Reinbek

Stadt Reinbek sichert Hallenbad-Zukunft

Kürzere Öffnungszeiten, weniger Personal: Defizit sinkt auf 470.000 Euro im Jahr. Weiterführung der stadteigenen GmbH bringt neue Möglichkeiten.

Reinbek. Das Freizeitbad Reinbek wird weiterhin eine GmbH unter städtischer Leitung bleiben. Darauf einigten sich die Stadtvertreter bei ihrer jüngsten Sitzung. Seit Ende der 1990er-Jahre wird das Freizeitbad als GmbH geführt. Damals war neben der Stadt eine Tochtergesellschaft der E.on Hanse mit 49 Prozent beteiligt. Weil aber die Zuschüsse der Stadt immer größer wurden, kaufte Reinbek Anfang vergangenen Jahres die Anteile von E.on Hanse zurück. Das Freizeitbad wurde dadurch zu einer 100-prozentigen Tochter der Stadt. "Seitdem läuft es deutlich besser. Die Geschäftswege sind kürzer geworden", sagt Betriebsleiter Holger Kehl, der seit einem Jahr auch Geschäftsführer der Anlage ist.

Während die Stadt das Freizeitbad im Jahr 2010 noch mit rund 780.000 Euro bezuschussen musste, hat sich der Betrag jetzt nahezu halbiert. "Die Stadt zahlt nur noch etwa 470.000 Euro pro Jahr", sagt Reinbeks Bürgermeister Axel Bärendorf, der froh ist, dass man nun "unbefristet in die Zukunft blicken" könne.

Wegen der für die hoch verschuldete Stadt eigentlich untragbaren Kosten drohte dem Freizeitbad vor drei Jahren noch die Schließung. Zuletzt standen die Stadtverordneten vor der Frage, ob das Bad weiterhin als GmbH geführt werden sollte oder als Eigenbetrieb. Dass die Entscheidung nun zugunsten der Weiterführung der GmbH gefallen sei, sei den Mitarbeitern und der Geschäftsführung des Bades zu verdanken, sagt Bärendorf.

"Wir haben ein völlig neues Konzept erarbeitet", sagt Geschäftsführer Kehl. Dass sehe vor, dass die Schulen und Vereine zeitlich getrennt vom öffentlichen Betrieb trainierten. "Weil Schulen und Vereine sich selbst beaufsichtigen können, haben wir nun deutlich geringere Personalkosten", sagt Kehl. Sechs Mitarbeiter seien entlassen worden. Fünf von ihnen hätten mittlerweile in anderen Schwimmbädern Jobs gefunden. Auch beim Bäderpersonal sei der Fachkräftemangel hoch.

Durch die eingeschränkten Öffnungszeiten - montags bleibt das Bad inzwischen ganztägig geschlossen - sei die Zahl der Besucher zurückgegangen. "Statt etwa 200.000 kommen jetzt noch etwa 170.000 Besucher im Jahr", sagt Kehl. Das sei für ein Freizeitbad dieser Größe jedoch immer noch eine "stolze Zahl". Das Reinbeker Freizeitbad verfügt über eine Wasserfläche von rund 900 Quadratmetern. "Die Gäste sind zudem zufriedener, weil sie sich nicht mehr durch das Training der Vereine und Schulen beeinträchtigt fühlen", sagt Kehl.

Auch wenn das Bad weniger Einnahmen aus dem öffentlichen Betrieb habe, konnte unter dem Strich das Defizit verringert werden. "Wir haben jetzt deutlich geringere Energiekosten. Das liegt unter anderem daran, dass Bereiche wie die Sauna, das Planschbecken und die Rutsche während der Trainingszeiten der Vereine nicht beheizt werden müssen", sagt Kehl. Hinzu komme, dass seit der Umstellung statt wie zuvor 17 nun 36 Gruppen die gesonderten Öffnungszeiten nutzten.

Um das Bad vor der Schließung zu bewahren, rief die Stadtverwaltung im Jahr 2010 Politik, Vereine und Bürger dazu auf, in Arbeitsgemeinschaften Vorschläge zu erbringen, wie Geld gespart werden könnte. Einige der damals erbrachten Ergebnisse setzt die Geschäftsführung nun erfolgreich in die Tat um. Kehl: "Zum Beispiel heizen wir das Außenbecken im Winter statt auf 23 nur noch auf 19 Grad Celsius." Das sei zwar "etwas frischer", die Besucher nutzten das Becken aber dennoch. Und: "So sparen wir jeden Monat bis zu 10.000 Euro."

Künftig könnte das Freizeitbad die Energiekosten sogar noch weiter senken. Die unbefristete Weiterführung als GmbH bringe "ganz neue Möglichkeiten", sagt Bürgermeister Bärendorf. "Wir möchten einen Deal abschließen und die für das Bad benötigte Wärme künftig mit dem technischen Know-how eines Energieversorgers selbst produzieren." Bei dem Prozess unter Umständen entstehende Überschüsse könnten ins Netz gespeist werden. Bärendorf: "Mit einer solchen Lösung würden wir nicht nur Steuern sparen, sondern auch an der EEG-Umlage."

Über eine öffentliche Ausschreibung soll ein Energieversorger gefunden werden, möglicher Partner könnte das E-Werk Sachsenwald sein, mit dem das Freizeitbad auch jetzt schon zusammenarbeitet. Ein solches Konzept, sagt Bärendorf, müsse sich aber auch langfristig rechnen - "über zehn, 15 Jahre".

Geschäftsführer Holger Kehl ist der Meinung, das Freizeitbad befinde sich nach den Querelen der vergangenen Jahre nun in "ruhigerem Fahrwasser". Er sagt: "Ich glaube, dass das Bad mit diesem Konzept auch noch die nächsten 20 Jahre existieren wird."