Ahrensburg

Rheuma-Liga-Vorstand wirft das Handtuch

Fünf Ehrenamtliche ziehen Konsequenzen aus dem Streit mit der Landes-Schatzmeisterin. Der gesamte Vorstand tritt zurück.

Ahrensburg. Der gesamte Vorstand der Rheuma-Liga in Stormarn ist zurückgetreten. Grund sind erbitterte, vereinsinterne Auseinandersetzungen. Von einem zerstörten Vertrauensverhältnis ist die Rede. Sogar von "Krieg". Die Kritik der fünf Vorstandsmitglieder richtet sich gegen Gerda Fröhlich. Sie ist Schatzmeisterin der Rheuma-Liga Schleswig-Holstein, dem Dachverband von 30 Ortsgruppen, die sich um rund 10.000 Mitglieder kümmern.

"Frau Fröhlich hat so viele Unwahrheiten gesagt, dass wir es nicht mehr ertragen konnten", lautet der Vorwurf des zurückgetretenen Stormarner Vorsitzenden Hans-Georg Wiemer aus Ahrensburg. Die mit 700 Mitgliedern landesweit viertgrößte Ortsgruppe der Rheuma-Liga ist damit ohne ehrenamtliche Führung.

"Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen", sagt Wiemer, der sich seit mehr als 20 Jahren für die Selbsthilfeorganisation engagiert. Auch die anderen Vorstandsmitglieder sind zum Teil seit Jahrzehnten dabei. "Wir haben unsere Kritik in einem Schreiben an den Vorstand in Kiel offengelegt." Aber die Interna dürften nicht nach außen dringen. "Wir wollen nicht noch mehr Öl ins Feuer geben und die Rheuma-Liga nicht weiter beschädigen."

Um welche Unwahrheiten es sich handeln soll, ist auch von der Gegenseite nicht zu erfahren. Gerda Fröhlich sagt: "Ich weiß es nicht. Es wird pauschal behauptet, ich lüge. Es herrscht Krieg. Ich bin müde, die ewigen Beschimpfungen zu hören."

Was das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht hat, wird nicht gesagt. Angesichts der Heftigkeit des Konflikts war der äußere Anlass unspektakulär: die Suche nach einem neuen Büroraum.

Seit Gründung der Stormarner Ortsgruppe 1981 hat die Rheuma-Liga ihren Sitz im Gebäude der AOK. "Aus Datenschutzgründen kann der Raum aber nicht länger genutzt werden", sagt die in der Kritik stehende Schatzmeisterin. Zum Glück sei nun innerhalb der AOK ein anderer Raum gefunden worden. "Dieses Büro müssen sich unsere Mitarbeiterinnen nicht mehr mit einer AOK-Angestellten teilen", sagt Fröhlich. Das sei wichtig für vertrauliche, therapeutische Gespräche. Ganz besonders für die neue Fibromyalgie-Gruppe, deren Mitglieder darauf warten, endlich anfangen zu können. Sie leiden unter einer chronischen Erkrankung, die den Menschen mit starken Muskelschmerzen das Leben zur Qual macht.

"Wir werden die Küche der leer stehenden Hausmeisterwohnung umbauen", sagt der Leiter der AOK-Regionaldirektion Ahrensburg, Gunar Schlage. Der Fußboden soll neu gemacht werden Die Wände werden gestrichen. Und eine eigene Telefonnummer wird der Verein künftig auch haben. Für die Möbel sorgt die Rheuma-Liga selbst. Schlage: "Der Datenschutz ist hier gewahrt. Und den Gymnastikraum für das Funktionstraining stellen wir auch weiter zur Verfügung." Er sei froh, dass diese Lösung gefunden wurde und die AOK der Selbsthilfeorganisation wie all die Jahre zuvor "das ganze Paket" anbieten kann.

