Bad Oldesloe

Berater erwarten mehr Flüchtlinge

Mitarbeiter der Migrations-Sozialberatung Stormarn des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Plön-Segeberg rechnen mit Asylbewerber vor allem aus Syrien und Russland.

Bad Oldesloe . Im Kreis Stormarn werden in den kommenden Monaten mehr Asylbewerber aus Syrien und aus Russland erwartet. Damit rechnen die Mitarbeiter der Migrationssozialberatung Stormarn des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Plön-Segeberg. Diese haben jetzt in Bad Oldesloe ihren Bericht für 2012 vorgestellt. Demnach hat die Stelle im vergangenen Jahr 670 Menschen betreut.

"Aufgrund der katastrophalen Menschenrechtslage im Nordkaukasus flüchten derzeit viele Menschen aus Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien", sagt Oksana Griebel, die in der Beratungsstelle in Bad Oldesloe Migranten ab 27 Jahren betreut. Viele von ihnen seien in ihrer Heimat staatlicher Verfolgung ausgesetzt und aufgrund dessen traumatisiert.

Bislang beraten die Mitarbeiter vor allem Menschen aus Afghanistan, Iran und Irak. Seit Anfang Mai verzeichnete der Bund eine starken Anstieg der Flüchtlinge aus der Russischen Föderation und aus Syrien. "Seit diesem Monat kommen die ersten bei uns in der Beratungsstelle an", sagt Kirstin Schwarz-Klatt, die Leiterin der Stelle.

Die meisten syrischen Flüchtlinge gelangen zunächst über die Grenze in den Libanon. Dort registriert sie das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, und prüft die Gründe für ihre Ausreise. 5000 Syrer aus dem Programm soll die Bundesrepublik aufnehmen, das Hilfswerk möchte das Kontingent gern weiter erhöhen. Etwa 160 der 5000 Syrer werden voraussichtlich nach Schleswig-Holstein kommen. "Daneben gibt es natürlich auch noch die Asylbewerber, die es auf anderem Weg nach Europa geschafft haben", sagt Schwarz-Klatt.

Auch gebe es immer mehr Menschen, die im Zuge der EU-Freizügigkeit aus Osteuropa nach Deutschland auswanderten, darunter Migranten aus Polen, Lettland, Rumänien und Bulgarien. "Die meisten von ihnen suchen uns auf, um sich in Sachen Finanzen beraten zu lassen", sagt Oksana Griebel. Ziel dieser Migranten sei es, langfristig ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland zu planen.

Die Berater stellen einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Klienten fest. Jeden Dienstag erhält der Kreis Stormarn aus Neumünster Asylbewerber zur Unterbringung zugewiesen. Diese wohnen dann bis zum Abschluss ihres Verfahrens in einem Gemeinschaftsheim in Bad Oldesloe oder dezentral in kleineren Unterkünften. 2012 befanden sich 185 Flüchtlinge in Stormarn im laufenden Asylverfahren. Zum Vergleich: 2008 waren es 35.

Auch interessieren sich immer mehr Flüchtlinge dafür, Deutsch zu lernen, sagt Nauwa Saleh. "Die Sprache ist ein sehr wichtiges Thema im Alltag der Migranten. Bei mangelnden bis nicht vorhandenen Kenntnissen fällt die Integration oft schwer", sagt die Mitarbeiterin der Beratungsstelle.

Asylbewerber haben keinen Anspruch auf einen bezahlten Deutschkursus, solange ihr Antrag nicht entschieden ist. Deshalb bietet die Beratungsstelle in Kooperation mit der Volkshochschule in Bad Oldesloe Unterricht an, der für die Flüchtlinge kostenlos ist. Das Angebot wird mithilfe von Geld- und Sachspenden finanziert. Im September beginnt der sechste Kursus. Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner (SPD) hat laut Schwarz-Klatt angekündigt, sich das Angebot ansehen zu wollen.

Ein weiteres Projekt, das die Migrationsberatungsstelle betreibt, heißt "Sprachpartner gesucht". Weil sie meist wenig Kontakt zu Deutschen haben, fehlt es Asylbewerbern an Möglichkeiten, ihre Sprachkenntnisse anzuwenden. Die Beratungsstelle sucht deshalb Deutsche, die ein bis zwei Stunden in der Woche in ein Sprachtandem investieren möchten. "Das soll nicht einen Kursus ersetzen, sondern vielmehr ergänzend zu diesem als praktische Übung dienen", sagt Schwarz-Klatt. Wer Interesse an einem solchen Einsatz hat, kann sich bei den Mitarbeitern unter Telefon 04531/51 37 und per E-Mail (migration@diakonie-ploe-se.de) informieren.