Stormarn
Ahrensburg

Scheitert Ahrensburgs Lindenhof-Projekt?

Vertrag noch nicht ratifiziert. Investoren wollen sich nicht auf Energiestandard festlegen

Ahrensburg. Das Ende November von der Ahrensburger Stadtverordnetenversammlung mit äußerst knapper Mehrheit gebilligte Vertragswerk für das Lindenhof-Gründstück im Zentrum der Schlossstadt ist nach Angaben der Stadt und der Investoren noch nicht unterzeichnet worden. Unter Umständen droht das Vorhaben sogar zu scheitern , weil die Investoren, eine Projektgesellschaft der Hochtief Hamburg GmbH und der Firma Baustudio Projektentwicklungsgesellschaft, eine Änderung im Auslobungstext vorgenommen sehen wollen.

Außerdem müssen nach den Worten von Baustudio-Geschäftsführer Norbert Schwencke „kleine redaktionelle Anpassungen im städtebaulichen Vertrag“ erfolgen. Was genau im städtebaulichen Vertrag geändert werden soll, wollte Schwencke nicht sagen. „Das sind Details, die Bezüge zwischen den Passagen der Vertragstexte betreffen.“ Sie werden spätestens publik am 5. Februar auf der nächsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses.

Kritisch kann die Forderung der Investoren werden, im Auslobungstext nicht mehr festzuschreiben, dass der Bau dem Energiestandard KfW-40 entsprechen muss. Dieser soll nur noch „nach Möglichkeit“ umgesetzt werden. Schwencke: „Der Standard ist für Einfamilienhäuser okay, beim Geschosswohnungsbau ist er übertrieben.“

WAB fürchtet Aufweichung der Kriterien wie beim Bau des CCA

Mit Ausnahme der CDU lehnen alle Parteien diesen Änderungswunsch, von dem die Verwaltung den Bauausschuss bei dessen Sitzung im Januar nur kurz in Kenntnis gesetzt hatte, jedoch ab. So sagt der Ausschussvorsitzende Hartmut Möller (SPD), seine Partei werde diese Änderung „nicht genehmigen". Und Jörg Hansen, baupolitischer Sprecher der Grünen, hält die beabsichtigte Änderung für „problematisch“. Hansen: „Ich bin immer für Verbindlichkeit, um spätere Auslegungen und Streitigkeiten zu vermeiden.“

„Wenn dies nun zu einer Kann-Bestimmung wird, ist zu befürchten, dass alle Entwürfe sich aus Wettbewerbsgründen an niedrigeren Standards orientieren und wir uns immer weiter von dem ursprünglichen Ziel einer qualitativ sehr hochwertigen Bebauung weg bewegen“, sagt Peter Egan von der Wählergemeinschaft WAB. Die Stadt bekomme dann zwar den Kaufpreis, schieße aber ähnlich wie beim Einkaufszentrum CCA wieder einmal ein „städtebauliches Eigentor“.

Nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Thomas Bellizzi zeigen die Investoren damit „keine Handschlagqualität“. Bellizzi: „Kaum ist der Kaufvertrag von der Politik gebilligt worden, wollen sie Änderungen.“ Das sei keine Grundlage, auf der miteinander umgegangen werden könne. Baustudio-Geschäftsführer Schwencke entgegnet, die Investoren hätten schon vor der Abstimmung darauf hingewiesen, dass sie die Vorgabe über die Energieeffizienz des Gebäudes ändern wollten.

Die CDU war stets gegen die Festlegung auf den KfW-40-Standard. Carola Behr, die für die Christdemokraten im Bauausschuss sitzt, sagt: „Wir werden uns anhören, welche Gründe angeführt werden und dann entscheiden." Aus heutiger Sicht spreche nichts dafür, dass die CDU ihr Abstimmungsverhalten ändere.

Baustudio-Geschäftsführer Norbert Schwencke schließt nicht aus, dass der Vertrag nicht von den Investoren unterzeichnet werde, wenn die Politik auf dem KfW-40-Standard bestehen sollte. Schwencke: „Das müssen wir dann besprechen.“ Gegenwärtig könne er nicht sagen, ob dies ein K.-o.-Kriterium wäre. SPD-Fraktionschef Möller hätte „kein Problem“ damit, wenn es nicht zum Vertragsabschluss käme. Möller: „Die Rahmenbedingungen sind eh nicht zum Vorteil der Stadt.“ Für die SPD sei es immer dringlicher gewesen zu klären, wie der Straßenverkehr um den künftigen S-Bahnhof gestaltet werden kann. Erst dann sei zu entscheiden, wie das Lindenhof-Grundstück bebaut werden solle. Auch FDP-Fraktionschef Bellizzi hätte „kein Problem damit“, wenn das Projekt an dem Punkt scheitern sollte. Er rechne aber nicht damit, da der KfW-40-Standard im Wohnungsbau üblich sei. Hansen hielte „ein Scheitern für schade“. Aber nachdem bereits von der Politik darauf verzichtet worden war, dass für die entfallenden 60 Parkplätze, die gegenwärtig auf dem Areal seien, Ersatz an Ort und Stelle geschaffen werde, könne nun nicht weiter nachgegeben werden.

Auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses hatte die Verwaltung auch den Hinweis der Investoren weitergegeben, die Preisjury des Architektenwettbewerbs sei außergewöhnlich groß, ihre Termine seien daher schwer zu organisieren. Die Politik hatte sich darauf verständigt, dass von jeder der fünf Fraktionen ein Mitglied in dem Gremium sitzt. „Entsprechend entsenden auch die Investoren fünf Delegierte in die Jury“, erklärt der Ausschussvorsitzende Möller. Zu diesen zehn Preisrichtern müsse nach geltenden Regeln mindestens die gleiche Zahl an unabhängigen Architekturexperten zur Jury stoßen, die somit wenigstens 20 Mitglieder haben werde.

Investoren halten die Jury für sehr groß, aber noch handhabbar

Würden dagegen lediglich die beiden größten Fraktionen CDU und SPD Jurymitglieder entsenden, könnte das Preisgericht nur aus acht Mitgliedern bestehen, nämlich weiteren zwei aus Reihen der Investoren sowie vier Experten. „Das würden aber wohl die kleinen Parteien mit Recht nicht mitmachen“, sagt Ausschussvorsitzender Möller. „Was uns betrifft, hat Herr Möller recht“, sagt dazu FDP-Fraktionschef Bellizzi. Peter Egan von der WAB ergänzt: „Die Zusammensetzung der Jury soll sicherstellen, dass ein konsensfähiger Entwurf herauskommt.“ Daher halte die WAB eine Verkleinerung des Gremiums für nicht sinnvoll.

Für den Grünen-Politiker Hansen wäre es allerdings „in Ordnung“, wenn nur zwei Fraktionen Vertreter in die Jury entsenden. Baustudio-Geschäftsführer Schwencke meint: „Trotz der Größe ist es machbar, solch eine Jury zu organisieren.“ Nach Schwenckes Auskunft sind für den Realisierungswettbewerb bereits sechs Architektenbüros von der Stadt und den Investoren eingeladen worden. Diese könnten Entwürfe einreichen, müssten es aber nicht.

Auf dem Lindenhof-Gelände sollen sechsgeschossige Bauten errichtet werden. In den unteren Etagen sollen Läden, Praxen und Büros, in den oberen Stockwerken Wohnungen entstehen.