Ahrensburg

Kripo wünscht sich Verstärkung

50 Einbrüche in nur sechs Wochen. Ahrensburger Polizei erhöht den Fahndungsdruck. Interview mit Chef Ralf Lorenzen

Ahrensburg. „Einbrecher-Hochburg Ahrensburg“ titelte die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn am Wochenende. Denn aktuelle Zahlen belegen: Häuser und Wohnungen in der Schlossstadt stehen bei Einbrechern seit Wochen hoch im Kurs. Im Interview mit dieser Zeitung bezieht Ralf Lorenzen Stellung. Der 50 Jahre alte Kriminalhauptkommissar leitet die Kripo Ahrensburg seit April dieses Jahres. Der verheiratete Vater zweier Kinder, der mit seiner Familie in Bad Oldesloe wohnt, ist Chef von 19 Ermittlungsbeamten in Ahrensburg.

Hamburger Abendblatt:

50 Einbrüche in nur sechs Wochen allein in Ahrensburg – diese Zahl hat viele Leserinnen und Leser des Abendblattes aufgeschreckt. Was unternimmt die Polizei, um diese Verbrechen einzudämmen?

Ralf Lorenzen:

Sie können sicher sein, wir arbeiten in dieser Sache auf Hochtouren, sowohl im präventiven als auch im repressiven Bereich. Aus polizeitaktischer Sicht erzählen wir natürlich keine Details, schließlich wollen wir uns gegenüber den Tätern einen Vorsprung erhalten. Aber die Bürger nehmen sicher wahr, dass zurzeit mehr Streifenwagen auf Ahrensburgs Straßen unterwegs sind.

Der Zuständigkeitsbereich Ihrer Dienststelle ist groß, reicht über Ahrensburg hinaus nach Ammersbek, Bargteheide, Bargfeld-Stegen, Elmenhorst, Großhansdorf und Trittau. 169 Einbrüche haben sie seit Anfang November insgesamt verzeichnet. Ihre Beamten können doch nicht überall gleichzeitig sein.

Lorenzen:

Wir versuchen, gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit, viel Präsenz zu zeigen. Parallel dazu informieren und sensibilisieren wir die Menschen in einigen Orten in persönlichen Gesprächen über die Lage, wie kürzlich in Barsbüttel geschehen. Aber vieles läuft hinter den Kulissen, ist für den Bürger nicht sichtbar.

Welche Erkenntnisse haben Sie über die Täter? Handelt es sich bei den Einbrechern vorwiegend um Einzeltäter oder auch um Banden? Und kennen Sie deren Herkunft?

Lorenzen:

Es handelt sich dabei um eine sehr unterschiedliche Klientel. Kürzlich zum Beispiel ist ein Opfer in Ahrensburg mit einem Einzeltäter aneinandergeraten. Aber es sind auch Gruppen unterwegs, die aus unterschiedlichen Bereichen stammen.

Gehen auch organisierte Banden in Stormarn auf Beutezug?

Lorenzen:

Wir können nicht sagen, dass eine Gruppierung schwerpunktmäßig für einen Großteil der Straftaten verantwortlich ist. Aber ich kann das auch nicht ausschließen.

Gibt es nach wie vor das Phänomen der Beschaffungskriminalität, also Rauschgiftsüchtige, die mit der U- Bahn oder der Regionalbahn über die Hamburger Stadtgrenze nach Stormarn kommen, um hier einzubrechen?

Lorenzen:

Davon gehen wir auch aus.

Wie viele Einbrecher hat die Kriminalpolizei seit Jahresbeginn gefasst und vor Gericht gebracht?

Lorenzen:

Wir haben 66 Tatverdächtige ermittelt.

Hin und wieder äußern Einbruchsopfer Kritik an der Arbeit der Polizei in Sachen Spurensicherung. Fußspuren im Garten oder Fingerabdrücke zum Beispiel würden oft gar nicht gesichert.

Lorenzen:

Das stimmt so nicht. Die Polizei sucht an allen Tatorten nach Spuren. Bei 25 bis 35 Prozent aller Einbruchs-Tatorte konnte die Polizei Spuren sichern. Das ist eine relativ hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass sich die Täter heute auch über die Medien oder im Internet über die Arbeit der Polizei informieren. Man muss aber auch wissen, dass nicht jede gesicherte Spur den Anforderungen des Gerichts standhält. Schuhabdrücke zum Beispiel tun das in der Regel nicht. Allein genommen sind sie nur ein Indiz. Und nur in Verbindung mit Hinweisen auf die Person können wir so eine Tat gerichtsverwertbar machen.