Das freut auch Hans-Georg Wiemer. "Die zentrale Lage ist ideal." Die wertvolle Kooperation mit der Krankenkasse habe viele Vorteile gebracht. "Nicht von ungefähr ist unsere Ortsgruppe so groß geworden." Aber all das ändere nichts am Zerwürfnis.

Das äußere Problem ist gelöst - die Art der Problemlösung wirkt nach. Der Umgang miteinander war für die Stormarner offenbar der eigentliche Stein des Anstoßes. So zeigte sich Wiemer erfreut, aber zugleich überrascht: Von der Lösung des Raumproblems erfuhr er durch einen Anruf dieser Zeitung. Gleichzeitig sei die Ortsgruppe mit ihrem Versuch gescheitert, in Kontakt mit der Schatzmeisterin zu treten. Wiemer: "Wir haben mehrfach unser Unverständnis zum Ausdruck gebracht und Frau Fröhlich um ein Gespräch gebeten. Sie hat abgelehnt."

Die Schatzmeisterin übt ihrerseits deutlich Kritik: "Die Stormarner beschweren sich beispielsweise, dass sie für ihre Arbeit nicht genügend geehrt wurden. Aber wir wussten nichts von einem besonderen Engagement und von Selbsthilfegruppen." Und Protokolle zu schreiben, reiche nicht aus. Für Gerda Fröhlich reichen die Ursprünge des Konflikts weit zurück. Seit zehn Jahren ist sie in der Rheuma-Liga. Vor etwa sieben Jahren geriet der Verband in eine finanzielle Schieflage. Als Bilanzbuchhalterin und Betriebswirtin habe sie daraufhin die Bücher durchforstet. Auch die der Ortsgruppe Stormarn. "Dort lief damals ein Defizit von jährlich rund 35.000 Euro auf. Also habe ich durchgegriffen und die Stundensätze für die Therapeuten halbiert." Das habe vielen nicht gefallen. "Die Einführung einer zentralen Abrechnung gab bei den alten Fürsten ziemlichen Stress." Notwendig gewesen sei sie dennoch.

"Die Rücklage der Rheuma-Liga Schleswig-Holstein war aufgebraucht. Die Insolvenz drohte. Ich musste sogar einen Kredit für den Landesverband aufnehmen." Jetzt stehe eine Million Euro als Reserve zur Verfügung. "Und die brauchen wir, denn wir tragen das Risiko. Der Vorstand haftet."

Für Hans-Georg Wiemer trifft das alles nicht den Punkt. "Es gab Defizite. Aber die hingen mit der veränderten Abrechnung der Krankenkassen zusammen. Dadurch entstanden Mindereinnahmen. Das hatte Kiel falsch kalkuliert." In Stormarn seien es im Übrigen nur 25 000 Euro gewesen und nur einmal im Jahr 2005. Auch die landesweite Angleichung der Honorare für die Therapeuten sei nicht das Thema: "Die Ortsgruppen hatten nie eine Finanzhoheit. Wir sind immer eine kleine, unselbstständige Einheit gewesen."

Sauer stößt in Stormarn auf jeden Fall auf, dass sich Gerda Fröhlich als Geschäftsführerin bezeichne. Sie übe das Amt nur kommissarisch aus. Das sei Unsinn, erwidert die Schatzmeisterin. "Die Position gibt es gar nicht. Der gesamte Vorstand ist geschäftsführend. Ich glaube, einige ältere Herren haben einfach ein Problem mit Frauen in Führungspositionen."

Es gibt ein neues Büro. Und die Sprechstunden sind nicht nur gesichert, sie sollen sogar ausgeweitet werden. Die Arbeit der Rheuma-Liga Stormarn geht also weiter - ohne Ehrenamtler. Dabei bilden sie die Basis der Selbsthilfeorganisation. Ob eine Mitgliederversammlung aus der verfahrenen Situation heraushelfen kann, ist fraglich. Der Graben zwischen Stormarn und Kiel scheint tief zu sein.