Ahrensburg

Banden stehlen Fahrräder an Bahnhöfen

Besonders viele Anzeigen in Ahrensburg und Reinbek. Hehler bringen Beute gen Osten

Ahrensburg. Professionelle Diebe haben die Bahnhöfe in Stormarn entdeckt, um teure Fahrräder zu stehlen und weiterzuverkaufen. „Die Diebe fahren mit S- und U-Bahnen aus Hamburg in die Peripherie der Hansestadt, gucken sich an den Stationen vor allem hochwertige Fahrräder aus und knacken die Schlösser in der Regel mit Bolzenschneidern“, sagt Jürgen Hentschke, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Stormarn. Mit der Bahn bringen die Täter die Räder dann nach Hamburg.

Jürgen Hentschke stützt sich auf Erkenntnisse einer Ermittlungsgruppe der Polizei Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg), die mit Kollegen aus Stormarn zusammenarbeitete. Beide Kreise bilden die Polizeidirektion Ratzeburg. Die Ermittlungsgruppe war im vergangenen Jahr gegründet worden, nachdem 2011 an lauenburgischen Bahnhöfen Fahrräder im Wert von 50.000 Euro gestohlen worden waren. Die Zahl der Taten war damals binnen Jahresfrist von 100 auf 163 gestiegen.

Nach Angaben von Hauptkommissar Daniel Stephan, der die Ermittlungsgruppe leitete, waren die meisten Täter, die nach intensiver Suche erwischt werden konnten, „abhängig von Betäubungsmitteln“ – sie waren drogensüchtig. Die meisten Täter würden auf die Art der Gangschaltung achten, um möglichst hochwertige Fahrräder ausfindig zu machen.

„Die Räder wurden dann in Hamburg an Hehler verkauft“, sagt Daniel Stephan. „Einige Hehler schafften die Räder dann in Sammeltransporten nach Osteuropa, wo sie verkauft wurden.“ Dieses Vorgehen ist seit Jahren bei Autodiebstählen bekannt.

„Wenn so etwas im Schwarzenbeker Raum geschieht, dann geschieht dies auch in Ahrensburg und anderen Stormarner Orten, die mit der Bahn leicht von Hamburg aus erreicht werden können“, sagt ADFC-Sprecher Hentschke. Hauptkommissar Stephan teilt diese Einschätzung. Ein Indiz für die Richtigkeit der These ist die große Zahl der Fahrraddiebstähle in Ahrensburg und Reinbek. Gemessen an der Einwohnerzahl ist sie in beiden Städten überproportional hoch.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es allein in Ahrensburg 167 schwere Diebstähle – nahezu einen an jedem Tag. Die Polizei spricht von schwerem Diebstahl, wenn das Schloss aufgebrochen wurde.

Diese Sicherung ist der entscheidende Faktor. „Je hochwertiger das Schloss, desto weniger Diebstähle“, sagt Polizist Stephan. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (bdk) rät denn auch, teure Räder mit guten Schlössern zu sichern. „Die kosten dann schon mal bis zu 160 Euro“, sagt Verbandssprecher Karl-Gustav Günther. Es sei erheblich schwieriger und vor allem zeitaufwendiger, solche Schlösser zu knacken.

Günther plädiert an die Kommunen, an Bahnhöfen mehr Möglichkeiten zu schaffen, die Räder sicher abzustellen, beispielsweise in abschließbaren Käfigen. Zudem seien eine gute Beleuchtung und Videoüberwachung wichtig. Günther: „Das schreckt ab und trägt zur Aufklärung bei.“

Die Wahrscheinlichkeit, die Täter zu fassen, ist bei Fahrraddiebstählen äußerst gering. Günther: „Neben Überwachungsmöglichkeiten fehlt es auch an Personal, um mehr Taten aufzuklären.“ Es sei nachvollziehbar, dass mehr Polizisten beispielsweise zur Klärung von Wohnungsdiebstählen eingesetzt würden.

Der Experte von der Kripo rät den Besitzern, ein Foto ihres Fahrrads zu machen und sich die Rahmennummer zu notieren. Eine Codierung, wie sie auch der ADFC anbietet, sei hilfreich, wenn es darum gehe, ein gefundenes Rad dem rechtmäßigen Eigentümer zurückzubringen.

Auch Jürgen Hentschke vom ADFC fordert mehr Fahrradboxen oder Fahrradbügel in der Nähe von Bahnhöfen. In welchem Umfang dies möglich sei, müsse im Einzelfall geprüft werden. „Da gibt es oftmals auch Platzprobleme“, sagt Hentschke. „Am besten wäre natürlich ein bewachter Stand mit angeschlossener Reparaturwerkstatt.“ Das hänge aber auch davon ab, ob ein Betreiber gefunden werde. Neben der Diebstahlprävention hat er dafür noch ein weiteres Argument: „Die EU zahlt in der Metropolregion Hamburg, zu der Stormarn gehört, 87,5 Prozent der Umbaukosten.“