Jessica sucht einen Job

Das Abendblatt begleitete eine 19 Jahre alte Ahrensburgerin bei ihrem Rundgang auf der Jobmesse in Bargteheide

Die Schule ist aus. Und dann? Es gibt 340 Ausbildungsberufe. „Sogar die meisten Erwachsenen kennen nur zehn Prozent davon“, sagt Heike Grote-Seifert, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe. Um so wichtiger sei es, jungen Leute auf dem Weg in die Zukunft eine Orientierungshilfe zu geben – wie bei der Jobmesse in Bargteheide, die am Donnerstag zum 15. Mal ihre Tore öffnete. 50 Handwerksbetriebe, Versicherungen, Ausbildungsinstitutionen und auch öffentliche Dienstleister wie die Polizei gingen an den Start. Grote-Seifert: „Die Jobmesse in eine tolle Chance.“ Der Zulauf war groß. 1000 junge Leute drängten sich durch die Anne-Frank-Schule. Mit dabei: die 19-jährige Jessica Sellge aus Ahrensburg. Konnte sie ihre Chance nutzen? Wir haben sie auf ihrem Rundgang begleitet.

Gut vorbereitet: Jessica hat 16 Bewerbungen dabei

Jessica ist ein bisschen nervös. So viele Leute. Die 19-Jährige weiß sich zu helfen. „Ich suche mir erst einmal ein bekanntes Gesicht. Zu zweit ist man mutiger.“ Das klappt. Und so zieht sie erst einmal mit einem anderen Mädchen los. Aber nur so herumzuschlendern, das ist nichts für Jessica. Sie ist zwar nervös, aber auch sehr gut vorbereitet. „Ich habe mir die Ausstellerliste im Internet angesehen und 16 Bewerbungen für Praktika geschrieben“, sagt die Ahrensburgerin und zeigt auf ihren grünen Umhängebeutel. Über die Schulter kann sie den nicht hängen. Er ist einfach zu schwer.

Jessica kehrt beim Messe-Rundgang in bekannte Gefilde zurück. Vor zwei Jahren ist sie mit einem Realschulabschluss von der Anne-Frank-Schule abgegangen. „Dann habe ich eine Ausbildung als Sozialpädagogische Assistentin angefangen. Und abgebrochen. Das hat nicht gepasst“, sagt die 19-Jährige und geht rüber in die Turnhalle, die an diesem Tag ebenfalls zum Messegelände umfunktioniert worden ist. Sie erzählt das alles ganz ruhig. So war es eben. Damals hatte sie sich nicht vorher informiert. „Und der Beruf war doch ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte.“ Seitdem ist sie auf Suche.

1. Station, Aldi: Einzelhandelskauffrau würde sie interessieren

„Ich mache eine duale Ausbildung“, sagt Florian Brandt, der am Stand von Aldi steht. „Zurzeit lerne ich Einzelhandelskaufmann. Später werde ich dann in Teilzeit arbeiten und Betriebswirtschaft studieren“, sagt der Auszubildende. Jessica hört zu. Ein Studium kommt für sie nicht in Frage. Aber Einzelhandelskauffrau, das wär schon was. Mit dem Praktikum könnte es klappen, deutet Florian Brandt an. Das ist gut. Aber das war für Jessica aber bisher kein Problem. „Ich habe schon Praktika bei einer Versicherung, im Block House, bei Nessler und bei einer Floristin gemacht.“ Jetzt ist sie gerade beim Tierarzt. Und das gefällt ihr super. „Tiermedizinische Fachangestellte könnte ich mir auch vorstellen. Aber das ist hier leider nicht vertreten.“

2. Station, Metallschreiber: Der Funke springt nicht über

Jessica geht rüber in den Erweiterungsbau der Anne-Frank-Schule. Auf dem Weg trifft sie jede Menge Bekannte. Ein Mädchen umarmt sie. Einem anderen ruft sie „Hallo“ zu. Man kennt sich. Trotz der großen Menge. Denn so wie Jessica, sind andere Jugendliche zur Messe gekommen, die zurzeit beim Jugendaufbauwerk (JAW) der Kreishandwerkerschaft Bad Oldesloe sind. Das JAW wird von der Agentur für Arbeit finanziert und bietet fachpraktische Ausbildungen in verschiedenen Handwerkssparten an. „Holz und Farbe habe ich schon ausprobiert“, sagt die Ahrensburgerin, die nun mehr testen will. Sie geht die Stufen zur Bühne hoch und steht vor dem JAW-Stand. Alexander Arndt gibt ihr ein Gerät in die Hand, das aussieht wie ein Lötkolben. „Ist ein Metallschreiber“, sagt der 18-Jährige ganz kompetent.

Jessica nimmt den kleinen Metallstab. Es funkt und knistert. Die Begeisterung der 19-Jährigen hält sich dennoch in Grenzen. „Ich habe versucht, ein H in das Metall zu brennen. Ist nicht so doll geworden“, sagt sie. Alexander kennt das offenbar schon. In seinem Ausbildungsjahr ist kein einziges Mädchen. „Aber wenn man erst einmal alles drauf hat und den Schweißerpass besitzt, kann man bauen, was man möchte“, sagt er begeistert. Auch dieser Funke springt nicht über. „Nee, das ist nichts für mich“, sagt Jessica. „Aber die Aussichten sind gut. Die Branche braucht Kräfte“, sagt Ulrike Fährmann die als Sozialpädagogen die Auszubildenden begleitet. Jessica zieht weiter.

3. Station, Getriebebau: Erfahrung als Klempnerin hat sie schon

Der Stand von Getriebebau Nord interessiert sie. „Zur Ausbildung als Industriekauffrau gehört auch Technik. Aber nicht so viel“, sagt Vanessa Bauer, Ausbildungsleiterin und Personalreferentin in einer Person. Jessica lässt sich ein Getriebemodell erklären. Die Praktikumsbewerbung hat sie schon abgegeben. Auch hier stehen die Chancen offenbar gut dafür. Ein „bisschen Technik“ wäre für sie kein Problem. „Mein Vater ist schließlich Heizungsmonteurmeister. Und ein Praktikum als Klempnerin habe ich auch schon gemacht“, sagt sie . „Es ist auf jeden Fall gut, bei der Messe Menschen kennenzulernen, die bei einer Bewerbung wichtig sein könnten.“

Letzte Station, Esylux: Ein Praktikumsplatz winkt in absehbarer Zeit

Jessica geht zum Schluss zu Esylux. Die Ahrensburger Firma stellt unter anderem Bewegungsmelder her. Der Auszubildende Donnet Rathje wartet mit fröhlichem Gesicht auf „Kundschaft“ und erzählt Jessica, welche Ausbildungsgänge es alles gibt. Groß- und Außenhandelskauffrau, das hört sich gut an. Am schönsten klingt jedoch der Satz der Ausbildungsleiterin Sarah Runge: „Bewerber, die sich so gut vorbereiten wie Jessica, sind ideal.“

Die Plätze für das nächste Jahr seinen zwar schon vergeben. „Aber wenn der Kandidat passt, lässt sich da auch noch was machen.“ Die 19-Jährige strahlt. Seit sie 16 ist, sehnt sie sich nach einem Job. „Manchmal habe ich schon gedacht, ich gehe putzen“, sagt sie. Der Messebesuch hat ihr was gebracht. „Aber damit ist ja nicht Schluss. Ich häng’ mich weiter rein.“