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Feueralarm im Ahrensburger Gängeviertel

Brandstifter zündet achtes Auto seit Jahresbeginn an. Knall reißt Anwohner aus dem Schlaf. Häuser evakuiert. Polizei hat keine Spur

Ahrensburg. Königstraße, 3 Uhr in der Nacht zu Mittwoch. Ein lauter Knall reißt die Anwohner im Ahrensburger Gängeviertel aus dem Schlaf. Einige laufen sofort auf die Straße, sehen sie die Ursache. Ein alter Volvo brennt lichterloh in einem Carport an der Königstraße. Offenbar hat schon wieder ein Brandstifter zugeschlagen und erneut den Tod von Menschen in Kauf genommen. Nur der schnelle Feuerwehreinsatz verhinderte, dass die Flammen auf die Einfamilienhäuser übergriffen.

Die Kripo in Ahrensburg hat keine Hinweise darauf, dass es sich nicht um Brandstiftung handelt. Somit dürfte der Volvo das achte Auto in Ahrensburg sein, das seit Anfang des Jahres angezündet worden ist. Im Vorjahr waren es fünf. Hinzu kommen zwei Brände in einem Wohn- und Geschäftshaus an der Großen Straße, in dem Altpapiercontainer im Treppenhaus angezündet worden waren.

Die Bewohner der Königstraße sind nach dem Brandanschlag sichtlich schockiert. „Man steht wie neben sich“, sagt eine Frau. Ein Knall hatte sie in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. „Mein Mann ist aber nicht wach geworden, so etwas kann schnell gefährlich werden“, sagt die 57-Jährige. Sie weckte ihren Mann und lief im Bademantel aus dem Haus. „Da sah ich schon den Feuerschein“, sagt die Ahrensburgerin. Ihr alter Volvo und das Carport an ihrem Haus standen lichterloh in Flammen.

Ihre Nachbarin, 66, hatte den Knall ebenfalls gehört und die Feuerwehr alarmiert. 56 Helfer rückten aus, waren innerhalb weniger Minuten am Einsatzort. „Wir hatten das Feuer schnell unter Kontrolle und konnten verhindern, dass die Flammen auf den Dachstuhl übergriffen“, sagt Ahrensburgs Wehrführer Florian Ehrich. Trotzdem dauerte es eine Stunde, bis der Brand gelöscht war.

Am nächsten Morgen ist das ganze Ausmaß der Schadens sichtbar. Die Flammen haben auch das Dach des Hauses beschädigt. Die Ermittler schätzen den Schaden auf 50.000 Euro.

Es fällt auf, dass die Autos immer mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden angezündet wurden. Zunächst standen die Fahrzeuge noch am Straßenrand, jetzt auch dicht an Häusern. Hinzu kommen zahlreiche Containerbrände, die die Menschen in der Ahrensburger Innenstadt seit Wochen unruhig schlafen lassen.

Seit Anfang des Jahres hatten Unbekannte immer wieder Altpapiercontainer auf der Straße angezündet. Vor wenigen Wochen brannten aber auch Papiertonnen in Treppenhäusern.

Für die Bewohner kann dies schnell zu einer tödlichen Falle werden. Wenn das Treppenhaus völlig verqualmt ist, können sich die Menschen nicht mehr aus ihren Wohnungen retten. Vor Kurzem musste die Feuerwehr zwei Rentner mit einer Drehleiter aus einem Haus am Rondeel befreien. Unbekannte hatten mit Böllern eine Papiertonne im Keller angezündet.

Die Polizei hat immer noch keine heiße Spur zu den Tätern. Für die Ermittler ist es besonders schwierig, Brandstifter zu fassen. „Es werden kaum Spuren hinterlassen. Und das Feuer zerstört Hinweise, die zum Täter führen könnten“, sagt Ralf Lorenzen, Chef der Ahrensburger Kripo. Zudem dauere es oft nur Sekunden, um ein Auto anzuzünden und dann wegzulaufen.

Auch im jüngsten Fall hoffen die Polizisten auf Hinweise aus der Bevölkerung. Sie fragen, wer etwas Verdächtiges beobachtet hat. Zeugen können sich unter Telefon 04102/809-0 melden. Derzeit sollen zwei Beamte in Ahrensburg ausschließlich mit den Bränden beschäftigt sein. Ob diese Zahl jetzt erhöht wird oder die Polizei weitere Maßnahmen wie eine Sonderkommission ergreift, wollte ein Beamter auf Nachfrage nicht verraten.

„Das ist alles sehr besorgniserregend“, sagt Tobias Koch, Vorsitzender der CDU-Fraktion in Ahrensburg. „Es darf jetzt nicht soweit kommen, dass ein Haus abbrennt oder noch Schlimmeres passiert“, so Koch. Er ruft die Polizei dazu auf, entsprechend zu reagieren. „Wie sie das machen soll, darüber möchte ich mir kein Urteil anmaßen“, so der CDU-Politiker.

Bürgervorsteher Roland Wilde (CDU) sagt über die Brandserie: „Mir macht die Sache sehr großen Kummer.“ Er habe aber vollstes Vertrauen in die Polizei in Ahrensburg: „Das kriegen die schon in den Griff.“