Streit um Lohn

Stormarns Bäcker wollen sechs Prozent mehr Geld

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Harald Klix

Zähe Tarifverhandlungen: Arbeitgeber wollen bei Nacht- und Wochenendzuschlägen sowie Urlaub kürzen. Gewerkschaft hat andere Vorstellungen.

Braak. In den Stormarner Bäckereien könnte es in den kommenden Wochen noch ein wenig heißer hergehen als ohnehin schon. Grund sind die Tarifverhandlungen zwischen dem Landesinnungsverband Schleswig-Holstein und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt. Sie wollen Nacht- und Wochenendzuschläge sowie Urlaub kürzen. Das passt so gar nicht zu den Zielen der Gewerkschaft, die sechs Prozent mehr Gehalt und einen Mindest-Stundenlohn von 8,50 Euro fordert.

"Die Bäcker wollen keine kleinen Brötchen mehr backen", sagt Uwe Sandmann, Branchensekretär bei der NGG Lübeck. Die Arbeit sei hart, die landesweit rund 15 000 Beschäftigten seien regelmäßig nachts, an Wochenenden und Feiertagen im Einsatz. Sandmann: "Wer in Bäckereien und Backshops extrem früh oder spät Brot, Baguettes, Brötchen oder Kuchen verkauft, der hat einen angemessenen Zuschlag verdient." Ein Geselle verdient im fünften Berufsjahr momentan knapp 2200 Euro im Monat, bei der geforderten Gehaltserhöhung wären es gut 130 Euro mehr. Eine erfahrene Fachverkäuferin würde rund 120 Euro zusätzlich bekommen.

Die Arbeitgeber fordern jedoch Einschnitte an anderer Stelle. "Für uns gibt es nur ein Gesamtpaket", sagt Heinz Essel, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands. "Und da müssen wir auch über Urlaub und Zuschläge reden." So soll es in den Backstuben zwischen 22 und 3 Uhr nachts nur noch 50 statt 60 Prozent extra geben. Kürzen will die Innung auch an Sonn- und Feiertagen, was vor allem Verkäuferinnen merken dürften. Im Gegenzug sind 3,45 Prozent mehr Lohn bei zwei Jahren Laufzeit im Gespräch.

Der Urlaub - momentan je nach Alter 25 bis 36 Tage im Jahr - soll neu geregelt werden. "Da müssen wir uns an EU-Recht anpassen", sagt Heinz Essel. Unter dem Strich bedeutet das, dass die Beschäftigten erst später als bisher in eine für sie günstigere Regelung rutschen. Auch das wirtschaftliche Umfeld erfordere solche Schritte, so der Vertreter der Arbeitgeber. "Discounter und Tankstellen drängen mit immer mehr SB-Backstationen in den Markt, hinzu kommen die Backshops", sagt Essel. "Das alles kostet die traditionellen Handwerksbetriebe Umsätze."

Gewerkschafter Uwe Sandmann bezeichnet den Vorschlag der Innung allerdings als "Feigenblatt-Angebot". Die angestrebten Kürzungen würden eine mögliche Lohnerhöhung auffressen. So seien beispielsweise beim Hansebäcker Junge, der auch in Stormarn mehrere Filialen betreibt, Nachtzuschläge von knapp 30 Euro die Woche nicht unüblich.

"Die Innung versucht, die ganz große Keule herauszuholen", sagt Sandmann. Es sei schon schlimm genug, dass viele Betriebe reguläre Stellen in 450-Euro-Jobs umwandelten. Schüler und Studenten würden dann für rund sechs Euro Stundenlohn beschäftigt. Für die nächste Verhandlungsrunde am Donnerstag, 31. Januar, in Bad Bramstedt, sieht der NGG-Sprecher schwarz: "Wir fangen bei null an. Falls sich nichts bewegt, müssen wir über Konsequenzen nachdenken." Dann wären auch Streiks denkbar.

Weitaus optimistischer ist Joachim Lessau, Chef von 195 Mitarbeitern der Braaker Mühle und stellvertretender Obermeister der Landesinnung. "Ich rechne fest mit einem Abschluss", sagt er. Auch wenn sich die Verhandlungen diesmal länger als in den Vorjahren hinzögen, seien die Arbeitgeber an einer baldigen Einigung interessiert. Lessau: "Der eine fordert dies, der andere das, und am Ende trifft man sich." Er habe durchaus Verständnis für seine Mitarbeiter. "Schließlich müssen wir auch daran denken, dass wir trotz unserer Arbeitszeiten den Beruf für junge Leute attraktiv machen." Auf der anderen Seite stehe aber auch die wachsende Konkurrenz durch die Discounter. "Im Verkauf liegen die Lohnkosten bei uns bei 25 bis 28 Prozent." Hinzu kommen deutlich höhere Strompreise und gerade im Hamburger Umland stark steigende Mieten. "Außerdem ist Mehl im vergangenen Halbjahr um 30 bis 40 Prozent teurer geworden."

Aber wenn es nach Joachim Lessau geht, kann er die in diesen Tagen von seinen Mitarbeitern am häufigsten gestellte Frage vielleicht ja schon am Freitag nach den Verhandlungen beantworten. Sie lautet: "Chef, wann gibt es endlich mehr Geld?"

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