deren Kind in der Kita ist, zahlen indes den vollen Regelsatz. Eltern mit geringem Einkommen werden mittels der Sozialstaffel gefördert. Diese Förderungen greift ab der Berechnungsgrenze von 1850 Euro frei verfügbaren Einkommens. Liegt ein Haushalt unter dieser Grenze übernimmt die Gemeinde einen Teil des Elternbeitrag. Wer unter 1050 Euro zur freien Verfügung hat, für den entfällt der Elternbeitrag. Aber auch wer mehrere Kinder in Einrichtungen hat, muss nicht die vollen Beiträge zahlen: „Dann greift die Geschwisterregel“, sagt Wiederhold – eine Ermäßigung, die unabhängig vom Einkommen beantragt werden kann.

Nicht selten ist es der Fall, dass Kita-Plätze innerorts nicht das gleiche kosten, da unterschiedliche Betriebskosten anfallen. Das ist beispielsweise in Trittau, Großhansdorf, Reinbek und Glinde der Fall. In Ahrensburg wird diese Ungleichheit über eine Mischkostenfinanzierung ausgeglichen: „Alle Betriebskosten der Kitas werden in einen Topf geworfen“, sagt Cornelia Beckmann vom zuständigen Fachdienst der Stadt. Darauf wird ein Durchschnittspreis ermittelt, der fortan für alle Einrichtungen gilt. „Das ist fair und sorgt für soziale Gerechtigkeit“, sagt Beckmann auf Abendblatt-Anfrage.

Wie hoch die Preisunterschiede in Stormarn sind, zeigt sich vor allem im Vergleich von Glinde und Bargteheide. Während eine sechsstündige Betreuung in einer der beiden städtischen Krippen in Glinde im Monat durchschnittlich 280 Euro kostet, zahlen Eltern aus Bargteheide für einen Krippenplatz 355 Euro. Monatliche Differenz: 75 Euro. Aufs Jahr gerechnet entstehen Eltern in Bargteheide damit im Vergleich Mehrkosten von 900 Euro. Ein Grund ist der Elternbeitrag: bei 45 Prozent liegt er für Krippen in Bargteheide; in Glinde sind es 37,5 Prozent.

Proteste gibt es aber nicht nur in Barsbüttel, auch in Bargteheide wurde jüngst gestritten. Und zwar mit Erfolg: Eine Erhöhung des Elternbeitrags von zehn Prozent wurde abgewendet. „Durch ihr Engagement haben Eltern es geschafft, dass die Pläne nicht umgesetzt wurden“, erzählt Judith Wiederhold, die Eltern im Kreis bei ihren Forderungen berät und unterstützt.

Neidisch blicken sicher einige Eltern ins benachbarte Hamburg, wo eine Grundversorgung von fünf Stunden pro Tag in Kita oder Krippe seit dem 1. August 2014 beitragsfrei ist. „Dafür sind die Qualitätsstandards in Hamburg nicht so hoch“, sagt Wiederhold. Laut einer Bertelsmann-Studie von 2014 kommen in Hamburg auf eine Erzieherin in der Krippe im Schnitt 5,4 Mädchen und Jungen. Das ist der schlechteste Wert aller westdeutschen Länder. In Schleswig-Holstein kümmert sich eine Erzieherin im Schnitt um 3,9 Kinder. Im Elementarbereich liegen Hamburg und Schleswig-Holstein gleich auf: Auf eine Erzieherin kommen 9,3 Kinder. „Beitragsfreie Kita-Plätze sind in Schleswig-Holstein zurzeit nicht das Problem“, sagt Rathje-Hoffmann, „bei der Haushaltslage im Land darf man sich keine Illusionen machen.“ Zunächst gehe es ihr und ihrer Fraktion um mehr Transparenz, investieren müsse das Land besonders in die Qualität der Betreuung. Das heißt, den Betreuungsschlüssel zu verbessern. „Vor allem im Elementarbereich fehlt es häufig an pädagogischem Personal“, sagt auch Wiederhold, „neben einem Preisvergleich ist auch die Dokumentation der Qualitätsstandards wichtig.“