Moment mal!

Gedanken eines Keilers

Eine Glosse von Rolf Zamponi

Liebe Menschen,

ich als Keiler habe da mal eine Frage. Wenn ich so an euren Straßen stehe und ihr in euren Autos an mir vorbeirauscht, dann bin ich mir nicht sicher, was ihr eigentlich von uns wollt. Ich weiß ja: Wir sollen nicht in eure Gärten, obwohl ihr das Gemüse auch ausreißt. Ihr regt euch auf, wenn unsere Mütter ihre Frischlinge verteidigen, und dann kommt ihr jetzt noch mit diesen schlappen Lappen. Puh, meine Frau hat gesagt, dass der Schweiß auf diesen Tüchern noch unangenehmer riecht als mein Fell, wenn ich mich mal so richtig gesuhlt habe.

Eins muss man euch aber lassen: Eure Straßen sind prima. Wundert euch also nicht, wenn wir sie weiter nutzen. Uns macht es aber genauso wenig Spaß, gegen eure Blechkisten zu laufen wie euch. Fahrt einfach ein wenig langsamer und blendet uns nicht mit eurem Licht. Dann versprechen wir, besser aufzupassen und die Kinder abends zu Hause im tiefen Wald zu lassen. Abgemacht?

Eines noch. Gut wäre, wenn wir euren Kreisjägermeister und seine Freunde mal persönlich treffen könnten. Wenn man einander kennt, geht die Hege viel besser. Die Herren könnten ja ein paar Kilogramm Eicheln oder Kraftfutter ausgeben. Dann kommen von uns alle mit, und ihr braucht keine Jagd mehr zu beginnen. Uns liegt nämlich viel an einem guten Miteinander.

Es grüßt Euch, der Keiler

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