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Kiesabbau in Grande ist vom Tisch

Glinder Firma hat Antrag zurückgezogen. Bürger atmen auf. Mehr als 1000 von ihnen hatten Einwendungen

Grande. In Grande wird kein Quarzsand abgebaut werden. Das Unternehmen Koops aus Glinde hat einen entsprechenden Antrag auf Errichtung und Betrieb eines Quarzsandtagebaus jetzt zurückgezogen. Wie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das bislang mit der Prüfung des Antrags betraut war, in einer Pressemitteilung erklärt, habe die Firma mitgeteilt, eine Fortführung des Planfeststellungsverfahrens sei aus ihrer Sicht „wirtschaftlich nicht mehr vertretbar“.

Der ursprüngliche Plan des Unternehmens, über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren auf einer Fläche von rund 81 Hektar zwischen den Gemeinden Grande, Witzhave und Kuddewörde Quarzsand abzubauen, ist damit gescheitert. „Wir haben die Nachricht mit großer Freude vernommen“, sagt Wolfgang Gerlach (CDU), Bürgermeister von Kuddewörde, aus dessen Gemeinde ein großer Teil der rund 1100 Einwendungen gekommen war, die Bürger im Laufe des Planfeststellungsverfahrens erhoben hatten.

Eine Erörterung im November hatte die Firma überraschend abgebrochen

Die Einwendungen waren bei einem vom LBEG einberufenen Termin Mitte November erörtert worden. Den für drei Tage anberaumten Termin hatte das Unternehmen Koops jedoch überraschend nach der Hälfte abgebrochen, das Verfahren wurde mit Frist bis zum 21. Februar ausgesetzt. Zuvor waren immer wieder Beschwerden über angebliche Verfahrensmängel laut geworden.

„Ich denke, dass die Vertreter von Koops bei der Versammlung gemerkt haben, dass die Masse der Bevölkerung gegen den Kiesabbau ist“, sagt Wolfgang Gerlach. In der Hoffnung darauf, Antworten auf ihre Fragen unter anderem zu Lärm- und Staubbelästigung, Naturschutz und Eigentumswahrung zu erhalten, hatten mehrere Hundert Betroffene die Versammlung besucht und sich zu Wort gemeldet.

Auch Marion Wenzel, die mit ihrer Familie im Grander Ortsteil Granderheide lebt, hatte die Erörterung in der Sporthalle der Trittauer Hahnheide-Schule verfolgt. „Nachdem ich jetzt gehört habe, dass der Antrag zurückgezogen worden ist, hat sich erst einmal große Erleichterung breitgemacht“, sagt Wenzel, deren Grundstück direkt an die von der Firma Koops für den Kiesabbau vorgesehene Fläche grenzt.

Ein von Marion Wenzel und ihrem Mann Ole beauftragter Gutachter hatte in seiner hydrogeologischen Stellungnahme unter anderem von „zu erwartenden Absenkungen des Grundwasserspiegels um bis zu zwei Meter“ im Grundstücksbereich gesprochen, die „bedenklich“ seien. Ähnliche Sorgen hatten viele Anwohner geäußert.

„Das Thema hat uns lange Zeit sehr bewegt“, sagt Wenzel, die den Erörterungstermin im November als „Placebo-Veranstaltung“ empfand: „Da kam nur heiße Luft.“ Zunächst habe sie kaum glauben können, dass der Antrag nun zurückgezogen wurde. „Jetzt kann man nur hoffen, dass das Thema damit vom Tisch ist“, sagt Wenzel, die hofft, dass in der Politik inzwischen angekommen sei, dass das geltende Bergrecht „zumindest einmal überdacht“ werden müsse.

Politiker von SPD und Grünen sprechen sich für eine Reform des Bergrechts aus

Die Kompetenz dafür liege beim Bund, erklärt Tobias von Pein, SPD-Landtagsabgeordneter aus Lütjensee. „Wir brauchen ein Umdenken. Das Bergrecht muss geändert und eine solche Zerstörung der Natur zugunsten von Wirtschaftsinteressen unterbunden werden.“

Er begrüße die Einsicht des Unternehmers Koops, nun „die Finger vom Kiesabbau zu lassen“. Der Dank dafür gelte allen Bürgern vor Ort und der Initiative gegen den Kiesabbau. „Der Kampf hat sich gelohnt“, sagt von Pein. Die Reform des Bergrechts bleibe jedoch weiterhin ein Thema.

Ein reformiertes Bergrecht müsse Rücksicht auf das Gemeinwohl und die Umwelt nehmen und die betroffenen Gemeinden auf Augenhöhe einbeziehen, sagt der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Grüne). Auch er meint, dieses Problem müsse endgültig in Berlin gelöst werden. Dass das Vorhaben Quarzsandtagebau in Grande nun vom Tisch sei, sei dem großen Engagement der Bürger zu verdanken.

Dass der jahrelange, vehemente Protest nun Erfolg gezeigt hat, sorgt in den drei betroffenen Gemeinde für große Freude. „Wir sind alle ganz begeistert“, sagt Witzhaves Bürgermeister, Jens Feldhusen (Wählergemeinschaft Witzhave). „Die gute Nachricht hat uns aber erst einmal doch erstaunt.“

Zwar hätten die Chancen sehr gut gestanden, dass das Projekt abgebrochen werde, er als Realist sei sich dennoch der Möglichkeit bewusst gewesen, dass das Verfahren wieder aufgenommen werden könne, sagt Jens Feldhusen. „Immerhin hatte das Unternehmen ja bis dato schon eine Menge investiert.“

Feldhusens Bürgermeisterkollege aus Kuddewörde weist darauf hin, dass der Abbruch des Kiesabbau-Projekts nicht nur für die Anwohner von enormem Vorteil sei: „Es geht nicht um den Bürger allein. Durch den Tagebau hätte das Naturschutzgebiet Billetal eventuell Schaden genommen“, sagt Wolfgang Gerlach. „Das wäre nie wieder zu reparieren gewesen.“