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Trittauer Autohaus: Jobs in Gefahr

Kündigung von Mercedes droht. Geschäftsführer Andreas Beckmann streitet mit seinem Bruder um Firmenanteile

Trittau. Wegen eines Streits unter Brüdern könnte dem Trittauer Autohaus Beckmann die fristlose Kündigung des Vertrags mit Mercedes-Benz drohen. Das Unternehmen hat laut Andreas Beckmann ihm und seinem Bruder Michael eine Frist gesetzt zur außergerichtlichen Einigung. Diese laufe am heutigen Freitag um 9 Uhr aus. Dann seien die Brüder zum Gesprächstermin nach Berlin eingeladen.

Mercedes-Benz erklärte auf Anfrage des Abendblatts, „betriebsinterne Vorgänge“ seiner rechtlich eigenständigen Partner, wie die Klaus Beckmann GmbH eine sei, generell nicht zu kommentieren. Sollte es tatsächlich zu der Kündigung kommen, wären die Arbeitsplätze von 35 Beschäftigten gefährdet.

Hintergrund ist nach Angaben von Andreas Beckmann eine Auseinandersetzung, die seit mehreren Jahren schwelt. Nach Ansicht des Geschäftsführers des Autohauses hat sich sein Bruder widerrechtlich Mehrheitsanteile an dem Unternehmen gesichert.

Seit 1962 ist die Firma an der Bahnhofstraße Vertragspartner von Mercedes. Als Klaus Beckmann 1986 starb, übernahm sein ältester Sohn Andreas den Betrieb. „Er hat mich zum Alleinerben gemacht“, sagt der heute 52-Jährige. „Ich hatte bereits meine Meisterprüfung bestanden, während mein Bruder Michael noch zur Schule ging.“ Dennoch habe er ein „schlechtes Gewissen“ gehabt. Deshalb habe er seinem Bruder wie auch der Schwester eine Abfindung in Höhe von 70.000 Mark gezahlt und zudem Michael Beckmann das Versprechen gegeben, ihn als Gesellschafter an dem Unternehmen zu beteiligen.

2002 sei es so weit gewesen: Michael Beckmann habe ein Drittel der Anteile erhalten. Um diese Anteile dreht sich jetzt der Streit der Brüder, denn mittlerweile gehören Michael Beckmann mehr als 50 Prozent.

Wie es genau passieren konnte, dass Michael Beckmann sich diese Anteile sichern konnte, ist unklar. Andreas Beckmann sagt, er selbst habe erst im Mai davon erfahren und dann Rechtsmittel eingelegt. Zu einer Verhandlung solle es im Oktober kommen.

In diesem Streit vor Gericht liegt nun das eigentliche Problem für das Unternehmen und seine Mitarbeiter: Laut Vertrag mit Mercedes-Benz sei eine gerichtliche Auseinandersetzung unter den Gesellschaftern ein Grund für eine fristlose Kündigung, sagt Andreas Beckmann, der seine Mitarbeiter über den Fall informiert hat. „Wir müssten den Stern abbauen. Das bedeutet, dass wir früher oder später zugrunde gehen werden.“

15 Beschäftigte fanden sich am Donnerstag um 7.30 Uhr vor dem Haus von Michael Beckmann in Trittau ein, wollten mit ihm sprechen. Doch ohne Erfolg: Auch auf mehrfaches Klingeln hin öffnete niemand die Tür. „Dann gehen wir wohl bald alle stempeln“, sagte ein Mitarbeiter resigniert. Dennis Weber, der auch dabei war, sagte, er habe am Mittwoch mit Michael Beckmann telefoniert. „Wir wollten ihn treffen und hören, dass er unsere Arbeitsplätze sichern wird. Das konnte er mir aber nicht zusagen“, sagte Weber.

Michael Beckmann ließ gegenüber der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn durch seinen Anwalt bestätigen, dass er mit 55,73 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Klaus Beckmann GmbH sei. Grundlage hierfür bilde ein rechtskräftiger Beschluss des Landgerichts Hamburg vom 27. Mai. Zu den Gründen äußerte er sich nicht. Michael Beckmanns Anwalt erklärte, man bitte darum, von einer Veröffentlichung eines Artikels abzusehen, um eine weitere Verunsicherung der Mitarbeiter zu vermeiden.

Die Stimmung in der Firma ist seit der Verkündung der Frist durch Mercedes „beschissen“, sagt Mitarbeiter Dennis Weber. Ein Treffen zur Aussprache habe aber auch er nicht mit Michael Beckmann arrangieren können.

Es sieht momentan nicht so aus, als könnten sich die Brüder außergerichtlich einigen. Laut Andreas Beckmann fordert sein Bruder eine siebenstellige Summe als Abfindung. „So viel Geld habe ich nicht“, sagt Andreas Beckmann. „Ich habe ein Gegenangebot gemacht, das er abgelehnt hat. Unsere Vorstellungen liegen so weit auseinander, dass wir uns auch nicht in der Mitte treffen können.“