Internetportal

Bargteheider Handwerker hebt totes Kapital

Der Bargteheider Norbert Grote gründet bislang einmaliges Internetportal, damit ungenutztes Material Verwendung findet. Im Februar ist die Plattform freigeschaltet worden. Seitdem wurden sich Käufer und Anbieter bereits in 130 Fällen einig.

Bargteheide. Nicht genutzte Werkzeuge und überflüssiges Material im Millionenwert lagern bundesweit in Handwerksbetrieben - und verstauben. Eine volkswirtschaftliche Verschwendung. Aber wohin mit dem Dachlüfter, der nun doch von den Kunden nicht gebraucht wird? Wohin mit der zweiten Armatur, die nicht nötig ist, weil nur ein Waschtisch in das neue Badezimmer des Kunden passt? Und was tun mit einer Palette Ziegel, die geblieben ist?

Die Dinge zu lagern, kostet Platz und Geld. Aber sie wegzuschmeißen, wäre die Vernichtung von Werten, sagte sich der Bargteheider Heizungs- und Sanitärmeister Norbert Grote und entwickelte für das Handwerk ein deutschlandweit bislang einmaliges Internet-Verkaufsportal mit dem klangvollen Namen Goldener Zollstock.

"Der Anbieter freut sich, dass die Dinge weg sind und verdient sogar noch etwas dabei. Und der Käufer hat einen Preisvorteil", erläutert der Bargteheider das Prinzip. So koste ein Warmwasserspeicher rund 2500 Euro. Über das Internetportal sei er schon mal für die Hälfte "über den Tisch" gegangen.

Im Februar ist die Plattform freigeschaltet worden. Seitdem wurden sich Käufer und Anbieter bereits in 130 Fällen einig. Warenwert: rund 10.000 Euro. "Das ist erstaunlich", sagt der überraschte Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Adelbert Fritz. "Das zeigt, wie viel Warenwert jedes Jahr verloren geht." Die Internetplattform sei eine gute Sache. Zumal auch der Abfallkreislauf nicht mehr so belastet werde. "Vieles landet sonst schnell im Müll", sagt Fritz. Voraussetzung sei jedoch, dass nicht Schrott oder defekte Geräte angeboten werden. Die Qualität müsse stimmen.

Und das tut sie. Grote: "Angeboten werden keine kaputten oder ausrangierten Sachen, sondern einfach nur die Dinge, die in einem Betrieb überflüssig sind, in einem anderen aber gebraucht oder vielleicht sogar dringend gesucht werden." Wer einen zusätzlichen Lichtschalter benötigt und gern das alte Design haben möchte, kann hier also stöbern und mit Glück fündig werden.

Auch Fenster sind zu haben. Auch Fenster, deren Maße nicht passten: Wer sich auf dem Bau vermisst, hat nicht nur ein finanzielles Problem, sondern muss obendrein Sprüche von den Kollegen ertragen. "Na, hast du den goldenen Zollstock dabei gehabt?", kommt dann die Bemerkung. Während das sprichwörtlich goldene Handwerk glänzt, ist fehlerhaftes Abmessen nicht gerade eine Glanzleistung. Dass das unbrauchbare Produkt nun vielleicht woanders Verwendung findet, ist Norbert Grote zu verdanken.

"Goldener Zollstock ist ein schöner Name. Und die Idee ist superpfiffig", sagt Ulf Grünke, Pressesprecher der Handwerkskammer Lübeck. Er kennt die Internet-Plattform noch nicht. Aber dass es sie gibt, wundert ihn nicht. "So sind unsere Handwerker. Sie halten sich nicht mit dem Problem auf, sondern suchen nach kreativen Lösungen", sagt Grünke und verweist auf die Imagekampagne der Handwerkskammer. Sie wirbt mit dem Slogan: "460.000 Innovationen. Und das Patentamt haben wir auch gebaut." Grünke: "Die Internetplattform kann man zwar nicht als Patent anmelden. Aber es ist eine tolle Idee. Ich hoffe, sie hat Erfolg." Die Nachfrage ist auf jeden Fall da. "130 Verkäufe bisher. Das ist schon eine Menge. Zumal die Homepage noch nicht so bekannt ist", sagt Grote. Wenn alle 2676 Stormarner Handwerksbetriebe Wind davon bekommen haben, dürfte der Internethandel florieren.

Die Nutzung ist einfach: Auf die Internetseite www.goldener-zollstock.de gehen, sich als Käufer oder Kunde registrieren und entweder die Suche starten oder das Angebot beschreiben. "Ich kenne die Namen von beiden. In dem Moment, in dem der Kauf perfekt ist, gebe ich die Adressen weiter", sagt Grote. Ob dann noch gehandelt wird, weiß er nicht. "Ich gehe von dem angegebenen Preis aus und berechne drei Prozent", sagt der Bargteheider. Das entspreche dem Skontobetrag und sei fair.

Geld verdienen könne er damit noch nicht. Die Kosten für den Aufbau der Internetplattform habe er noch längst nicht raus. Hinzu kämen jeden Monat die Servergebühren. "Aber ich nutze das Portal ja auch selbst. Insofern lohnt sich das in jedem Fall."

Bei seinem ersten Internetverkauf konnte der Bargteheider Kupferformteile aus dem Lager räumen und dabei noch einen kleinen Gewinn machen. Die allererste Ware, die auf seiner Homepage überhaupt verkauft wurde, war die Drehmaschine eines Schlossers. Grote: "Die war natürlich gebraucht. Aber so etwas ist richtige Wertarbeit. Das kann man doch nicht wegwerfen."