Unebene Landstraße

Schlaglöcher bremsen die Lütjenseer

An der beschädigten Landesstraße gilt jetzt Tempo 10 für die Autofahrer. Geld für Grundsanierung fehlt. Land will Standards senken.

Lütjensee. Maximal mit Tempo 10 dürfen Autofahrer auf der Hamburger Straße in Lütjensee unterwegs sein. Eine Vorsichtmaßnahme, für die Bürgermeisterin Ulrike Stentzler (CDU)gesorgt hat. "Die Schlaglöcher stellen eine Bedrohung für Fußgänger und Autofahrer dar", sagt Stentzler.

Es sei auf der unebenen Landesstraße schon mehrfach zu "Gefahrensituationen" gekommen. "Die Straßenmeisterei hat die Löcher einige Male geflickt", sagt Stentzler. Das habe aber dazu geführt, dass sich die Fahrbahn mittlerweile wölbe. "Dadurch nimmt die Lärmbelastung auch immer mehr zu."

Das bestätigt Anwohner Fred Vogel "Wenn ein Lastwagen vorbeifährt, wackelt das Haus", sagt er. Doch weit dramatischer sei der Steinschlag. "Die Steine fliegen drei Meter weit", sagt Vogel. Auch für Passanten seien die Schlaglöcher gefährlich. "Ich wurde selbst schon von einem Stein getroffen", sagt Vogel. Aus diesem Grund, sagt die Bürgermeisterin, mache sie sich auch Sorgen um die Schulkinder, die an der Hamburger Straße entlangliefen.

Auch in anderen Kommunen werden Schlaglöcher zu einem immer größeren Problem. "Wir sind laufend dabei, die Straßen auszubessern", sagt Thomas Link, Sachgebietsleiter im Reinbeker Bauamt. Schlaglöcher seien "ein ständiges Thema". Auch in Ahrensburg werden die 125 Kilometer Fahrbahn regelmäßig kontrolliert, viel befahrene Straßen sollen zuerst erneuert werden.

Da die Hamburger Straße in Lütjensee vom Land verwaltet wird, hat sich die Bürgermeisterin schon mehrfach beim Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) über deren Zustand beschwert. Sie möchte, dass die Straße grundsaniert wird. "Der Zustand der Straße hat sich dramatisch verschlechtert", sagt Lothar Burkschat. Im Bau- und Wegeausschuss, in dem Burkschat Mitglied ist, werde das Thema schon seit rund eineinhalb Jahren diskutiert. Doch das Land vertröste die Gemeinde immer wieder. "Wir werden mit Flickarbeiten abgespeist", sagt Burkschat.

"Die Fahrbahn müsste von der Straße Fuhrwegen bis zur Oetjendorfer Straße grundsaniert werden", sagt Burkschat. Bevor die Straßendecke erneuert werden könne, müssten die Wasserkanäle ausgebessert werden. "Erst dann können wir auch anfangen, kleinere Nebenstraßen instandzusetzen."

Eine "sechsstellige Summe" würden die Arbeiten laut Vogel kosten. Diese müsste das Land als Träger der Straße aufbringen. Führt eine Landesstraße durch eine Kommune hindurch, die weniger als 20.000 Einwohner hat, muss das Land auch für Sanierungsarbeiten im Bereich der Ortsdurchfahrt aufkommen. Doch die finanziellen Mittel dafür fehlen. "Aufgrund der Haushaltslage ist eine Grundsanierung der Hamburger Straße in Lütjensee momentan nicht möglich", sagt Jens Sommerburg, Niederlassungsleiter des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck. In ganz Schleswig-Holstein fehlt Geld für Straßensanierungen. Pro Jahr sieht die Landesregierung 14,5 Millionen Euro für die Instandhaltung der 3600 Kilometer Straßen vor. Benötigt würden laut LBV-Direktor Torsten Conradt 20 Millionen.

Weil sie nicht mehr verkehrssicher war, musste im Kreis Herzogtum Lauenburg unlängst eine Landesstraße gesperrt werden. Im Kreis Stormarn sei eine solche Maßnahme aktuell nicht vorgesehen, betont Sommerburg. Wie in Lütjensee würden stattdessen Geschwindigkeitsbegrenzungen gesetzt und Hinweisschilder aufgestellt. Auf diese verweist das Land auch im Fall eines Unfalls. "Grundsätzlich haftet der Fahrzeugführer", sagt Sommerburg.

Zurzeit sieht es nicht danach aus, als werde die Landesregierung künftig mehr Geld für den Erhalt der Straßen zur Verfügung stellen. Es sei denkbar, dass stattdessen Standards herabgesetzt würden, sagte LBV-Direktor Conradt der Nachrichtenagentur dpa. Möglich sei etwa, dass künftig nicht mehr alle Schäden ausgebessert würden. "Wir sind im Moment dabei, alle Schlaglöcher zu flicken", so Conradt.

Die Lütjenseer fühlen sich vom Land "vernachlässigt". Bürgermeisterin Stentzler: "Wir fragen uns, wie es weitergehen soll. Der Zustand der Straße ist nicht länger haltbar."