Kreisstraße 80

Verkehr: Glinder fordern mehr Lärmschutz

Anwohner der Kreisstraße 80 kritisieren, dass ein hüfthoher Holzzaun nicht ausreiche. Autos, Lastwagen und Motorräder rasen mit Tempo 100 vorbei. Stadt plant neues Gutachten.

Glinde. Eigentlich könnte das Wohnen an der Stübenkoppel in Glinde schön sein. Die Straße ist idyllisch, auf großen Grundstücken stehen Einfamilienhäuser. Die Nachbarschaft ist gepflegt, und hinter dem letzten Haus der Siedlung geht es in ein Wäldchen mit Blick auf ein beschauliches Feld.

Doch schon vor dem Haus von Dagmar Coordts wird deutlich: So ruhig, wie die Straße wirkt, können die Bewohner hier nicht leben. Ein ständiges Grundrauschen mischt sich unter das Zwitschern der Vögel. Im Garten der Coordts wird es schließlich schwer, sich zu unterhalten. Auf der Kreisstraße 80, die unmittelbar unterhalb des Grundstückes herführt, rasen mit Tempo 100 Autos, Lastwagen und Motorräder vorbei. "Es ist immer mehr Verkehr geworden", sagt Dagmar Coordts.

Seit beinahe 40 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann an der K 80, seit Jahren kämpft sie gemeinsam mit rund 30 Nachbarfamilien dafür, dass der Lärmschutz an der Kreisstraße verbessert wird. Einer ihrer Mitstreiter ist Junias Berndt, der erst vor wenigen Jahren an die Stübenkoppel gezogen ist. Doch allein in dieser kurzen Zeit, so berichtet er, habe die Lärmbelastung immer mehr zugenommen. Denn in Sichtweite liegt das Gewerbegebiet, dass sich die Städte Glinde und Reinbek teilen. Neue Gewerbeansiedlungen hätten beispielsweise für mehr Lastwagenverkehr gesorgt, erzählen Dagmar Coordts und Junias Berndt, die sich als Sprecher der Bürgerinitiative "Lärmschutz K 80" verstehen.

Theoretisch gibt es einen Lärmschutz an der Stübenkoppel. Dagmar Coordts führt an das Ende ihres Gartens. Dort steht eine Lärmschutzmauer. Ihr Aussehen erinnert an einen handelsüblichen Gartenzaun aus Holz. Das größere Problem aber sei, sagen Coordts und Berndt, dass der Zaun kaum hüfthoch ist. Darunter zieht sich noch ein aufgeschütteter Wall bis zur Straße. Trotzdem wirkt es beinahe so, als stünde man mitten auf der Fahrbahn.

Im Jahr 2009 keimte Hoffnung bei den Anwohnern auf. Mit dem Konjunkturpaket II hatte das Land zusätzliches Geld für Lärmschutzprojekte vom Bund erhalten. Die Wand entlang der K 80 in Glinde stand auf einer Liste. 828.000 Euro, so wurde damals errechnet, würden wirksame Verbesserungen kosten.

Der Kreis hatte zwar frühzeitig eine Übernahme der notwendigen Co-Finanzierung in Höhe von 25 Prozent abgelehnt. Doch das Thema kam auch auf die Tagesordnung des Bauausschusses in Glinde. Würden die Stadtvertreter die notwendigen 207.000 Euro aus dem Glinder Haushalt genehmigen, würde der Kreis den Lärmschutz beim Land anmelden. Die Glinder Kommunalpolitiker entschieden sich jedoch dagegen.

Sie bestimmten aber immerhin, dass es ein Lärmgutachten geben solle. Dieses sollte ermitteln, welchen Belastungen die Bewohner ausgesetzt sind und ob die Zahlen mit den Berechnungen übereinstimmten, die Ende der 1970er-Jahre gemacht wurden, als die K 80 gebaut wurde. Wäre das nämlich nicht der Fall, müsste der Lärmschutz neu geplant werden.

Auf das Lärmgutachten wartet die Bürgerinitiative bis heute. Ein Fakt, der sie kürzlich zu einem Beschwerdebrief an den Bürgermeister veranlasst hat. Darin werfen sie der Verwaltung vor, ihr Anliegen nicht ernst zu nehmen. Lediglich eine Verkehrszählung habe es gegeben - und das auch erst nach zähen Verhandlungen. 27.500 Fahrzeuge zählte das mit der Messung beauftragte Institut an einem Tag im November 2012.

In einem zweiten Schritt sollte nun daraus ein Lärmgutachten erstellt und mit den Werten aus den 70er-Jahren verglichen werden. Im April sollte eine Firma mit ihrer Begutachtung beginnen. Nur seitdem sei nichts mehr passiert. Bürgermeister Rainhard Zug habe erst kürzlich zwei Termine mit der Initiative abgesagt. Es wollte über die Finanzierung des Gutachtens sprechen. Die Stadt nämlich erwartet, dass die Initiative zumindest einen Teil der Kosten trägt.

Das Gutachten werde aber kommen, sagt Zug. Außerdem verspricht er, dass eine weitere Forderung der Initiative in Kürze umgesetzt werde: In der Lärmschutzmauer fehlen an zwei Stellen Teile der Wand. Diese sollen zeitnah ersetzt werden. Ein Statiker habe den Untergrund geprüft. "Jetzt werden wir eine Firma suchen, die die fehlenden Teile ersetzt."

Auch zu den Konsequenzen aus dem Gutachten macht der Bürgermeister klare Aussagen: "Wenn wir herausfinden, dass die Lärmwerte die geplanten Werte überschreiten, dann werden wir uns an den Kreis und an den Landesbetrieb Verkehr wenden und mehr Lärmschutz fordern." Sollten die Werte überschritten werden, sieht Glinde die beiden übergeordneten Behörden in der Pflicht, da es sich um eine Kreisstraße handele. Sollten die Daten aus den 70er-Jahren überschritten werden, wäre zudem der LBV verantwortlich.

"Egal, wer damals möglicherweise falsch geplant hat. Man muss sich doch mit den heutigen Gegebenheiten auseinandersetzen", sagt Junias Berndt, der sicher über den Zuständigkeitsstreit zwischen den Behörden ärgert. Zusätzlich kompliziert macht die Angelegenheit nämlich, dass sich die K 80 auf Reinbeker Gebiet befindet. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung, die den Lärm auch senken könnte, kann Glinde nicht durchsetzen.

Also bleibt den Anwohnern nur die Hoffnung auf das Lärmschutzgutachten. Für sie ist klar, was dabei herauskommt. "Es kann nicht sein, dass es heißt, der Lärmpegel sei nicht gestiegen", sagt Coordts. Bürgermeister Rainhard Zug ist weniger überzeugt. "Wenn die Lärmwerte nicht oder nur marginal überschritten werden, dann wird vonseiten der Verwaltung nichts passieren", so Zug. Für freiwillige Investitionen außerhalb der Bereiche Kita und Schule fehle der Stadt das Geld.