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Klaus-Peter Puls tritt aus der SPD aus

Der 70-Jährige will bei der Kommunalwahl als parteiloser Einzelbewerber kandidieren

Reinbek. Nach mehr als 43 Jahren in der SPD ist der langjährige Landtagsabgeordnete Klaus-Peter Puls überraschend aus der Partei ausgetreten. Auch seine Frau Sabine gibt ihr Parteibuch ab. Das Ehepaar zieht damit eine weitere Konsequenz aus den parteiinternen Auseinandersetzungen um den Neubau des Feuerwehrhauses in Reinbek. Dass Puls als parteiloser Einzelbewerber bei der Kommunalwahl antreten will, stößt bei den ehemaligen Genossen auf Kritik.

Bereits im Januar 2012 hatte der heute 70-Jährige alle seine politischen Mandate niedergelegt, weil die SPD-Fraktion bei der entscheidenden Sitzung nicht geschlossen für den Neubau des Feuerwehrhauses votiert hatte. Am Ende fehlte eine Stimme und der Neubau, für den sich Puls öffentlich und parteiintern stark gemacht hatte, war vom Tisch - bis heute gibt es keine Entscheidung.

Er habe es sich nach so vielen Jahren Partei-Mitgliedschaft und -Aktivität nicht leicht gemacht, "seine" SPD zu verlassen, schreibt Puls in dem Brief, mit dem er den Austritt aus der Partei erklärt. Da er aber weiter in der Lokalpolitik aktiv sein wolle, bliebe ihm keine andere Wahl, als das Parteibuch abzugeben. "Eine erneute Kandidatur für die SPD wäre nach meinem politischen Grundverständnis nicht möglich gewesen", sagt Puls. Seit Jahren hätte die Politik mit einer wachsenden Verdrossenheit zu kämpfen. Für Puls Ergebnis daraus, dass politische Versprechen und Zusagen nicht eingehalten würden und dass "politische Verantwortung dafür allenfalls verbal übernommen" würde. Als Ortsvereinsvorsitzender habe er versprochen, dass die Reinbeker mit der Zustimmung der SPD zum Neubau des Feuerwehrhauses rechnen könnten. Als er diese Zusage nicht durchsetzen konnte, habe er seine Mandate niedergelegt. "Für mich war damit auch klar, dass ich bei der Kommunalwahl 2013 nicht für dasselbe SPD-Mandat wieder kandidieren konnte, auf das ich gerade verzichtet hatte."

Seit 1969 war Puls in der SPD. Seit 1974 bekleidete er unterschiedliche politische Ämter, saß in der Stadtverordnetenversammlung, war 17 Jahre Mitglied im Kieler Landtag, war stellvertretender Bürgermeister von Reinbek und stellvertretender Bürgervorsteher der Stadtverordnetenversammlung.

Hatten die Genossen seinen Rücktritt von allen Ämtern im vergangenen Jahr noch mit Bedauern kommentiert, überwogen am Freitag kritische Stimmen. "Das ist eine große menschliche Enttäuschung", sagte Volker Müller, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Stadtverordnetenversammlung. "Ich bin ziemlich verärgert", erklärte der Ortsvorsitzende der SPD, René Wendland, schon deutlicher. "Wir haben alle seine Landtagskandidaturen unterstützt", sagt Müller. Dass Puls jetzt wegen der Auseinandersetzung über eine Sachfrage aus der Partei austrete, stehe in keinem Verhältnis zu dem, was die Partei über die Jahre für ihn getan habe, findet Wendland.