Ahrensburg

Stormarn streitet über Hundeführerschein

Die schleswig-holsteinische Landesregierung plant eine Prüfung für neue Tierhalter. Die Reaktionen reichen von „richtig super“ bis zu „wenig hilfreich“

Ahrensburg. Viele Stormarner Hundebesitzer werden vermutlich bald einen Hundeführerschein ablegen müssen. Die FDP-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein plant eine Gesetzesänderung, die Anfang 2015 in Kraft treten könnte. SPD und Grüne signalisierten bereits Zustimmung. Derzeit werden Interessenverbände angehört. Das Gesetz soll jedoch nicht für alle Tierhalter verpflichtend sein: Bürger, die in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Jahre lang einen Hund besessen haben, werden von den Forderungen befreit.

Der Hundeführerschein soll schon vor dem Kauf des Tieres abgelegt werden. Zumindest in der Theorie: Ein Multiple-Choice-Test fragt fünf Prüfungsfelder ab. Binnen des ersten Jahres muss sich der neue Hundehalter zudem einem Praxistest unterziehen. Niedersachsen hat das System im Juli 2013 endgültig implementiert, die Kosten für den Führerschein belaufen sich dort auf rund 200 Euro. Hundehaltung könnte somit noch teurer werden.

Mit dem Hundeführerschein würde auch eine Meldepflicht für Hunde eingeführt. Dies könnte auch die Frage beantworten, wie viele Hunde es in Stormarn gibt. Etliche Besitzer lassen ihre Hunde nicht ordnungsgemäß registrieren. 2010 gab es im Kreis rund 14.500 registrierte Hunde.

Die Rasseliste würde mit Einführung des Hundeführerscheins aufgehoben

Mit der Neuregelung wird zudem die so genannte Rasseliste aufgehoben. Dies heißt zwar, dass sogenannte Kampfhunde von ihrer kategorischen Maulkorbpflicht befreit werden. Allerdings können dadurch in Zukunft auch gefährliche Dackel oder Pudel mit einem Maulkorb bedacht werden. Laut Gesetzentwurf reicht eine „über das natürliche Maße hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder eine in ihrer Wirkung vergleichbare, Mensch oder Tier gefährdende Eigenschaft, insbesondere Beißkraft und fehlende Bisslösung“ aus. Wird solch ein Hund gemeldet, muss er einem Wesenstest unterzogen werden. Dies wird auch heute schon bei auffälligen Hunden praktiziert.

Behörden stehen den Gesetzesentwürfen aus Kiel mit gemischten Gefühlen gegenüber. Andreas Zimmermann von der Stadt Ahrensburg fürchtet, dass für die Kommunen ein Mehraufwand entstehen könnte. Und das bedeute schließlich auch oft zusätzliches Personal. Aggressive Hunde „stellen bei uns auch kein Problem da“.

Jenny Laue von der Stadt Reinbek glaubt nicht, dass durch den Hundeführerschein Vorfälle mit Hunden völlig eingedämmt werden können. „Der theoretische und praktische Unterricht wird bei wenigen Haltern Wirkung zeigen.“ Sie bezweifelt, dass ein Hundeführerschein genug für das Thema sensibilisieren kann. Zudem glaubt sie, dass die Meldepflicht, ähnlich wie die Anmeldung zur Zahlung von Hundesteuer, umgangen werden kann.

Ganz anders sehen dies die Verbände: Monika Ehlers vom Tierschutzverein Ahrensburg-Großhansdorf hält den Vorstoß zur Gesetzesänderung grundsätzlich für sinnvoll. „Wir haben schon immer gesagt, dass Menschen lernen müssen, mit ihren Hunden umzugehen.“ Besonders die Abschaffung der Rasseliste hält sie für sinnvoll: „Schließlich kann jeder Hund aggressiv sein und beißen.“

Eine Gefahr sieht sie jedoch in den Kosten. „Mir tun große Hundeliebhaber mit wenig Geld schon leid.“ Schon jetzt bekomme der Tierschutzverein oft genug Anfragen zur Übernahme von Tierarztkosten. Sie glaubt, dass ein Hundeführerschein derartige Bitten noch vermehren könnte.

Auch Heike Reher, Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Oldesloe, findet es „richtig super“, dass der Hundeführerschein kommen soll. Endlich seien Hundebesitzer aufgefordert, sich mit ihren Pflichten und Rechten als Besitzer auseinanderzusetzen. Daneben erfahren sie, wie ihr Hund tickt. „Oft heißen die Hunde ja nur ‚Der tut nix’.“ In einer guten Hundeschule werde die Verantwortung unterrichtet, die viele Besitzer sonst einfach nicht haben. „Viele wissen gar nicht, was artgerechte Haltung ist.“ Ein Bordercollie, den man elf Stunden täglich allein lasse, erfahre natürlich eine Wesensveränderung.

Auch die etwaigen Kosten seien legitim. „Die 200 Euro sollten auf jeden Fall da sein.“ Schon ein einziger Arztbesuch bei einer Wurmerkrankung des Hundes kann den Halter teurer zu stehen kommen.

Stormarner Bürger blicken reagieren unterschiedlich. Thomas Patitz aus Ahrensburg ist eher gegen den Führerschein. Inge Burmester hingegen findet die Einführung eines Führerscheins gut: „Mein Hund wurde schon mal von einem Dalmatiner angegriffen“, sagt sie. Ihr Mittelschnauzer jage gern mal Hasen hinterher. Renate Jacobsen, 70, ist täglich vier Stunden mit ihren Mischlingen Pauli und Emma unterwegs. Sie könne die zwei frei laufen lassen. „Manch anderer Hund braucht aber den Führerschein.“ Erika Köpp will für große Hunde einen Führerschein, ihr Westie Felix wurde schon mal wurde von einem Schäferhund attackiert.

Einzig Silvia Nickel hat bereits einen Hundeführerschein in der Tasche: Sie holte ihrem Staffordshire-Mix Joker aus einem Tierheim, machte dann einen Hundeführerschein in Hamburg. Und so könnte Joker ab 2015 kein Kampfhund mehr sein.