Kommentar

Wegwerfen: So leicht, so falsch

Das Kleid hing drei Jahre im Schrank. Unmodern, weg damit.

Der Joghurt ist einen Tag überfällig. Rein in den Abfalleimer. Der Kaffeebecher ist angestoßen. Ab in die Tonne. Das geht so leicht. Das befreit so schön.

Berge von Dingen, die noch zu gebrauchen sind, werden Tag für Tag im Wohlstandsdeutschland weggeworfen. Eine aus Anspruchsdenken, Gleichgültigkeit und Wirtschaftskalkül gespeiste Lawine nimmt immer mehr Fahrt auf und zieht Spuren der Vernichtung nach sich. In blühenden Landschaften hoch zivilisierter Gesellschaften wachsen vor allem die Müllberge, während anderswo das Elend Blüten treibt.

Gerade weil die Sache so aussichtslos scheint, ist jeder Gedanke, jedes Bemühen, die Wegwerf-Automatik außer Kraft zu setzen, goldwert - so wie die Internetplattform Goldener Zollstock. Sie verhindert, dass hochwertiges Material und intaktes Handwerkszeug vernichtet werden. Die Auswirkungen sind vielleicht gering. Manch einer in der schönen globalen Welt mag daher die Aktion des Bargteheider Firmenchefs belächeln: So ein paar Ziegel oder Schrauben. Was soll's. Aber eine voll funktionsfähige Drehmaschine wegwerfen? Spätestens da hört es auf.

Es gibt die Annahme, dass Ware im Wert von mehr als 30 Millionen Euro in den Lagern der Handwerksbetriebe verrottet. Warum diese kleinen Schätze nicht bergen, Ressourcen schonen, Wünsche erfüllen und sogar noch Geld verdienen und die Wirtschaft ankurbeln. Es kann so leicht sein und so befreiend.