Stormarn
Integration

Der neue Zehn-Punkte-Plan für Flüchtlinge in Reinbek

In Reinbek wollen 40 Ehrenamtler, die sich in einer Initiative organisieren, den Flüchtlingen im Alltag helfen. Neue Mobilheime werden am Freizeitbad und auf Bolzplatz in Neuschönningstedt errichtet.

Reinbek. Alles soll perfekt organisiert sein, wenn im kommenden Jahr rund 100 Flüchtlinge in Reinbek ein neues Zuhause finden. Das ist der Anspruch von Bürgermeister Björn Warmer. Den Bau von zwölf Mobilheimen aus Holz für rund 70 Menschen hatte die Politik bereits in der vergangenen Woche abgesegnet. Jetzt besteht auch Klarheit, an welchen Standorten sie errichtet werden. Die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses entschieden sich für eine Erweiterungsfläche am Freizeitbad sowie den Bolzplatz Feldstraße im Ortsteil Neuschönningstedt. Dort werden dann auch ehrenamtliche Helfer im Einsatz sein, die sich in der Initiative „Wir sind Reinbek, unsere Stadt mit Flüchtlingen“ organisiert haben – eine Idee des Bürgermeisters.

In den vergangenen Wochen haben sich im Reinbeker Rathaus rund 40 Menschen gemeldet und Hilfsbereitschaft signalisiert. „Wir benötigen diese Unterstützung, denn die Verwaltung kann das nicht wuppen“, sagt Warmer. Die hauptamtliche Betreuung durch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) reicht laut Torsten Christ, Leiter des Amtes für Bürgerangelegenheiten, nicht aus. „Die Menschen sind größtenteils traumatisiert und benötigen psychologische Hilfe. Weil das Angebot in Reinbek begrenzt ist, müssen sie sich in Hamburg behandeln lassen. Dabei sollen sie begleitet werden.“

Warmer und Christ haben einen Fragebogen entwickelt, auf dem die freiwilligen Helfer skizzieren, in welchen Bereichen sie unterstützen möchten. Die Verwaltung hat ihren Hilfsplan in zehn Punkte, sogenannte Handlungsfelder, unterteilt: Vermittlung von Sprachpartnerschaften, Lotsendienste, Stadtrundführungen, Geldspendensammlung, Sportangebote, Theater- und Kinobesuche, Fahrradwerkstatt, Kochabende plus gemeinsam Einkaufen, Begleitung zu Arztbesuchen und Frauenfrühstück. Noch in diesem Monat wird auf zwei Treffen festgelegt, wer in welchen Bereichen Hilfe leistet. Die Awo soll laut Christ Schnittstelle für das Ehrenamt sein.

„Unser Wunsch ist es, dass möglichst viele Reinbeker direkte Patenschaften übernehmen“, sagt der Amtsleiter. In den vergangenen Monaten konnte er bereits fünf Paten für die derzeit 102 in Reinbek lebenden Flüchtlinge vermitteln – und hat gute Erfahrungen damit gemacht. Christ: „Durch die Ehrenamtler haben drei Personen eine Wohnung erhalten, ein junger hoch qualifizierter Afghane ist bei einem Firmenbesitzer untergekommen. Jetzt wartet er auf die Erlaubnis, dort ein Praktikum zu machen, um dann, wenn es die Gesetzeslage erlaubt, als Mitarbeiter einzusteigen.“

Beim Thema Flüchtlinge ist derzeit in Reinbek viel in Bewegung. Mit dem Bau der zwölf Mobilheime an zwei Standorten kann die Stadt den zu erwartenden Bedarf 2015 decken. Die zwölf Wohneinheiten kosten 1,08 Millionen Euro, hinzu kommt noch eine Summe für Erschließung und Außenanlagen. Sie wird gerade ermittelt. Problematisch werde es, sagt Christ, wenn der Kreis Reinbek mehr als 100 Menschen aus Krisenregionen zuweise: „Zuletzt wurde die Zahl dreimal nach oben korrigiert.“ Laut Volker Müller, SPD-Fraktionsvorsitzender, muss sich die Politik ohnehin damit befassen, richtige Wohnungen für Flüchtlinge zu bauen.

Ein Spendenkonto für Flüchtlingshilfe hat die Stadt Reinbek bei der Sparkasse Holstein eingerichtet: Nummer 20080280, Bankleitzahl 213 52240. Mit dem Geld sollen Deutschkurse finanziert werden.