Stormarn

Glinde gedenkt der Zwangsarbeiter

Eine Stolperschwelle am Eingang zur Straße Eichloh wird künftig an die Opfer des Arbeitslagers Wiesenfeld erinnern - noch fehlen 400 Euro.

Glinde . Beinahe ein Jahr ist es her, dass Ingeborg Stoller und Andrea Nielson die Idee hatten, an die Glinder Opfer des NS-Regimes mit einer besonderen Gedenkstätte zu erinnern. Am Dienstag nun konnten die beiden Frauen den Schlussspurt für ihr Projekt Stolperschwelle einläuten.

2000 Euro braucht die Initiative, um die Gedenkschwelle zu realisieren. 1600 Euro hat sie bereits zusammen - unter anderem gibt es eine Spende vom Land. Der größte Teil der restlichen Summe soll beim Turnier "Glinder kicken gegen rechts" zusammenkommen. Zudem ist die Stolperschwelle bereits in Auftrag gegeben. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, der bundesweit bereits mehr als 35.000 Stolpersteine zum Gedenken an Deportationsopfer gestaltet hat, wird die Stolperschwelle fertigen. Voraussichtlich im November kann die Schwelle an der Straße Eichloh in den Boden eingelassen werden.

Einen Meter lang und zehn Zentimeter breit wird der Metallbalken, dessen Inschrift an die Zwangsarbeiter erinnern wird, die von 1939 bis zu ihrer Befreiung bei Kriegsende im Kurbelwellenwerk Hamburg (Ku-Ha) nahe der Glinder Stadtgrenze arbeiteten und im Arbeitslager Wiesenfeld in Glinde in Baracken lebten. "Erinnert euch - vergesst niemals" soll ein Teil der Inschrift lauten. Ein Modell der Stolperschwelle haben Stoller und Nielson, die sich in der Bürgerinitiative Glinde gegen rechts engagieren, bei beinahe jeder Veranstaltung der Initiative dabei. Drei Schlitze machen den Nachbau zur übergroßen Spardose. "Jeder noch so kleine Betrag hilft", sagt Andrea Nielson.

"Eigentlich dachten wir an Stolpersteine, wie es sie in vielen Städten bereits gibt", sagt Ingeborg Stoller. Diese Steine, die in den Gehweg vor Wohnhäusern gelegt werden, erinnern an Menschen, die in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zu Tode gekommen sind. Doch die ersten Nachforschungen der Initiatorinnen und des Stadtarchivars Carsten Walczok ergaben, dass es in Glinde mit großer Sicherheit keine Deportationen gegeben hat. Deshalb schieden die klassischen Stolpersteine aus.

Doch Künstler Demnig hat inzwischen an einigen Stellen in Deutschland Stolperschwellen eingesetzt. Sie liegen dort, wo früher behinderte Kinder in Einrichtungen Opfer der Euthanasie geworden sind - oder wie in Glinde dort, wo in Fabriken und Lagern Menschen für die Kriegsindustrie zwangsverpflichtet worden sind. In Wiesenfeld haben die Zwangsarbeiter die zum Teil sehr schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen mit ihrer Gesundheit oder sogar mit dem Leben bezahlt.

Bislang erinnerte bereits eine Gedenktafel am Marcellin-Verbe-Haus an die Opfer im Arbeitslager. Mit der Stolperschwelle wollen die Initiatorinnen an der Stelle an sie erinnern, wo sie zu Opfern geworden sind. "Es wird ein Ort der Erinnerung, ein Platz um gedanklich zu stolpern", sagt Rainhard Zug. Glindes Bürgermeister hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.