Großhansdorf

Reha-Stätte zieht aus Großhansdorf weg

Oktober 2014 geht's nach Hamburg. Zukunft des Geländes am Eilbergweg ist ungewiss

Großhansdorf. Das sogenannte Reha-Gelände in Großhansdorf steht vor großen Veränderungen. Die Deutsche Rentenversicherung Nord, der ein Großteil des 25 Hektar großen Geländes am Eilbergweg gehört, will verkaufen. Und das Haus am Eilberg, eine Einrichtung für Menschen mit körperlichen Behinderungen, möchte das Gelände verlassen. Neue Pläne für das Grundstück gibt es schon: Politiker wünschen sich altengerechte Wohnungen, auch die LungenClinic, deren Gelände nebenan liegt, ist interessiert. Die Wohnhäuser der Neuen Lübecker hingegen sollen von den Veränderungen unberührt bleiben, sie stehen auf einem 2600 Quadratmeter großen Grundstück der Baugenossenschaft.

"Wir tragen uns mit Verkaufsüberlegungen", bestätigt Michael Eßer, Sprecher der Rentenversicherung Nord, auf Abendblatt-Anfrage. Die in Lübeck ansässige Versicherung ist auch Eigentümerin der LungenClinic. Von dem Reha-Gelände, das einst zur Klinik gehörte, will sie sich trennen. "Wir haben eine Entwicklungsgesellschaft beauftragt, die Möglichkeiten der Vermarktung prüfen soll", so Eßer weiter.

Weiter gediehen sind die Pläne des Hauses am Eilberg, der sogenannten Reha-Einrichtung, in der 39 Menschen leben: "Wir planen den Umzug für den Oktober 2014", sagt Karl Stengler, Geschäftsführer der Behindertenhilfe (BHH) Sozialkontor. Die Gesellschaft ist Trägerin der Einrichtung. Laut Karl Stengler hat der Umzug nichts mit den Verkaufsplänen zu tun, sondern mit der Immobilie an sich. Es handelt sich um das ehemalige Hauptgebäude einer Kinderklinik, die sich einst auf dem Gelände befand. Die BHH Sozialkontor pachtet das Haus seit Jahren von der Versicherung. Doch der Standard des Jugendstil-Gebäudes ist laut Stengler nicht mehr zeitgemäß. "Die Zimmer und auch die sanitären Einrichtungen entsprechen nicht mehr dem, was körperlich behinderte Menschen heute erwarten."

Für die Bewohner des Hauses baut die BHH Sozialkontor ein neues Gebäude in Hamburg. Es soll auf einem Grundstück im Stadtteil Groß Borstel entstehen, in der Nähe der U-Bahnstation Lattenkamp. Gudrun Dräger, Leiterin des Hauses am Eilberg, blickt mit etwas Wehmut auf den Umzug: "Wir wären gern geblieben. Das Gelände ist eigentlich ideal für unsere Bedürfnisse", sagt sie und weist auf den grünen, weitläufigen Innenhof, in der einst Kinder ihre Tuberkulose auskurierten.

Das parkähnliche Anwesen sei "wie ein Garten" für die Bewohner, die bei Unfällen oder infolge schwerer Krankheit Beeinträchtigungen davongetragen haben und dauerhaft in der Einrichtung leben. Gudrun Dräger sieht aber auch die Notwendigkeit des Umzugs: "Die Bausubstanz des Hauses gibt es einfach nicht her, dass wir hierbleiben. Es müsste einfach zu viel investiert werden." Die Betreuer, es sind etwa 60, werden künftig in Hamburg arbeiten.

Was mit dem Gelände und den Gebäuden der ehemaligen Kinderklinik geschieht, ist zurzeit völlig unklar. Ein potenzieller Interessent ist die LungenClinic. "Es gäbe die Möglichkeit, das Grundstück für eine Erweiterung zu nutzen", sagt dazu der Geschäftsführer Wolfgang Gerckens. Weitere Details müssten "in Gesprächen ausgelotet werden".

Eine andere Variante, die derzeit in der Politik diskutiert wird, ist der Bau von seniorengerechten Wohnungen auf dem Gelände. Alle Fraktionen können sich mit der Grundidee anfreunden - doch es gibt graduelle Unterschiede. Jens Heinrich (CDU) spricht von "altengerechten Wohnungen", die man zulassen könne. Reinhard Niegengerd (SPD) pocht hingegen darauf, dass auch für jüngere Menschen Wohnungen entstehen sollten. "Wir wollen mehrere Generationen ansiedeln." Ein weiterer wichtiger Punkt für die SPD: Die neuen Wohnungen sollen "bezahlbar" sein. Hans-Karl Limberg (FDP) hält das für "wünschenswert, aber nicht realistisch". Er hat sich auch den Erhalt des ehemaligen Hauptgebäudes der Kinderklinik auf die Fahnen geschrieben - dessen Sanierung würde ein mögliches Projekt aber verteuern.

Das Konzept, günstigen Wohnraum anzubieten, könnte auch an den Grünen scheitern. Denn die pochen darauf, dass "kein Wald vernichtet wird und dass keine weitere Versiegelung stattfindet", so Fraktionschef Stefan Kehl.

Letztlich, das betonen alle, müsste sich zuerst ein Investor finden - die Gemeinde könne ein solches Projekt nicht realisieren und käme auch nicht als Käufer für das Grundstück infrage. Allerdings haben die Politiker einigen Einfluss, denn es müsste ein neuer Bebauungsplan für das Gebiet ausgearbeitet werden. Dazu Bauamtsleiter Stefan Kroll: "Wir werden in den nächsten Monaten mit einem Konzept auf die Politik zugehen."