Ahrensburg

Ahrensburgs spannende Bild-Geschichte

Ein Ölgemälde aus dem Schloss wurde monatelang restauriert, jetzt ist es zurück. Seine bewegte Vergangenheit verrät es nicht auf den ersten Blick

Ahrensburg. Der neue Stolz des Ahrensburger Schlosses ist zwei Meter hoch und eineinhalb Meter breit, etwa 240 Jahre alt und ein Unikat: Das Gemälde "Venus gibt Juno ihren Zaubergürtel" der Maler Anton Raphael Mengs und Angelika Kauffmann. Jahrzehntelang hing es im Schloss, nun wurde es mit Geld des Rotary Clubs Ahrensburg-Schloss restauriert. Besucher können es künftig bestaunen und ihm das eine oder andere über seinen mythologischen Inhalt entlocken. Seine eigene, nicht minder interessante Lebensgeschichte verrät das Bild hingegen nicht so leicht. Das Abendblatt hat sich deshalb bemüht, sie mit Hilfe der Schlossherrin Tatjana Ceynowa und Restaurator Gerold Ahrends zu rekonstruieren.

Alles beginnt an einem Tag im 18. Jahrhundert, in den 1770er-Jahren in Rom. Der berühmte Maler Anton Raphael Mengs (1728 - 1779) entschließt sich, eine Szene aus der antiken Mythologie auf Leinwand zu bannen. Und zwar jene, in der die Göttin Venus der Juno einen magischen Gürtel übergibt.

Er soll ihren Gatten Jupiter betören und ihn von einem Krieg ablenken. Die Wahl des Motivs ist ebenso kalkuliert: "Adlige und Gutbetuchte jener Jahre kamen aus ganz Europa nach Rom. Und von ihren Bildungsreisen brachten sie Gemälde wie dieses mit", sagt Tatjana Ceynowa, Geschäftsführerin der Schloss-Stiftung. Mengs malt das Bild wohl ohne Auftraggeber, "auf Halde" - und vielleicht schaut dem Maler dabei der legendäre Verführer Giacomo Casanova über die Schulter, der zu seinen Freunden zählt.

Allein, Mengs kann das Bild zu seinen Lebzeiten nicht mehr vollenden. Fertiggestellt wird es einige Jahre später, und zwar von Angelika Kauffmann (1741 -1807). Sie ist eine der wenigen Malerinnen der Epoche, nach Mengs Tod kauft sie dessen Haus. "Wir können nicht sagen, wie weit Meng mit der Fertigstellung kam. Aber Kauffmanns Pinselstrich ist noch heute erkennbar", sagt Restaurator Gerold Ahrends.

Einige Jahre später wird das Gemälde gekauft - und zwar von Julia zu Reventlow, geborene Schimmelmann. Die Adlige, die im Ahrensburger Schloss aufwuchs, ist mit Ehemann Friedrich in Rom. Mit ihrem "Fritz" geht sie auf Einkaufstour, viele Gemälde und weitere Kunstgegenstände treten auf Schiffen und in Kutschen ihre Reise nach Norden an. Das Ziel: Gut Emkendorf bei Kiel, auf dem das Paar wohnt. Dort wird das Bild mehr als 100 Jahre hängen, in einem Salon, in dem Gäste empfangen wurden, wie Tatjana Ceynowa schätzt.

Nicht belegt ist, ob Napoleonische Soldaten das Gemälde zu Gesicht bekamen, die bald darauf Europa eroberten. Ein anderer Zwischenfall hingegen lässt sich beweisen: "Anfang des 19. Jahrhunderts ist ein Mensch mit einer Leiter in das Gemälde gefallen", sagt Gerold Ahrends. Lange Risse und der spätere Versuch, sie zu reparieren, künden davon. "Vermutlich war es ein Zimmermädchen, das das Gemälde oder einen Kronleuchter reinigen wollte", glaubt Tatjana Ceynowa.

Ende der 1920er-Jahre wird das Leben des Gemäldes wieder turbulenter. Es muss umziehen - und zwar nach Ahrensburg. In den Wirren der Zeit sind sowohl die Schimmelmanns, als auch die Reventlows pleitegegangen, und ein Ahrensburger Bürger bemüht sich nun darum, den Familienbesitz zusammenzuführen. Das Gemälde wird im Schloss gelagert, vielleicht auch aufgehängt. Doch schon einige Jahre später wechselt es, davon gehen Tatjana Ceynowa und Gerold Ahrends aus, erneut den Standort. Im Zweiten Weltkrieg wird es vermutlich eingelagert. "Es könnte in einer Scheune gelegen haben, zwischen Heuballen", sagt Gerold Ahrends. Dafür sprächen bestimmte Druckstellen.

Schließlich die Nachkriegsjahre: Das Schloss ist mittlerweile Museum, und unser Bild darf ruhige Zeiten verbringen, in einem Ausstellungsraum. Doch der Zahn der Zeit nagt an ihm. Das Bild hängt jahrzehntelang im Schatten, neben einer Heizung, deren trockene Luft ihm zusetzt. Dämmerzustand - das Ende eines großen Gemäldes?

Die Rettung naht Ende 2012, in Gestalt der Schloss-Stiftung und finanzkräftiger Helfer. Das Gemälde geht noch einmal auf Reise - und zwar nach Lauenburg. In Gerold Ahrends' dortiger Werkstatt verbringt es Monate. Und jetzt? Hängt es im Porzellanzimmer des Schlosses, im neuen Glanz. Vielleicht wartet es dort auf neue Abenteuer - gut möglich aber auch, dass es ganz einfach nur die Ruhe genießt.