Kommentar

Der Vernunft ein Denkmal setzen

Ahrensburgs CDU versucht offenbar, in der Diskussion um den Denkmalschutz für das hässliche Rathaus rechtzeitig die Kurve zu bekommen.

Fraktionschef Tobias Koch springt dabei quasi auf den Beifahrersitz von FDP-Chef Thomas Bellizzi. Der Liberale war in Wahrheit der bisher einzige Stadtverordnete, der das Landesamt in Kiel ausbremsen und somit verhindern will, dass die Verwaltung der Schlossstadt - sie steht hinter den Denkmalschutz-Plänen - den Karren gegen die Wand fährt.

Was viele Ahrensburger nicht fassen können, vollzog sich zunächst fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit hinter den Mauern des Rathauses und in einer Kieler Amtsstube. Der sanierungsbedürftige Scheuermann-Bau, der bei nüchterner Betrachtung eher wie eine Betonburg mit Flakturm anmutet, ist in den Augen einer Fachfrau ein "beeindruckendes Pendant zum Schloss" und deshalb schützenswert. Autsch! Auch die Begründung, der Erhalt des Gebäudes liege "wegen der besonderen geschichtlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen Bedeutung" im öffentlichen Interesse, ist wohl für die meisten Bürger nur schwer nachzuvollziehen.

Sie wären es am Ende des Tages aber, die als Steuerzahler für die weitreichenden Konsequenzen dieser Beurteilung geradestehen müssten. Trotz eines Riesenlochs im Haushalt müsste Ahrensburg Millionen in ein Gebäude pumpen, das vermutlich weder energetisch noch optisch jemals modernen Anforderungen genügen wird. Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass die Verwaltung gerade im Begriff ist, eine Jahrhundertchance zur Gestaltung der Innenstadt zu verspielen. Denn steht der Waschbeton erst unter Schutz, werden Rathaus und Marktplatz niemals zu einem ansprechenden Ensemble zusammenwachsen, auf das die Ahrensburger eines Tages stolz sein können. Hier fehlt es seit Jahrzehnten am Willen zur Veränderung, an der nötigen Kreativität und Durchsetzungskraft bei der Finanzierung richtungweisender Pläne.

Dass Koch nun die Notbremse zieht, ist lobenswert. Es ist ein vernünftiger Schritt im allerletzten Moment. Auch, wenn es dem CDU-Politiker im Unterschied zum FDP-Mann zunächst ausschließlich ums Geld geht, schafft er damit allemal Zeit. Zeit zum Nachdenken darüber, welche Chancen ein Rathaus-Neubau an derselben oder an anderer Stelle für Ahrensburg böte. Bellizzis Vorschlag, alle Bürger der Stadt am Tag der Bundestagswahl über die Zukunft ihres Rathauses abstimmen zu lassen, ist jedenfalls eine Punktlandung. Pilot Bellizzi und Beifahrer Koch könnte in dieser Sache in Ahrensburg Geschichte schreiben.