Bad Oldesloe

Mords-Kulissen in Bad Oldesloe

Klaus Spieldenner schreibt Regional-Krimis. Jetzt ist er in Stormarns Kreisstadt gezogen. Das Abendblatt hat mit ihm einen Spaziergang gemacht

Bad Oldesloe. Im neuen Haus in Bad Oldesloe stehen noch die Umzugskartons – Krimiautor Klaus Spieldenner ist mit seiner Ehefrau Ingrid erst kürzlich nach Bad Oldesloe gezogen. Zuvor wohnte das Paar jahrelang im emsländischen Bad Zwischenahn, die Region und die Stadt Oldenburg spielten eine wichtige Rolle in Klaus Spieldenners Büchern. Nun könnte auch Bad Oldesloe Krimi-Schauplatz werden, oder zumindest ein Gastspiel bekommen in einem der künftigen Romane Klaus Spieldenners. Doch eignet sich Stormarns Kreisstadt überhaupt als Kulisse für Intrigen, dunkle Machenschaften und Leichenfunde? Das Abendblatt hat sich gemeinsam mit dem Autor auf die Suche nach Schauplätzen gemacht.

An der Trave könnte eine Flaschenpost mit einem Hilferuf angespült werden

„Das historische Ambiente ist schon einmal ideal. Ich würde für einen Krimi die Geschichte einiger Häuser und Straßenzüge recherchieren, darum könnten sich fiktive Familiengeschichten ranken“, sagt der Autor, als er mit dem Reporter über die Besttorstraße in die Altstadt geht. Spieldenner weiter: „Mich interessiert auch, wie es vor einigen Jahrzehnten hier aussah, wie etwa die Stimmung in den 50er-Jahren hier war. Dazu würde ich Passanten befragen.“

Auch die Trave, die das Stadtbild seit Jahrhunderten prägt, regt die Fantasie des Autors an. Besonders gefällt ihm das Heilig-Geist-Quartier im Osten der Altstadt. Jene Stelle, an der Spaziergänger direkt am Wasser Rast machen können, an der die Trave und die Beste zusammenfließen. „Hier könnte in einem Roman alles Mögliche angespült werden. Es muss ja nicht immer gleich eine Leiche sein. Denkbar wäre auch eine Flaschenpost von einer eingesperrten Person, die Hilfe braucht“, sagt Klaus Spieldenner. Woher die geheimnisvolle Post kommt, das müssten dann findige Polizeibeamte herausfinden.

Das Heilig-Geist-Quartier war im Mittelalter ein Hafen – auch das ließe sich in einen Krimi einbauen. Doch Klaus Spieldenner denkt beim Betrachten der historischen Häuser an der Wasserlinie, eher an aktuelle Entwicklungen: „Mich beschäftigt das Thema der Mietpreise, der Immobilienspekulation. Was wohl passieren würde, wenn ein Großinvestor versuchen würde, hier Wohnungen mit Blick auf die Trave zu bauen, und dabei zu nicht ganz sauberen Mitteln greift? Da hätten wir schon einen Krimistoff“, sagt der Autor.

Weiter geht es durch die Innenstadt, die Hindenburgstraße entlang. Viele Menschen sind unterwegs, erledigen vorweihnachtliche Einkäufe. „Ich kann mir richtig vorstellen, wie es hier in diesen Gassen voll und eng wird, wenn etwas gefeiert wird“, sagt der Neu-Oldesloer.

Anlässe wie etwa das Oldesloer Stadtfest würden sich bestens für Krimi-Handlungen eignen. „Solche Feste bieten sich immer an. Da spielt zum Beispiel eine Band und dann, bumm, fällt einer der Musiker um. Und keiner weiß, was los ist“, sagt Klaus Spieldenner und lacht. Warum der Musiker umgefallen ist? „Na ja, es könnte natürlich um einen Mord gehen. Oder auch um ein heimtückisches Virus, mit dem sich nach und nach die ganze Stadt infiziert.“ Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Auch mit dem Marktplatz weiß Klaus Spieldenner eine Menge anzufangen, handelt es sich bei Orten wie diesen doch um „neuralgische Punkte“, an denen verschiedenste Menschen und Interessen zusammentreffen., wie der Autor sagt. Politik trifft auf Wirtschaft, Arm auf Reich. Sein Blick fällt auf das seit Jahren leer stehende „Café am Markt" – und schon sieht er eine gute Krimi-Kulisse: „Die Empore im Innenraum ist ideal. Da könnte eine Menge passieren...“ schwärmt er. Bleibt nur abzuwarten, wie lange das Ambiente noch so bleibt.

Fast noch besser gefällt dem Autor die Hochzeitskette vor dem Rathaus. Jener Ort, an dem Hochzeitspaare direkt nach der Eheschließung ein kleines Vorhängeschloss anbringen dürfen, in das die Namen der Liebenden eingraviert sind. „Das ließe sich prima verwenden!“ sagt Klaus Spieldenner. Zum Beispiel könnte ein Ehemann gleich nach der Hochzeit verschwinden, und die Gravur gibt dann Anhaltspunkte, was passiert ist.“

Die Web-Kamera im Kreishaus – filmt sie einen Mord am Bahnhof?

Das Unheil lauert hinter jeder Ecke – man muss es nur sehen wollen. Und zwar nicht nur in der Altstadt. Auch ganz andere Orte interessieren ihn, wie Klaus Spieldenner bei einer Kaffeepause verrät. „Ich habe gesehen, dass es oben im Kreishaus eine Webkamera gibt, die das Bahnhofsgelände zeigt. Das ließe sich sehr gut in einem Krimi verwenden – zum Beispiel könnte jemand nachts vor dem Computer einen Mord beobachten.“

Auch die Autobahn 1 bietet viel von dem, was das Herz des Krimi-Autors begehrt. Rastplätze zum Beispiel und andere, dunkle Orte. So wie viele, viele Menschen, die zufällig durch die Region kommen. Fernfahrer etwa, die Dinge transportieren, die im Hamburger Hafen aufgeladen werden. In einem Kriminalroman könnte natürlich die eine oder andere illegale Substanz dabei sein. Für den Krimi-Autor trifft es sich da gut, dass auch die Autobahn-Polizei in Bad Oldesloe ansässig ist.

Die Stadt, das betont Klaus Spieldenner, ist für ihn eine „Ruhe-Zone“, in der ihm auffällt, dass die Menschen besonders freundlich sind. So könne es auch sein, dass sich Spieldenners Romanheldin, die Kommissarin Sandra Holz, in der neuen Heimat ihres Schöpfers wohlfühlt.

Dazu müsste die Polizistin allerdings umziehen, von Oldenburg nach Stormarn. „Könnte ja passieren. Zum Beispiel der Liebe wegen, die sie an der Ostsee trifft“, sagt der Autor. Immerhin sei die junge Frau ja ungebunden.

Am Dienstag, 10. Dezember, ist Klaus Spieldenner zu Gast beim Krimi-Stammtisch in der Gaststätte Old Esloe (Hamburger Straße 37). Der Stammtisch beginnt um 20 Uhr, Gäste werden gebeten, sich unter Telefon 04531/4349839 anzumelden. Die Veranstalter stellen neue Bücher vor, Klaus Spieldenner wird aus seinem Leben als Krimi-Autor erzählen.