Bad Oldesloe

Warten auf’s Café am Markt

Im Sommer sollte Vertrag für Oldesloer Gebäude unterzeichnet werden. Doch es gibt immer wieder Verzögerungen

Bad Oldesloe. Sie ist eine der repräsentativsten Immobilien der Stadt, sie steht mitten im Zentrum. Am Marktplatz. Und sie steht leer – seit Jahren. Die Rede ist von dem städtischen Gebäude, das zuletzt das „Café am Markt“ in Bad Oldesloe beherbergte. Für die meisten Bürger ist der traurige Anblick Normalität geworden. „Ich glaube schon lange nicht mehr daran, dass da noch mal etwas passiert“, sagt eine Passantin. Mike Meintz hingegen, er ist 44 und lebt in der Stadt, ärgert sich: „Das ist eine Katastrophe, dass das Gebäude schon so lange leer steht.“ Ähnlich sieht es der 21 Jahre alte Oldesloer Tim John: „So ist der Markt einfach tot.“ Immer wieder, so Meintz, gebe es Nachrichten über eine geplante Nutzung. Doch nie passiere etwas.

SPD und Grüne kritisieren die Stadtverwaltung von Bad Oldesloe

Dabei hieß es noch im Sommer, dass nun – nach mehreren gescheiterten Anläufen – endlich ein Betreiber gefunden sei. Die Stadt hatte Gespräche mit vier Bewerbern geführt, die Wahl fiel auf einen „Event-Gastronomen“ aus Hamburg. „Ein Mietvertrag ist unterschriftsreif. In der kommenden Woche wird er unterzeichnet“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Horst Möller (CDU) am 18. September. Jene Unterzeichnung allerdings ließ auf sich warten, Informationen gab es dazu kaum. SPD und Grüne kritisieren deshalb die Stadtverwaltung.

„Uns ärgert, dass gesagt wird, ein Vertrag sei unterschriftsreif. Das war ja offenbar nicht so“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann. Ähnlich äußert sich der Grünen-Ortsvorsitzende Hartmut Jokisch: „Uns geht das genauso. Es ist schon ein bisschen merkwürdig, dass erst von einer Vertragsunterzeichnung gesprochen wird und dann passiert nichts. Das war ja schon ein paarmal so.“

Bürgermeister Tassilo von Bary äußert sich nur sehr knapp zu diesem Thema. „Es fehlt eine Bescheinigung“, sagt er auf die Frage, weshalb noch nichts unterzeichnet sei. Außerdem rechne er damit, dass es schon am heutigen Donnerstag in der Sache etwas Neues gebe. Ansonsten hüllt sich der Bürgermeister in Schweigen.

Etwas Licht ins Dunkel bringt Horst Möller, der als stellvertretender Bürgermeister am Auswahlverfahren beteiligt war. „Der Hamburger Gastronom will zum Betrieb des Restaurants eine Kooperation mit einer Brauerei eingehen. Außerdem hat er sich einen Partner dazugeholt“, so Möller. Diese Konstruktion sei der Grund für die Verzögerung, zumal jener Geschäftspartner des Hamburger Gastronomen offenbar nicht mehr derselbe ist wie vor einigen Monaten. „Es ist wahrscheinlich, dass der Partner gewechselt hat“, sagt dazu Horst Möller.

Die Brauerei habe die wirtschaftlichen Verhältnisse dieses neuen Partners prüfen müssen. „Nach meinen Informationen gibt es da aber mittlerweile grünes Licht“, so Möller weiter. Nun müsse auch die Stadt diese Prüfung vornehmen, da sie ja Verpächterin des Gebäudes sei.

Zum weiteren Verfahren sagt Horst Möller: „Nach meinen Informationen soll Anfang Dezember unterschrieben werden.“ Der Zeitplan sei wegen dieser Verzögerungen aber nicht gefährdet. „Die Planung ist dieselbe geblieben. Wir wollen Anfang des Jahres mit dem Umbau beginnen. Im Mai oder Juni wird dann wohl eröffnet.“

Hartmut Jokisch lacht, als er von dem Unterzeichnungs-Termin im Dezember hört. „Warten wir es mal ab“, sagt der Grünen-Politiker. Nach der bisherigen Geschichte der Immobilie ist er „extrem skeptisch“, dass diese Ankündigung tatsächlich eingehalten werden werden kann.

Noch im Februar hatte die Grünen-Fraktion einen eigenen Vorschlag zur Nutzung des Gebäudes gemacht. Der sah vor, statt eines Restaurants bis zu zehn kleine Geschäfte anzusiedeln, wie Schlüsseldienste, Schuhmacher und Boutiquen. Das Konzept fand keine Mehrheit. Doch Jokisch sagt jetzt: „Damit kommen wir wieder an, wenn es noch mal schief geht.“