Aber die Spurensicherung arbeitet schon noch mit Rußpulver und Pinsel, wie es die meisten von uns es aus Fernsehkrimis kennen?

Lorenzen:

Rußpulver ist nur eine Form. Aber wir sichern auch Spuren im Original. Wir nehmen zum Beispiel Gegenstände mit, die im Labor untersucht werden, um eine bessere Qualität der Ergebnisse zu erzielen.

Hinterlassen Einbrecher im Jahr 2013 überhaupt noch Fingerabdrücke? Gibt es noch Ganoven, die ohne Handschuhe unterwegs sind?

Lorenzen:

Allerdings.

Wie gehen Einbrecher bei ihren Taten vor, wann und wie verschaffen sie sich Zutritt zu Gebäuden?

Lorenzen:

Da gibt es sehr unterschiedliche Vorgehensweisen. Manche der Täter lernen aus ihren Erfolgen und gehen dann häufiger wieder so vor. Wird zum Beispiel ein Tatort zuvor observiert, dringt der Täter dann durch eine Tür oder ein Fenster ein, wird er das vermutlich noch einmal so machen. Manche Einbrecher fotografieren vorher die späteren Tatorte. Viele kommen aber auch spontan auf ein Objekt zu. Etwa morgens oder im Schutz der Dunkelheit. Es gibt keine Lieblingszeit für Einbrecher.

Von Bürgern wird immer wieder Kritik laut, die Polizei zeige erheblich zu wenig Präsenz. Ist dieser Vorwurf berechtigt? Verfügt die Ahrensburger Polizei überhaupt über genügend Beamte?

Lorenzen:

Präsenz allein verhindert keine Straftaten, sondern führt in der Regel nur zu einer Verdrängung an andere Orte. Aber klar ist doch auch: Je weniger Personal wir zur Verfügung haben, desto schwieriger sind Schwerpunktsetzungen.

Das beantwortet die Frage nicht wirklich. Noch einmal: Bedeuteten mehr Beamte auf der Straße nicht am Ende mehr Sicherheit? Die Aufklärungsquote liegt derzeit in diesem Bereich bei nicht einmal 20 Prozent.

Lorenzen:

Schwer zu sagen. Aber für den Ermittlungsbereich wünschen wir uns deutlich mehr Personal, um die Täter dingfest machen zu können.

Mit anderen Worten formulieren sie also die Forderung nach mehr Beamten an die Adresse des Kieler Ministeriums.

Lorenzen:

Ja. Auf jeden Fall.

Was raten Sie Menschen, die Opfer eines Einbrechers geworden sind?

Lorenzen:

Wenn sie den Einbruch von außen bemerken, raten wir vom Betreten der Wohnung oder des Hauses ab. Einbrecher versuchen, die Begegnung mit Mietern oder Hauseigentümern zu vermeiden. Haben die Täter aber keine Möglichkeit zur Flucht, kommt es automatisch zur Konfrontation – und das kann sehr gefährlich werden. Unser Rat: sofort die Polizei alarmieren.

Was tun, wenn ein Einbrecher plötzlich nachts im Schlafzimmer steht oder man Geräusche im Haus hört?

Lorenzen:

Zum Glück ist das die Ausnahme. Wenn das aber passiert, sollte man sich möglichst ruhig verhalten. Mittlerweile haben viele Menschen ein Telefon am Bett. Dann schnell die 110 wählen und sagen: ‚Bei mir ist ein Einbrecher im Haus‘. Und nicht vergessen, die Adresse zu nennen.

Lorenzen:

Wir begrüßen das Engagement, stehen in Kontakt. Aber wir wünschen uns, dass sich die Mitglieder des Vereins so verhalten, wie wir es auch von den Bürgern erwarten. Also: beobachten und das Wahrgenommene der Polizei melden.

Worauf sollen die Bürger achten?

Lorenzen:

Bei auffälligen Autos beispielsweise Kennzeichen und Wagentyp notieren. Manche Täter klingeln an der Tür, um herauszufinden, ob jemand im Haus ist. Wenn jemand öffnet, kommen fadenscheinige Fragen wie: „Wie geht es zum Bahnhof?“ Wenn der Mensch dann trotz des Rates, an der Ecke links abzubiegen, nach rechts geht, dann stimmt etwas offensichtlich nicht. Dann bitte schnell die Polizei rufen. Die Hemmschwelle, uns anzurufen, sollte möglichst gering sein. Wir kommen lieber zehnmal zu viel als einmal zu wenig.